Malawi, das warme Herz von Afrika

Malawi, das warme Herz von Afrika

von Ulrich Henze 

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erstellt am 06.05.2011



Patenkind-, Schulbesuche und Spurensuche nach Frühmenschen standen im Mittelpunkt
 
"Lilongwe, wo liegt das denn?", fragte uns die Dame, als wir am Flughafen Paderborn unser Gepäck eincheckten. Sicher ist die Hauptstadt Malawis ein nicht alltägliches Reiseziel an einem ostwestfälischen Flughafen. So ungewöhnlich wie das Ziel, so vielfältig waren die Absichten, die wir, d.h. meine Frau und ich sowie Dr. Rainer Ebel (ehemaliger Schüler unserer Schule) und seine Frau, mit der Reise in dieses ostafrikanische Land verbanden. Zum einen wollten wir ein Patenkind besuchen, dass meine Frau seit mehreren Jahren über die Organisation "Plan international" unterstützt. Da wir im Schuljahr 2010/11 Klassenpatenschaften einführen wollten, war ich auch daran interessiert, zu sehen, wie die Organisation PLAN vor Ort arbeitet und ob das Geld auch sinnvoll genutzt wird. Darüber hinaus wollten wir unsere Partnerschule besuchen, die wir seit vier Jahren über die URAHA-Stiftung mit einem Teil des Erlöses unseres Weihnachtsbasars unterstützen. Die Schule liegt in Karonga, einer Stadt im Norden Malawis und direkt am Malawisee. Der Kontakt zu dieser Schule wurde von Dr. Ebel und Dr. Beckmann hergestellt, die unserer Schule einen Abguss des Unterkiefers von Homo rudolfensis, des ersten Frühmenschen, der der Gattung Homo zugeordnet wird, geschenkt haben. Die Partnerschule erhält ebenfalls einen solchen Abguss. Die URAHA-Stiftung versucht auf diese Weise, Schulkontakte zwischen Schulen in Malawi und Deutschland herzustellen und so zur Entwicklung des Bildungssystems in Malawi beizutragen. Der persönliche Besuch soll dazu beitragen, die Schule näher kennen zu lernen, Kontakte auszubauen und zu vertiefen. Das dritte Interesse von mir und Dr. Rainer Ebel galt dem Museum für Vor- und Frühgeschichte und den Grabungsstellen, denn der Norden Malawis kann als Wiege der Menschheit angesehen werden. Hier wurden Funde von Paranthropus boisei (früher. Australopithecus boisei) sowie von Homo rudolfensis gemacht. Diese Vor- und Frühmenschen lebten vor ca. 2,5 Mio. Jahren zeitgleich in dieser Region.
 
Erstes Reiseziel war die Stadt Mzuzu, die allerdings erst nach einer Zwischenübernachtung in der Luwawa-Forest-Lodge erreicht wurde, auch wenn die Entfernung von Lilongwe der Karte nach gar nicht so weit ist. Es war eine der ersten Lektionen, die wir lernen mussten, dass Entfernungen und Fahrtzeiten zwei Paar Schuhe sind. In Anbetracht der Tatsache, dass 80% der Straßen Pisten sind, kommt man nur langsam voran. Asphaltierte Straßenverbindungen gibt es nur zwischen den wenigen größeren Städten und auch hier kann man keinesfalls schnell fahren, da der Fußgänger- und Radverkehr am Straßenrand den Autoverkehr um ein Vielfaches übersteigt und daher Vorsicht geboten ist. Es ist unbeschreiblich, was und in welchen Mengen Menschen dort auf dem Kopf oder mit dem Fahrrad alles transportieren: Feuerholz, Wasser, unterschiedlichste Ernteprodukte, Stroh und andere Baumaterialien, lebende und geschlachtete Tiere und natürlich auch Personen. Wir haben auf unserer ca. 2000km langen Tour nie erlebt, dass etwas heruntergefallen ist. Es war faszinierend zu sehen, wie elegant sich die barfuß gehenden Frauen auf dem holperigen Straßenrand bewegen.
In Mzuzu standen Patenbesuche auf dem Programm. Nachdem wir morgens von den örtlichen PLAN-Mitarbeitern im Hotel abgeholt worden waren, haben wir zunächst auf dem Markt und in einem Supermarkt Geschenke für das Patenkind, seine Schule und die Familie gekauft. Dabei wurden wir von den PLAN-Mitarbeitern beraten, denn sie wissen natürlich viel genauer als wir, was in der Schule oder von einer Familie am dringendsten benötigt wird. Es ist sinnvoll, diese Dinge erst im Land zu kaufen, da man sie im Flugzeug sowieso nicht mitnehmen kann und dadurch auch die heimische Wirtschaft unterstützt wird. Das Mädchen hat ein Fahrrad bekommen, das als Transportmittel für die ganze Familie und das Dorf eine sinnvolle Hilfe darstellt, für die Schule wurden Hefte, Stifte und andere Materialien gekauft. Die Familie wurde durch den Einkauf von Lebensmitteln, verschiedenen Drogerieartikeln und ameisensicheren Plastikbehältern zum Lagern von Lebensmitteln unterstützt.     
Erste Station war dann die Grundschule, in die das Patenkind Ndindase geht. Hier wurden wir vom Schulleiter begrüßt, der anschließend mit uns mehrere Klassen besuchte. Für uns als Lehrer an deutschen Gymnasien war es sehr eindrucksvoll zu sehen, wie diszipliniert die Schüler in Malawi sind. Wenn sie aufgerufen wurden und eine Antwort gaben, standen sie selbstverständlich auf und bedankten sich hinterher immer mit einem „thank you“. Die Lehrer versicherten uns, dass dies immer so ist. Die Klassenräume sind äußerst spärlich möbliert und da in den Fenstern keine Scheiben sind, zieht es dort heftig, so dass viele Kinder in der Winterzeit erkältet sind.
Für die Geschenke bedankte sich der Schulleiter, bei den Schülern stieß vor allem der mitgebrachte Fußball auf höchste Begeisterung und wurde gleich benutzt.
 
