Das „Si ma ma kaa“ aus Afrika macht Halt in Bünde
von Christine Zeides
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erstellt am 10.07.2011
Das Forum füllte sich stetig mit gespanntem und neugierigem Publikum. Was hatten die Schüler des Freiherrn-vom-Stein-Gymnasiums wohl dieses Jahr vorbereitet? Viele hatten das Konzert des letzten Jahres in guter Erinnerung. Das Sommerkonzert des 8.Juli 2011 würde zeigen, ob sich das Gymnasium musikalisch weiterentwickelt hatte.
Eröffnet wurde das Sommerkonzert dieses Jahr von dem Unterstufenchor. Mit ihrem Lied „Seid Willkommen“ begrüßten sie die gespannten Zuhörer und erzählten ihnen in selbst gedichteten Strophen von ihrer Schule. Nachdem sie mit der bekannten Melodie „Der, Die, Das“ aus der Sesamstraße Einblicke in ihre Kinderwelt gegeben hatten, präsentierten sie das erste afrikanische Stück des Abends. „Unser Stück heißt „Si ma ma kaa“. Es geht darin um ein aufgeregtes, singendes Küken, dass herumläuft, stehen bleibt und sich dann wieder hinsetzt“, erklären die Schüler in ihrer Ansage. Die jungen Sänger haben sich hierfür eine lustige Choreographie einfallen lassen und gehorchten artig den Winken ihrer Chorleitern Kerstin Thomas. Die Freude am Singen war den Kindern klar anzusehen und wurde vom Publikum entsprechend mit Bravo-Rufen belohnt.
Nun durften sich die Zuhörer auf den Instrumentalkreis unter der Leitung von Erika Becker freuen. Nach dem „Elfentanz“ von Edward Grieg entführten sie das Publikum in die geheimnisvolle Welt von Harry Potter. Die vier Querflöten verbreiteten eine gespenstische Stimmung und zu Recht konnten sich die Zuschauer nicht an ein auferlegtes Applausverbot zwischen den Stücken halten.
Nun betraten Herr Seidel und sein Klassenorchester der 5f die Bühne. Die Kleinsten des FvSG, die nun seit einem Jahr gemeinsam musizieren, spielten zunächst die „Musette“ von Bach und „Big Rock Sandy Mountain“ bevor sie einen rhythmusreichen Abschluss mit dem italienischen „Tiritomba“ fanden. Herr Seidel glänzte dabei in der Rolle eines Dirigenten mit echtem Dirigierstab, an dessen Vorgaben zu Lautstärke und Tempi sich die jungen Musiker halten mussten.
Sehnsüchtig wurde die neue Schulband besonders von den jungen Zuhörern erwartet. Unter der Leitung von Herrn Schepers spielten sie den Song „Break your heart“. Eine gute Leistung brachte neben den Vokalisten Leon Sasse und Louisa Kohnert der aufstrebende Rapper Daniel Moradi-Kahlou, der mit seiner lockeren Art dem Song eine persönliche Note verlieh.
Und auch der Mittelstufenchor von Linda von Below hatte etwas zu bieten: Auch wenn der Sopran sicher nicht sein Bestes zeigen konnte, hatte ihr Lied „Perfekte Welle“ genügend Dynamik um das Publikum in ihren Bann zu ziehen und schließlich zu großem Beifall anzuregen. Am Klavier begleitete sie dabei Jan-Phillip Schnier.
Gesteigert wurde das nun durch ein Kooperationsprojekt des Mittelstufenchores und der Band. Gemeinsam glänzten sie mit dem Song „Wonderwall“, in dem Schlagzeug und E-Gitarre schöne Soli spielten und die Solosänger im Refrain von den Chorstimmen unterstützt wurden. Herr Schepers und Frau von Below schienen vollends zufrieden mit ihrer Truppe zu sein und hatten auch allen Grund dazu.
Nun durfte das Klassenorchester der 6e zeigen, was es im vergangenen Halbjahr geschafft hatte. Mit Imke Rieping am Notenpult spielten sie „House Party“ und „Slow Motion“. Für ihr drittes Stück, die „Piraten-Ouverture“, verkleidete sich die Klasse mit Kopftüchern, sodass sie nun als kleine Freibeuter das Meer aus Musik und wallenden Tönen unsicher machten.
