Ein Zeitzeuge des Nationalsozialismus
von Sebastian Wiegmann
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Aber dies in einer ganz besonderen Weise: als Hitlerjunge. Manche kennen diese Geschichte aus dem hierüber handelnden Film "Hitlerjunge Salomon". Im Rahmen des Geschichtsunterrichts der 10. Klassen über den Nationalsozialismus fand am 17. Mai 2000 zu diesem Zweck in der Aula des FvSG ein Treffen mit Herrn Perel statt.
Nach dem Begrüßungswort "Schalom!" erzählte Herr Perel den 10. Klassen seine Erlebnisse. Er sagte, wenn man sich über die Geschichte Deutschlands unterhalten wolle, sei der Nationalsozialismus mit Hitler, Himmler und allen anderen das schlimmste Kapitel. Er lebte in jenen Jahren als Hitlerjunge in einer Schule in Braunschweig in der ständigen Angst entdeckt zu werden. Dort lebte er in zwei Welten, einmal die in ihm verborgene jüdische und äußerlich die nationalsozialistische. Er erklärte, es sei wie ein ständiges Tauziehen zwischen beiden gewesen. Einerseits fühlte er sich wie ein Hitlerjunge, der den Endsieg der Wehrmacht herbeiwünschte und sich mit der Ideologie der Nazis identifizierte, andererseits malte er des Nachts Davidssterne in die beschlagene Scheibe. Die Identifikation mit den Nazis war eine Abwehrmaßnahme um zu überleben, aber es schädigte ihn für den Rest seines Lebens. Dann erklärte er wie es zu dieser Situation kam. Er verbrachte bis zu seinem 10. Geburtstag ein normales, glückliches Kinderleben in Peine bei Braunschweig. Ab diesem Zeitpunkt begann der Horror. Die Nürnberger Rassengesetze gaben den Ausschlag zur Übersiedlung seiner ganzen Familie nach Lodz in Polen. Aber auch dort waren sie nur sicher bis zum Beginn der Invasion Polens in September 1939. Mit der Gewißheit aus einem Ghetto nicht mehr heraus zu kommen, trennten sich die Eltern von ihren Kinder, welche sie nach Osten in die Sowjetunion schickten. Dort lebten sie in einem Waisenhaus, bis mit der deutschen Operation "Barbarossa" auch die Sowjetunion zu Teilen erobert wurde. Der Vater gab Salomon bei ihrem Abschied auf, seine Religion und Identität zu wahren, aber die Mutter gab ihm, auf zu überleben. Diese beiden Möglichkeiten schlossen sich gegenseitig aus und Salomon traf die Entscheidung zu leben in dem Moment, als ein Wehrmachtssoldat ihn fragte, ob er Jude sei. Zuerst wurde Salomon auf Seiten der Deutschen an der Ostfront eingesetzt. Dort machte er die Bekanntschaft eines homosexuellen Sanitätsoffiziers, der ihn nicht verriet, als er Salomon mit seinem beschnittenen Glied als Juden erkannte. Herr Perel behielt diesen gefallenen Soldaten in guter Erinnerung. Dann wurde Salomon auf Grund seines Alters auf die HJ-Schule Braunschweig verlegt, wo er der oben beschriebene Hitlerjunge wurde. Dort wurde er im Fach Rassenkunde, trotz seiner großen Angst vor Entdeckung, als Arier ostbaltischer Abstammung "erkannt". In seinen Weihnachtsferien fuhr er zum Ghetto nach Lodz, wo er seine Mutter ein letztes Mal von Weitem sah.
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Nach seinen Erzählungen aus der Vergangenheit kam Herr Perel auf die heutige Situation in Deutschland zu sprechen. Er erzählte, dass die heutigen rechten Parteien die gleichen abgedroschenen Stammtischparolen wie damals benutzen, wobei der Hass die wichtigste Propaganda sei. Das einzig andere heute sei, dass sich der Hass auf Ausländer statt auf Juden richte. Herr Perel sagte weiter, er sei entsetzt über die Ausschreitungen mancher Neonazis gegen Juden oder deren Gräber und Synagogen. Er meinte aber, dass die heutige Jugend keine Schuld an Verbrechen der Vergangenheit habe. Herr Perel meinte mit seinem Ausspruch "Man soll nicht das Gedächtnis beschweren, sondern den Geist erleuchten", dass Aufklärung auch heute sehr wichtig sei. Und auch er leistet Aufklärung, indem er seine Erlebnisse heute jungen Menschen mitteilt. Er betrachtet seine Mission als erfüllt, wenn er auch nur einen Neonazi bekehrt. Hierzu zitierte er aus dem Talmud: "Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt".
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Dann stellte sich Herr Perel Fragen aus der Zuhörerschaft. Zum Beispiel antwortete er auf eine Frage, was mit seinem Familie geschehen sei, dass sein Bruder in Dachau überlebt habe, aber seine Eltern in der Gaskammer umkommen seien. Eine weitere Frage war, ob er in der HJ Freiheit und Begeisterung empfunden habe. Daraufhin sagte Herr Perel, dass er sich gefühlt habe wie ein echter Nazi. Eben mit dieser Begeisterung und Vaterlandsliebe habe das NS-Regime die Jugend im Krieg "verheizt". Am Ende konnte man sich sein Buch, mit seinen Erlebnissen, kaufen, und dieses Angebot wurde von den Zuhörern mit großem Andrang wahrgenommen.
