Argument für Argument auf dem Weg nach Detmold
von Christine Zeides
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erstellt am 29.01.2012
Sollte die NPD verboten werden? Sollten öffentliche Verkehrsmittel kostenlos sein? Sollten Jugendliche an der Bundestagswahl beteiligt werden? Man könnte meinen, solche Fragen würden sich nur Politiker stellen - doch dem ist bei Weitem nicht so. Im Rahmen des Wettbewerbs Jugend debattiert haben sich erstmals Jugendliche der Einführungsphase des FvSG wichtigen politischen Fragen gestellt und gezeigt, wie gut es ist, seinen Standpunkt verständlich artikulieren zu können. Wichtige Techniken für Ausdruck und Formulierung wurden zuerst in den SOWI-Kursen trainiert, bevor die Schüler gegeneinander antraten. Zuletzt konnten 12 Schülerinnen und Schüler bei dem Schulfinale am 27.01.2012 in der Mediothek um den Einzug in den landesweiten Wettbewerb kämpfen.
In den drei Debatten der Finalvorrunden ging es hoch her. Jeweils 24 Minuten wurden mit Eröffnungsrede, freier Aussprache und Schlussrede gefüllt. Die Fragen "Sollte der Gebrauch von Pfefferspray verboten werden?" (diskutiert von Tobias Bruning, Leonard Stepien, Bernhard Heermeier und Tom Haaf), "Sollten die Noten für den Sportunterricht abgeschafft werden?" (bearbeitet von Robin Krenz, David Bansmann, Jan Wobker und Johannes Bäumer) und "Sollten Mädchen und Jungen in bestimmten Fächern getrennt voneinander unterrichtet werden?" (debattiert von Malte Kienitz, Justin Knüppe, Anna-Laura Hännel und Christine Zeides) ließen viel Raum für Pro- und Kontraargumente. Dementsprechend facetten- und ideenreich gestalteten sich die Gespräche. Von einer strengen Jury aus Fachlehrern begutachtet, versuchte jeder möglichst viele Punkte in den Bereichen Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft zu erzielen. Dabei galt es noch, seinen eigenen Standpunkt vor den anderen zu rechtfertigen, zu stützen und gleichzeitig die Argumente der anderen im Auge zu behalten, um sie später entkräften zu können. Nur wenige schafften es, den Überblick bis zum Ende zu behalten.
Die Bewertung erwies sich als ziemlich schwierig und undurchsichtig, da die Mitglieder der Jury ständig wechselten, ohne dass dabei sichergestellt war, dass jeder Schüler von einem unparteiischen Lehrer beurteilt wurde. Doch nach langer Unterredung und umständlichem Punkteauszählen konnten die vier Finalteilnehmer gekürt werden, die sich in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit den anderen durchsetzen konnten.
Zu der alles entscheidenden Debatte erschien die gesamte Stufe der Einführungsphase, um die Kandidaten zu unterstützen. So wurden mit großem Applaus nun die vier Finalisten Bernhard Heermeier, Jan Wobker, Malte Kienitz und Tobias Bruning begrüßt, die sich über die Frage "Sollen Schüler ihre Lehrer duzen dürfen?" austauschen sollten. Während die Beteiligten noch einmal tief durchatmeten und sich auf die Bühne begaben, erklärte Schulleiter Jens Ransiek, wie wichtig es für die Schule sei, an dem Wettbewerb teilzunehmen. "Wir haben unsere Lehrkräfte extra geschult, damit die Schüler in den bundesweiten Fragen mitdiskutieren können." Und welchen Nutzen sollen die Schüler aus der Veranstaltung ziehen? "Viele werden etwas für ihr späteres Leben und ihre Persönlichkeit gewinnen, denn die Fähigkeit zu debattieren und richtig zu argumentieren bringt einen in der Schule, im Beruf und im Lebensalltag weiter." Scherzhaft fügte er hinzu: "Momentan ist es wohl vor allem für die Taschengeldverhandlungen in der Familie nützlich." Das sahen die Teilnehmer genauso. "Ich persönlich wollte vor allem meine Rhetorik und den Ausdruck verbessern, um mündliche Beiträge und Vorträge gut vorzustellen", begründete Leonard Stepien seine Teilnahme. "Es ist aber auch einfach interessant, über aktuelle politische Themen zu diskutieren, ohne dabei von einem Lehrer geleitet zu werden. Man muss sich gut vorbereiten, aber trotzdem gibt es immer unerwartete Situationen, auf die man schnell mit Argumenten reagieren muss, um die Debatte voranzubringen. Genau das macht für mich den Reiz an Jugend debattiert aus."
Stille im Saal. Die Debattanten gehen noch einmal ihre Argumente und zurechtgelegten Sätze im Kopf durch. Konzentration. Die Glocke läutet und markiert den Beginn der Diskussion. Die Pro-Seite beginnt. "Schüler sollen ihre Lehrer duzen dürfen, damit das Lernklima verbessert wird." Die Kontra-Seite kontert sofort: " Schüler sollten ihre Lehrer siezen, damit diese den nötigen Respekt erhalten." Und so geht es weiter, Satz für Satz, Seite für Seite, Argument für Argument. Mit kreativen Wortverknüpfungen, einfallsreichen Ableitungen und geschickten Argumentationsstrukturen beleuchten die Finalisten das Thema von allen Seiten. Doch wer kann überzeugen? Die Glocke beendet die Debatte. Aufatmen und Abwarten. Applaus von Seiten des Publikums und der beeindruckten Jury, die sich nun zum letzten Mal zurückzieht, um zu entscheiden.
Freudig verkündete Herr Baumann das Ergebnis. "Zuerst möchte ich sagen, dass wir hier vier Sieger sitzen haben, die Besten der Besten aus eurer Stufe." Doch nur zwei dürfen zu dem regionalen Wettbewerb fahren. Und die Wahl stand fest: Die beiden dritten Plätze teilten sich Malte Kienitz und Jan Wobker, während Bernhard Heermeier den zweiten Platz und Tobias Bruning als Schulsieger den ersten Platz belegte. Die beiden werden nun unsere Schule mit guten Argumenten in Detmold vertreten.
