Bünde im Nationalsozialismus
Ein Quellenverzeichnis präsentiert vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Bünde


Arbeitslager und Kriegsgefangenenlager

Standort des Lagers Art des Lagers ungefähre Belegung Nationalität d. Lagerinsassen
Stadt Bünde      
Fa. Althage & Herbrechtsmeyer,      
Bünde, Wasserbreite 9-12 KGL 40 Russen
Fa. Brölhorst & Co.,      
Bünde, Moltkestr. 62 KGL 60 Russen
Fa. Rudolf Landwehr,      
Bünde, Papendiekstr. 43/45 KGL 25-30 Russen
Fa. Edwin Kranz,      
Bünde, Lettow-Vorbeck-Str. 33 OAL 22 Russen
Reichsbahn AGL 60 Russen
       
Amt Ennigloh      
Gemeinde Ahle, Nr. 155 KGL 30 Franzosen
Gemeinde Dünne, Nr. 17 KGL 70 Franzosen u. Polen
Gemeinde Ennigloh      
(Bünder Tonwerk) KGL 35 Franzosen u. Russen
Gemeinde Ennigloh AL 55 italienische
Zivilarbeiter
u. Ukrainerinnen
(Herdfabrik Imperial)      
Gemeinde Ennigloh AL 45 Jugoslawen,
Niederländer,
Belgier
u. Franzosen
(Fa. Dörffler)      
Gemeinde Hunnebrock, Nr. 88 KGL 30 Franzosen
Gemeinde Hunnebrock, Nr. 181 KGL 30 Franzosen
Gemeinde Hunnebrock, Nr. 182 AL 20 Ukrainerinnen
Gemeinde Muckum, Nr. 11 KGL 24 Franzosen
Gemeinde Spradow, Nr. 3 KGL 20 Polen u. Franzosen
Gemeinde Spradow, Nr. 123 KGL 100 Franzosen,
später Italiener
im freien Arbeitsverhältnis
Gemeinde Südlengern      
(Turnhalle u. Schule) KGL 200 Italiener
Gemeinde Werfen, Nr. 7 KGL 15 Franzosen
 

(aus: KAH, Kreis, D, Nr. 1361: Paßwesen der Ausländer, Ausländerstatistik)


Auf Grund der nationalsozialistischen Rassenideologie waren sexuelle Kontakte zwischen der deutschen Bevölkerung und den als rassisch minderwertig angesehenen Fremdarbeitern strikt verboten. Fremdarbeiter wurden für sogenannte GV-Delikte streng bestraft, z.T. mit dem Tode. Auch für den deutschen Partner hatte der – so der Gestapo-Jargon – „verbrecherische Umgang mit Kriegsgefangenen“ drastische Folgen. Als z.B. die 30-jährige ledige Erna A. aus Westkilver im Juni 1942 ein Kind zur Welt brachte und keine Angaben zum Kindesvater machen konnte, geriet sie in den Blickpunkt der Polizei. Der Ortspolizist hielt in der Strafanzeige vom 22. September 1942 einleitend fest: „Die Nebengenannte steht in dringendem, hinreichenden Verdacht, mit einem Ausländer und zwar einem franz. Kriegsgefangenen geschlechtlich verkehrt zu haben.“ Ursache der polizeilichen Anzeige war offenbar eine Denunziation aus der einheimischen Bevölkerung gewesen: „Die offen zum Ausdruck gebrachte Meinung der Bevölkerung der Gemeinden Ost- und Westkilver und noch darüber hinaus, geht dahin, dass ein franz. Kriegsgefangener der Erzeuger sein soll. Die A. macht darüber keine Angaben. Sie hat bisher bei allen diesbezgl. Fragen niemals eine Antwort gegeben, so dass angenommen werden muss, dass sie den Erzeuger des Kindes nicht nennen kann oder auch nicht nennen will. ... Vielmehr ist von einer grösseren Anzahl der Bevölkerung beobachtet worden, dass der franz. Kriegsgefangene "Remmi", welcher bei dem Bauern Eickhoff in Westkilver Nr. 12 beschäftigt ist, bei der Angezeigten ein- und ausgegangen ist und zwar wochenlang und regelmässig in den Monaten August 1941 bis in den ersten Monaten 1942.“ Wenige Wochen später, am 10. Oktober 1942, wurde Erna A. vom Sondergericht in Bielefeld zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten und zu drei Jahren Ehrverlust verurteilt.