Vortrag im FvSG: Zur Symbolik in der rechten Szene

von Jörg Heger 

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erstellt am 14.03.2007



Ausgestattet mit Springerstiefeln, Bomberjacke, kahlköpfig, die rechte Hand nach schräg oben ausgestreckt, betrunken Hetzparolen grölend - so stellt man sich den typischen Rechtsradikalen vor. Dass dieses einfache Bild der vielschichtigen Realität nur teilweise entspricht und die modernen Rechten antreten, unter einer verwirrenden Vielfalt von Symbolen bis in die Mitte der Gesellschaft zu marschieren, zeigte hingegen der Vortrag "Musik, Moden, Markenzeichen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der rechten Szene", der am 08.03.2007 in der mit ca. 80 Zuhörern gut besuchten Mediothek des FvSG stattfand. Unter dem etwas sperrigen Titel eröffnete der Paderborner Historiker und Museumspädagoge Norbert Ellermann einen ebenso lehrreichen wie engagierten und sarkastisch-entlarvenden Blick auf das breite Spektrum rechter Symbolik von vermeintlich altgermanischen Heilszeichen auf T-Shirts und Krawattennadeln über bei Hitler-Verehrern beliebte Zahlen- und Buchstabenkombinationen ("88") bis hin zu den lyrischen Ergüssen der rechter Barden und Bands.
Dass sich hierbei im Denken und in der Bildsprache rechter Jugendlicher und junger Erwachsener Vergangenheit und Gegenwart häufig untrennbar miteinander vermengen, verdeutlichte der Referent gleich zu Beginn am Beispiel der "Schwarzen Sonne": Ursprünglich ein im Auftrag der Schutzstaffel (SS) unter Heinrich Himmler aufwändig gestaltetes Bodenmosaik im Nordturm der Wewelsburg unweit von Paderborn sollte dieses "Heilssymbol" im Mittelpunkt eines überdimensionierten Kultzentrums der SS stehen. Nach 1945 avancierte das Sonnenrad unter seinem neuen mystisch angehauchten Namen zum Kultobjekt der Rechten und findet sich gegenwärtig auf T-Shirts, CD-Covern oder auch ganz profanen Kaffeetassen - quasi himmlischen Genuss versprechend.
Überhaupt nimmt, so erfuhren die Zuhörer, Ostwestfalen-Lippe im Geschichts- und Weltbild rechter Gesinnungsfreunde, die längst national und international vernetzt auftreten und agieren, eine prominente Stellung ein: Von der Wewelsburg ist es etwa nur ein Katzensprung zu den Externsteinen bei Detmold, die bereits von der SS zur germanischen Kultstätte deklariert wurden und bis heute alljährlich zur "Sommersonnenwende" am 21. Juni nicht nur zum Ort eines fröhlich-anarchischen Spät-Hippie- und Neu-Heiden-Festivals, sondern auch zum Treffpunkt der Neonazi-Szene werden.
Wie aber lassen sich, wird sich mancher Besucher schon an dieser Stelle gefragt haben, "spinnerte", aber letztlich harmlose Esoteriker und "Ökos" von verfassungsfeindlichen Rechtsradikalen unterscheiden? Dass Differenzierung und Vorurteilslosigkeit - nicht jedoch Verharmlosung und ein bewusstes Übersehen - hier Not tun, war eine weitere Erkenntnis, die der Vortrag vermittelte. So gibt es charakteristische rechte Gesinnungskleidung: Geschickt drapiert werden die auf Brust und Rücken beschrifteten Kleidungsstück der Marke "Consdaple" oder "Pittbull" zum Ausdruck eines Denkens, das die Verbrechen des Dritten Reiches bewusst verharmlost, leugnet oder gar als Ansporn eigenen Handelns begreift. Allerdings schließt das von ihren Trägern aus dem Markennamen oder einzelnen Buchstabenkombinationen abgeleitete Bekenntnis nicht aus, dass auch Streetworker gegen rechte Gewalt etwa Kleidung von "Lonsdale" tragen, schlichtweg, da es sich um bequeme Sportkleidung handelt. Erst durch ihren Träger also wird sie politisch aufgeladen - unabhängig davon, dass einzelne Firmen ihre Produkten bewusst auf die rechte Kundschaft zuschneide(r)n. Somit aber kann ein einzelnes Symbol zur eindeutigen Identifizierung eines möglicherweise rechtsstehenden Trägers nicht ausreichen: Mit Blick auf den vermeintlich für rassistisches Denken stehenden weißen Schnürsenkel gelangte der Referent denn auch zu dem Schluss: "Never trust a Schnürsenkel".
Eindeutiger erscheint hingegen das Bild, wendet man sich der rechten Musik zu: Die zahlreichen Beispiele, die angespielt wurden, machten deutlich, dass sich rechte Musik - abgesehen von der Lautstärke - zwar nicht auf einen einheitlichen musikalischen Nenner bringen lässt und Gitarrenrock ebenso adaptiert wird wie Balladen oder Marschmusik. In ihren Inhalten weist die Musik für das rechte Gemüt aber doch eher ein beschränktes Repertoire auf, das sich der Einfachheit halber zumeist in Hassparolen gegen alles Fremde oder vermeintlich "Un-Deutsche" ergeht.
Wer nun vermutet hätte, dass die Zuhörer am Ende des informationsgesättigten Vortrages erschöpft in die Stühle zurückgesunken oder den sofortigen Weg nach Hause gesucht hätten, sah sich erfreulicherweise getäuscht. Vertiefende und weiterführende Nachfragen beispielsweise zur Verortung von Rock-Größen wie "Rammstein" im rechten Spektrum zeugten von persönlichem Interesse und einem wachen Blick auf Denkmuster und Symbole, die längst den Weg aus dem rechten Milieu hinaus in die Verkaufscharts und damit die breite Öffentlichkeit gefunden haben. Sie zeigten aber auch, dass der Referent mit seinem Thema, dessen betont unakademischer Präsentation und seinem persönlichen Engagement den Nerv seines zumeist jungen Publikums getroffen hat.