Überrascht war der Hexenmeister Seidel, der seine Big Band auf der Bühne sah. Er hatte sie tatsächlich bei einer Tequila-reichen Pause erwischt – und so etwas kann ein guter Hexer nicht dulden. „Schluss mit dem Faulenzen! Jetzt wird gearbeitet!“ fuhr er seine Musiker an, die so dermaßen im Rausch gewesen sein mussten, dass sie erst nach zwei schlechten Anläufen endlich das passende Stück „Tequila“ spielen konnten. Nun übernahm Herr Brüggemann die Ansage des nächsten Stücks. „Publikum - sei auf der Hut! Harry Potter spiel‘n wir gut!“ Damit hatte er nicht übertrieben, und so griffen die Klarinetten, Trompeten und Tuben das düstere Hogwarts-Motiv des Instrumentalkreises wieder auf - natürlich viel gewaltiger und erschreckender als es die kleinen Querflöten vermocht hatten. Zuletzt boten sie die Filmmusik zu „Fluch der Karibik“ dar. „Wallet, wallet ihr Akkorde! Mit der Käpt’n Sparrow Runde endet uns’re Geisterstunde“ fügte Herr Brüggemann hinzu. Nun verzauberten stürmische Töne und berühmte Melodien das Publikum und berichteten von fernen Abenteuern auf den sieben Weltmeeren – eben so, wie es zuvor von dem weisen Trompeter prophezeit worden war.
Wer dachte, Lady Gaga wäre etwas für Mädchen, konnte sich von der A cappella-Band eines Besseren belehren lassen. Zwar hatte das bekannte Lied „Bad Romance“ nun einen anderen Charakter und eine „männlichere“ Klangfarbe bekommen, doch durch die guten, durchaus hohen Stimmen und den Beatboxer bekam auch diese Version Starpotential für die Zuhörer.
Der Mädchenchor von Frau Thomas musste an diesem Abend seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Sie begannen mit „Gabriella’s Song“, in der sie das Gefühl von Sehnsucht nach freiem Leben ausdrücken sollten. Anschließend sangen sie „Creep“, ein Stück, dass Ausdruck einer massiven Identitätskrise ist und musikalisch vor allem durch Lautstärke und gute Betonung lebt.
Nachdem die Krise überwunden war, nahm sich der Chor des Themas Afrika an. Das Medley des Musicals „König der Löwen“ gefiel dem Publikum sehr und besonders das „Hakuna Matata“ hat wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Natürlich wäre dieser Erfolg nicht ohne die Unterstützung von Markus Gorski möglich gewesen, der die Mädchen am Klavier begleitet hat.
Bevor der große und krönende Abschluss kam, wurde Herr Henze auf die Bühne gebeten. Er erklärte, dass dieses Jahr erstmalig Spenden aus dem Konzert zur Hälfte an die Partnerschule in Malawi gehen würden und dass das FvSG den Schülern dort eine besseres Lernatmosphäre und genügend Materialien schaffen wolle.
Nun wollte auch Frau Thomas einige Worte sagen. Feierlich wurden vier Schüler des Chores verabschiedet, die jahrelang tatkräftig mitgesungen hatten und nun, dank eines bestandenen Abiturs, die Schule verlassen werden. Die Chorleiterin bedankte sich herzlich für die schöne gemeinsame Zeit und wünschte ihnen für ihr zukünftiges Leben viel Glück und Erfolg.
Ruhe breitete sich im Forum aus. Die A Cappella-Band sang hypnotisierend die Nationalhymne Afrikas: Nkosi sikelel’i Afrika. Langsam und immer schneller werdend rieben nun die Schüler der A Cappella-Band, des Mittelstufen- und des Mädchenchores ihre Hände aneinander. Einige begannen vorsichtig zu schnipsen. Immer mehr Personen reihten sich ein, einige patschten mit den Händen auf ihre Oberschenkel. Immer lauter wurde der Regen, die Tropfen prasselten auf die Bühne. Die Zuschauer fühlten sich plötzlich hineinversetzt in ein afrikanisches Gewitter und lauschten gebannt der Vorstellung. Eine erste Gruppe sprang auf der Bühne und ein Donner erschütterte das Forum. Langsam legte sich der Sturm und das Klavier begann zu spielen. „I bless the rains, down in Africa! “ lautete nun die Parole des Songs “Africa” und zollte somit einen Tribut an den fernen Kontinent. Am Ende waren alle, Musiker wie Zuhörer, überwältigt von der Schönheit Afrikas, die in diesem Lied auf musikalische Weise lebendig wurde. Tosender Applaus nahm schließlich die Idee des Regens wieder auf.
Ein stolzer Herr Henze beglückwünschte die jungen Musiker zu dem gelungenen Konzert und bedankte sich besonders bei den engagierten Lehrkräften, die die Schüler auf ihrem Weg unterstützt hatten. Mit einem weinenden Auge mussten dabei Herr Schepers und Frau von Below verabschiedet werden, die beide zu einer festen Stelle an eine andere Schule wechseln werden.
Musikliebende Zuschauer waren bei diesem Konzert mal wieder auf ihre Kosten und einem fremden Kontinent näher gekommen. Man darf gespannt sein, ob die Musiker des Freiherr-vom-Stein es schaffen werden, diese wunderbare Leistung im nächsten Jahr noch einmal zu steigern…
