Kunstfahrt nach Hamburg am 7. Juni 2008
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erstellt am 22.06.2008
Es war bereits das vierte Mal, dass wir an der Kunstfahrt-AG, die Anfang des Jahres von Mirja Weber und Matthias Rinn wieder in neuer Form ins Leben gerufen worden war, teilnahmen und jeder erwartete, dass dieser Samstag ein sehr gelungenes Erlebnis werden würde. Nachdem wir bereits Münster, Bremen und Hannover kulturell besichtigt hatten, sollte es dieses Wochenende also die Stadt Hamburg sein, für die allein es sich bereits lohnte, dabei zu sein.

Kultur am Wochenende - unter diesem Motto ging es schon frühmorgens vom Bünder Bahnhof aus los. Mit pädagogischer Sicherheit leitete uns Herrn Klimmek, der bereits das dritte Mal mit dabei war, aufs richtige Gleis, in den richtigen Zug und zur richtigen Haltestelle nach Osnabrück, wo wir von Herrn Rinn und Frau Weber bereits erwartet wurden. Die Müdigkeit sowie die Heiserkeit vom vorigen Abend, an dem ausgerechnet die Abiparty stattgefunden hatte, waren schnell verschwunden, als im Zug die letzten Referate vorbereitet und die Stadtpläne von Hamburg studiert wurden. Ein bisschen Bammel hatte uns die Aussicht auf die dreieinhalbstündige Fahrt nach Hamburg bereitet, umsonst, wie sich schnell herausstellen sollte. Die Fahrt zwar war lang, doch bevor sie langweilig werden konnte, wurden ein Würfelbecher und ein Block gezückt, beim darauffolgenden Kniffelspiel vergaßen wir die Zeit, schafften es trotzdem, passend in Bremen umzusteigen und spielten weiter bis Hamburg. Insgesamt war also alles doch viel schneller gegangen, als man erwartet hatte.
Am Ziel angekommen ging es gleich weiter zur Kunsthalle, nicht, ohne vorher von Herrn Rinn auf die Einzigartigkeit des Hamburger Bahnhofes aufmerksam gemacht worden zu sein, der einzige in Deutschland, an dem man direkt mit klassischer Musik empfangen wird, etwas, das unsere sowieso gute Laune nur noch verbessern konnte.
Schließlich erreichten wir das Museum und jeder hatte zunächst eine Stunde Zeit, um sich die einzelnen Ausstellungen anzusehen und sich ein Werk herauszusuchen, das einem besonders gut gefiel, um es später vorzustellen und erste Interpretationsansätze zu versuchen. Für jeden war etwas dabei, man fand alte Gemälde in der Halle der Alten Meister, geprägt von vielen Details und Farben, oftmals mit dazugehörigen Geschichten, außerdem gab es die beeindruckende Malerei des 19. Jahrhunderts, die Klassische Moderne und nicht zuletzt die Galerie der Gegenwart, in der die Internationale Kunst seit 1960, von der Pop Art bis zur Gegenwart präsentiert wird. Zudem gab es dort eine aktuelle Ausstellung von Mark Rothko, einem der bedeutendsten Vertreter des abstrakten Expressionismus.
Die Stunde war schnell vorbei, ohne, dass man alles hätte in Ruhe betrachten können, doch dafür war genug Zeit, als wir schließlich mit der ganzen Gruppe loszogen und uns spannende Referate zu den verschiedensten Werken anhörten, sowie eigene Interpretationsversuche unternahmen. Bei unserem Weg durch das Museum entdeckten wir, wie schon auf den vorhergegangenen Fahrten, dass Kunst spannend ist und Spaß macht, und dass man ständig neue Dinge entdecken kann, über die es sich zu reden lohnt.
Man suchte nach dem Goldenen Schnitt, diskutierte über Sinn und Unsinn gewisser Tropfsteinmaschinen, erfand wilde Geschichten zu auf den ersten Blick langweilig wirkenden Kunstwerken, machte Treffpunkte aus, zu denen niemand hinfand und verirrte sich in den vielen Gängen und Räumen in der Galerie der Gegenwart, in der, nebenbei, einige von uns ihren kreativen Höhepunkt erreichten. Es war im Grunde ein mehr oder weniger langweilig wirkendes Filzgebilde, mit dem entsprechenden Modell davor entpuppte es sich jedoch erstaunlicherweise als die Flügel eines Todesengels, ein äußerst denkwürdiges Ereignis, welches natürlich photographisch festgehalten werden musste. Diese Interpretation war nur eine von vielen, doch alle hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen und ist sicherlich nicht halb so interessant und witzig, wenn man das ganze "live" erlebt.
Als schließlich die gemeinsame Zeit in der Kunsthalle um war, blieb uns noch ein wenig Zeit, um die Stadt Hamburg zu erkunden, eventuell kleinere Shoppingtouren zu veranstalten, oder die Speicherstadt zu bewundern. Pünktlich um viertel vor sieben traf sich die Gruppe dann, erschöpft aber zufrieden, um den Weg nach Hause anzutreten. Der Zug war voll, wir zerstreuten uns, blieben in kleinen Gruppen, und fanden uns schließlich in alter Runde zu einer neuen Partie Kniffel wieder, bauten Papierflieger und amüsierten damit sowohl uns als auch andere Fahrgäste, wir wurden wieder selbst kreativ, fertigten Minigemälde mit Kugelschreiber auf kariertem Papier an, bastelten Rosen und diskutierten noch einmal über die Ereignisse des Tages. Und so kam schließlich auch diese Zugfahrt und damit die ganze Kunstfahrt zu einem raschen Ende. In Osnabrück verabschiedeten wir uns von Herrn Rinn und Frau Weber, die uns hoffentlich nicht das letzte Mal eine so lustige und schöne Zeit geboten haben, in Bünde trennte sich schließlich der Rest der Gruppe voneinander, um den Weg nach Hause anzutreten.
Während nun in heimischen Kühlschränken Experimente aus dem Museum nachgestellt werden und manch einer sich an Fotos von lebenden Kunstobjekten erfreuen kann, warten wir alle auf das nächste Jahr und damit auf die nächste Kunstfahrt. Übrigens: Am Ende unseres Museumsbesuches fand wie immer die gewohnte Zeremonie statt, bei der jeder sich ein Werk aussuchen konnte, welches er mit nach Hause nehmen wollte. Soweit wir es wissen, hat Frau Weber bereits in der Hamburger Kunsthalle angefragt und mit etwas Glück werden unsere Gemälde und Skulpturen bald feierlich an uns überreicht und dürfen Wohnzimmerwände und Wintergärten schmücken. Falls dies nicht klappen sollte, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als es in der nächsten Stadt zu versuchen!
