Elektra
Elektra

Elektra

von Ole Niediek 

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erstellt am 16.06.2016



Foto: Nils Könemann Foto: Nils Könemann Foto: Nils Könemann Foto: Nils Könemann Foto: Nils Könemann

Elektra ist der der Titel der diesjährigen Aufführung des Literaturkurses Q1. Das Drehbuch ist frei nach Hugo von Hofmannsthal und Sophokles entstanden und erzählt die Geschichte von Elektra, einem vaterlosen Mädchen, dass von Hass zerfressen ist.
Agamemnon, Elektras Vater, opferte vor Jahren ihre ältere Schwester den Göttern. Elektras Mutter, Klytämnestra erschlug aus Rache ihrerseits den Vater. Nun lebt sie mit ihrem neuen Liebhaber Ägisth in einem reichen Haus voller Bediensteter. Ihre beiden Töchter Chrysothemis und Elektra hält sie zuhause wie Gefangene. Während die jüngere Chrysothemis glaubt, dass sie, wenn sie sich nur brav verhält, eines Tages frei kommt, sinnt Elektra auf Rache für dem Mord an ihrem Vater. Nach dem Mord floh damals Elektras Bruder Orest in ein anderes Land, um seiner Mutter zu entkommen. Elektra setzt darauf, dass Orest zurückkehren und ihren Vater rächen wird. Als sie jedoch vom Tod ihres Bruders erfährt, ist Elektra verzweifelt. Von Hass, Wut und Angst zerfressen und halb wahnsinnig bittet sie ihre Schwester, ihr beim Mord zu helfen. Als diese ablehnt, dreht Elektra völlig durch. Der Wahnsinn übermannt sie und sie tötet ihre Mutter mit einem Beil. Danach bringt sie sich selbst um.
Obwohl das Stück sehr kurz war, wurde es hervorragend in Szene gesetzt. Am aussagekräftigsten ist hierbei die Idee, dass Elektra nicht von einer, sondern gleich fünf Schauspielerinnen verkörpert wird (Besetzung 1: Kira Maier, Chiara Bringewat, Isabelle Prochnau, Denise Seiler und Celina Grüner; Besetzung 2: Michelle D’Abundo, Michelle Pucker, Madita Knüppe, Tamara Nikolic und Alica Kohrs). Dies verdeutlicht Elektras Wahnsinn sehr gut. Meist spricht nur eine Elektra, während die anderen den Gesprächspartner umkreisen wie ein Rudel Tiere. Und auch sonst verhalten sich die Elektras wie Tiere: Sie krabbeln und schreien und sehen verwahrlost aus. Immer wenn Elektra wütend wird, treten sie gemeinsam auf als wollten sie das Gegenüber einschüchtern.
Auch alle anderen Schauspieler waren sehr überzeugend. Vor allem die kleine naive Chrysothemis (Celine Breitenkamp; Sahra Landwehr) und die verzweifelte Mutter Klytämnestra (Angelina Wiebe; Alina Stanehl) wurden gut dargestellt. Bei der Mutter wurde gut gezeigt, dass sie ihre Tat zwar nicht bereut, aber trotzdem Frieden mit ihrer Tochter Elektra schließen möchte, was den Zuschauer zu der Frage bringt, wer hier eigentlich der Böse ist, Elektra oder Klytämnestra?
Des Weiteren waren zu sehen als Nebenrollen: Merlin Lams als der Weise, ein alter Bediensteter, der vergeblich versucht, den Hausfrieden zu wahren, Sophia-Marie Klette, Luca Hillen und Arne Grünheid als weitere Bedienstete, die im Gegensatz zu dem Weisen Elektra  hassen, und Lucia Hartwig als Verkörperung des Wahnsinns, der immer dann auftaucht, wenn Elektra gerade durchdreht.
Auch das Bühnenbild war gut erdacht. Über die Bühne verstreut lagen zerstörte, blutbeschmierte Puppen und ein paar hingen auch von der Decke herab. Dies untermalte hervorragend die psychopathische, morbide Stimmung des Stückes.
Einziger Kritikpunkt ist, dass das Stück ein bisschen kurz war. Kaum hattest du dich in die Welt hinein versetzt und alle Charaktere kennengelernt, war es auch schon fast vorbei. Das führte dazu, dass dich die Geschichte trotzdem nicht richtig packte und der Höhepunkt fehlte, da das Ende zu plötzlich kam.
Fazit: Trotzdem, gut gemacht und spannend in Szene gesetzt. Qualität statt Quantität!