Wer pfeift denn da vom Dach?

von Florian Pfitzner 

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erstellt am 20.12.2010



Foto: Julia Mausch Foto: Julia Mausch

Gruppe eines Artenschutzprojekts des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums widmet sich dem Haussperling


Bünde. Spatzen finden’s spitze: Carolin Fend betreibt am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium seit dem Beginn des Schuljahres mit dem Projekt „Wer hat hier einen Vogel?“ praktischen Artenschutz. Gestern präsentierte die Referendarin mit ihrem siebenköpfigen Team aus Schülern des sechsten Jahrgangs das Ergebnis: ein Eldorado für Haussperlinge, bestehend aus Nistkästen, Insektenhotels und Sträuchern.

Jonas, Flavio und Carl-Christian sind sichtlich stolz auf das Geleistete: Vier Nistkästen für Haussperlinge, die häufiger einfach unter Spatz firmieren, hängen an einem massiven Stahlträger unweit des Biologie-Trakts des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums. Als quaderförmige Bauten mit geschmackvollen Hellholzfassaden beweisen die Häuser, wie sich anspruchsvolle Architektur und Zweckmäßigkeit stilvoll vereinen lassen. Neben der klaren Gestaltung prägen rustikale Dachkonstruktionen die Bauform und verleihen dem Einflugbereich einen zusätzlichen Akzent.

Im Vorfeld der Zimmerarbeiten haben sich Carolin Fend und die elf- bis zwölfjährigen Teilnehmer der Projektgruppe überlegt, „für welche Vogelart wir an der Schule etwas tun sollten“, sagt die Referendarin. Da Spatzen immer gefährdeter sind, hat sich die Gruppe für den gescheitelten Singvogel entschieden. Drei Monate haben sich die Artenschützer intensiv mit dem kleinen Piepmatz mit dem kräftigen Schnabel beschäftigt, sagt die 26-jährige Bad Oeynhauserin, die das Resultat in ihre Examensarbeit einfließen lassen will. Dabei brachte Fend nicht nur biologische Expertise mit, sondern auch handwerkliche. „Ich habe bereits als Kind Nistkästen gebaut, einige Kniffe hatte ich also schon parat.“ Um garantiert jedes Risiko auszuschließen, erfuhr die Gruppe fachliche Unterstützung von der Akademie Überlingen.

Carolin Fend und ihre Schüler stellten sich jedoch nicht damit zufrieden, durch die schmucken Dreiraumdomizile allein der Wohnungsnot der Haussperlinge entgegenzuwirken. „Wir haben auch Sträucher angepflanzt und Insektenhotels gebaut“, sagt Jonas Rieck. Insektenhotels? Das sei ein künstlich angelegter Nistplatz für Insekten, erklärt die Referendarin. „Damit für Jungvögel genug Nahrung in der Nähe ist.“

Klaus Nottmeyer, Leiter der Biologischen Station Ravensberg und Vorsitzender der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft, begleitete das Projekt punktuell. Carolin Fend lud den Vogelexperten zu einem Schülerinterview ein. „Die Schüler waren sehr interessiert“, sagt Nottmeyer. Die Kinder fragten, was Spatzen mögen, was sie zum Leben brauchen und wie sie überwintern. „Es sollte viel mehr solcher Projekte geben.“

Carl-Christian Schwarze aus dem Artenschutzteam des FvSG würde „sehr gerne damit weitermachen“. Schulkamerad Jonas Rieck auch, „aber dann möchte ich Greifvögel schützen“. Die bräuchten wohl ein noch geräumigeres Haus als die Spatzen.
 
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Bünder Tageblatt, Samstag 18. Dezember 2010