Erinnerung und Hoffnung

von Eckhard Augustin und Jens Böwer 

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erstellt am 13.11.2005



An der Feierstunde nahmen die Bürgermeisterin, Frau Anett Kleine-Döpke-Güse, und weitere Vertreter der Stadt sowie mehrere hundert Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen, ihre Lehrer und Bünder Bürger teil.
Durch die Anwesenheit eines Zeitzeugen, der zu den Opfern der nationalsozialistischen und später der stalinistischen Gewaltherrschaft gehörte, gewann die Gedenkfeier des Jahres 2005 besondere Aktualität: Der 1920 in Polen geborene Jacob Shepetinski wurde 1941 in das Ghetto von Slonim deportiert und entging bei einer Massenerschießung nur knapp der Ermordung durch ein nationalsozialistisches Vernichtungskommando. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er im stalinistischen Russland der Spionage beschuldigt und zu zehn Jahren Straflager verurteilt. Heute lebt Jacob Shepetinski mit seiner Familie in Israel.

In ihrer Ansprache betonte betonte die Bürgermeisterin, "dass viele Bünder auch nach fast 70 Jahren nicht vergessen wollen". Sie erinnerte daran, dass die "Schattenseiten der eigenen Stadtgeschichte" niemals "in der Schublade des Vergessens verschwinden" dürfen.
Schülerinnen und Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums nahmen Zitate aus dem Buch "Die Jacobsleiter" von Jacob Shepetinski zum Anlass, sich über zeitlose menschliche Werte wie Zuversicht und Nächstenliebe Gedanken zu machen. Sie kamen dabei zu der Erkenntnis, dass die Nationalsozialisten es bei all ihrer Brutalität nicht geschafft haben, jedem ihrer Opfer die Fähigkeit zur Nächstenliebe und zur Hoffnung zu nehmen, wie das Beispiel von Jacob Shepetinski zeigt.
In seiner kurzen Rede wies Jacob Shepetinski auf die Bedeutung der historischen Erinnerung hin und rief die Jugendlichen zur Wachsamkeit gegenüber menschenverachtenden Denkweisen auf. Anschließend sprach er ein Kaddisch, ein jüdisches Totengebet.



Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung legte die Bürgermeisterin gemeinsam mit Jacob Shepetinski einen Kranz am Gedenkstein auf dem alten jüdischen Friedhof nieder, und die Schülerinnen und Schülern ehrten die ermordeten jüdischen Mitbürger durch Dutzende von roten Rosen.
Die Gedenkfeier wurde musikalisch ansprechend vom Bläserkreis des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums umrahmt.