Mit dem Bus in die Römerzeit - Geschichtsexkursion des 6. Jahrgangs nach Xanten
von Jörg Heger
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erstellt am 24.04.2008
Hervorgegangen aus einem unter Augustus errichteten Legionslager, entwickelte sich hier am Niederrhein, im Grenzgebiet zwischen Römern und germanischen Völkerschaften im ersten nachchristlichen Jahrhundert eine veritable Großstadt. Als die Siedlung um 98 n. Chr. die Rechte einer colonia erhielt, rückte sie in den Kreis der 150 höchstrangigen Städte des römischen Reiches. Benannt wurde sie nach dem Kaiser, unter dessen Herrschaft das Imperium in den folgenden Jahren seine größte Ausdehnung erlangen sollte: Marcus Ulpius Traianus. Zu seiner Blütezeit umfasste der Ort mehr als zehntausend Einwohner. Sicher geborgen im Schutz mächtiger Mauern, mag ihre Geschäftigkeit die Straßen und Bauwerke der Stadt mit Leben erfüllt haben - eben jener Stadt, die nun kurze 2000 Jahre später die Schülerinnen und Schüler des FvSG nicht weniger lebhaft erkunden konnten. Oder zumindest fast: Denn tatsächlich existiert die Römerstadt mit ihrer beeindruckenden Stadtmauer, dem Rund des Amphitheaters, den Thermen und Tempeln in erster Linie als Rekonstruktion - gesichert freilich durch die archäologische Forschung, die hier im Wortsinne die im Boden verborgenen und erhaltenen Grundlagen sichtbar gemacht hat.
Wie die Schülerinnen und Schüler die Colonia Ulpia Traiana "gefunden" haben - auch das mag man im Wortsinne verstehen, da ein wesentlicher Anspruch der Exkursion darin besteht, nicht einfach "Schauwerte" vorzuführen, sondern durch die Lernenden erschließen zu lassen - , können die Schüler selbst am besten beurteilen, die Rückmeldungen fielen zumeist recht positiv aus. Ein erstes Fazit aus Sicht der beteiligten Kollegen kann indes vier Konsequenzen herausstellen:
1. Das Lernen an historischen Orten bietet zweifellos Möglichkeiten, die der herkömmliche Klassenunterricht eben nicht schaffen kann. Die Fahrt nach Xanten - zu einem so frühen Zeitpunkt - verdeutlicht jedoch auch, dass außerschulisches Lernen tatsächlich den "Schonraum" Schule verlässt. Hier bleibt zu überlegen, inwieweit im Folgejahr nicht auch das im April 2008 noch geschlossene Museum einbezogen werden kann.
2. Aber nicht nur aus pragmatischen Gründen liegt dieser Schritt nahe. Auch im Sinne der Methodenkompetenz scheint es sinnvoll, den Lernenden auch einen Zugang zu historischen Museen zu eröffnen.
3. Die Exkursion hat ihren didaktischen Ort am Ende eines längeren Lernprozesses, in dessen erster Phase sich die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen intensiv mit einzelnen Aspekten der römischen Geschichte auseinandergesetzt haben. Die hier entstandenen Vorträge wurden schließlich im Wesentlichen in Xanten vorgestellt. Diese projektartige Form des Unterrichts entspricht dem Gebot selbstständigen Lernens, die Eröffnung von Lernfreiräumen kommt den Arbeitsbedingungen des Nachmittagsunterrichts entgegen. Um beide Unterrichtsphasen stringent zu verknüpfen, scheint es allerdings sinnvoll, die Themen der ersten Phase noch stärker auf den historischen Ort zuzuschneiden. Erst eine solch enge Verzahnung ermöglicht es den Lernenden, sich den - für sie in aller Regel ja fremden - Ort selbstständig zu erschließen.
4. Verbunden damit ist schließlich auch die Frage der Gewichtung der einzelnen Kompetenzen, die im Rahmen der Exkursion und des vorbereitenden Unterrichts vermittelt werden sollen. Rückt man nun die Methodenkompetenz "Umgang mit historischen Orten" bzw. "Museen" in den Fokus, so dürfte es zugleich angemessen sein, die Sachinformationen, die sich die Schüler im Vorfeld erschließen müssen, auf eben diesen Ort zu konzentrieren.