Das Schulwesen in Malawi orientiert sich am englischen Schulsystem, da das Land früher ein britisches Protektorat (Njassaland) war. Es gliedert sich in eine 8-jährige Primary School, für die Schulpflicht besteht. Der Besuch der Volksschule ist kostenlos und es werden auch Bücher und Hefte gestellt. Daran kann sich ein 4-jähriger Besuch einer Secondary School anschließen. Diese Schulen sind allerdings kostenpflichtig, so dass dies nur sehr wenigen Schülern möglich ist. Nur etwa 4 % der Schüler, die eine Secondary School besucht haben, gehen danach für 3 Jahre auf ein College, um eine Berufsausbildung zu machen. Daran kann sich noch ein Universitätsstudium anschließen.
Die 8-jährige Schulpflicht darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ausbildungsqualität schlecht ist, da der Staat nicht genug in das Schulwesen investiert. Es werden nur wenig Lehrer ausgebildet und der Beruf ist aufgrund seiner schlechten Bezahlung nicht attraktiv. Die Lehrer-Schüler-Relation hat sich von 1:43 auf 1:63 verschlechtert. In der von uns besuchten Bwabwa Primary School gab es sogar eine Klasse mit 120 Schülern. In der Regel gehen alle Kinder eines Jahrgangs, die im Einzugsbereich der Schule liegen, in eine Klasse. In der Praxis sieht dies dann so aus, dass eine Hälfte vor- und die andere Hälfte nachmittags zur Schule geht. Die Schulen müssen auch die Schulbücher und -hefte für die Schüler bereit stellen. Da die Budgets in der Regel sehr klein sind, gibt es dann pro Klasse nur wenige Schulbücher, die sich die Schüler teilen müssen. Der Unterricht sieht daher normalerweise so aus, dass der Lehrer vorne steht, redet und wichtige Dinge an die Tafel schreibt. Im Regelfall hat jeder Schüler ein Din A5 Heft, in das alles geschrieben wird. Wir haben unterwegs mehrfach Schulkinder, die man aufgrund ihrer Schuluniformen leicht erkennen kann, angesprochen und gefragt, ob wir mal einen Blick in ihr Heft werfen können. Je nach Stundenplan wechseln da von Seite zu Seite die Aufzeichnungen aus dem Englisch-, Biologie-, Geschichts-, Chichewa- und sonstigem Fachunterricht ab.
Eine weitere Ursache für das niedrige Unterrichtsniveau sind die sprachlichen Probleme. Alle Schüler müssen Chichewa lernen. Chichewa ist neben Englisch die offizielle Landessprache. Sie wird von der größten Ethnie, den Chewa, gesprochen. Daneben existieren aber eine Vielzahl durchaus stark abweichender Sprachen, so dass über 50 % der Schüler zunächst einmal Chichewa lernen müssen. Darüber hinaus lernen alle Kinder bereits in der Grundschule Englisch. Es gibt Schulbücher in Chichewa, viele Bücher sind aber auch bereits in der Primary School in Englisch verfasst. Da 85% der Bevölkerung auf dem Land leben, haben die meisten Kinder einen bildungsfernen Hintergrund, so dass das Erlernen von zwei Sprachen für sie eine große Herausforderung darstellt.   
Zudem fällt der Unterricht aus unterschiedlichen Gründen auch häufig aus. Da es nicht genug Lehrer gibt, kann ein Lehrer, der erkrankt ist, auch nicht vertreten werden. Wenn Klassen zu groß sind, wird die Unterrichtszeit halbiert (Vor- und Nachmittagsunterricht). Lehrerfortbildungen finden grundsätzlich an Schultagen statt. Wetterbedingt können viele Schüler in der Regenzeit die weiten Fußwege – eine Stunde Fußweg zur Schule sind keine Seltenheit – nicht machen und in der Erntezeit müssen viele Kinder auf den Feldern helfen. Im Durchschnitt kommen Schüler in Malawi daher in der Primary School nur auf 100 Unterrichtstage. Viele Schüler brechen ihre Schulausbildung daher auch ab.
 
Der anschließende Besuch im Dorf und bei der Familie des Patenkindes war ein ganz besonderes Erlebnis. Für die Menschen war es ein Feiertag. Wir wurden vom ganzen Dorf begrüßt. Es war für uns eher beklemmend, mit welchem Respekt wir dort behandelt wurden. Anschließend führten Frauen, Kinder und Männer, nach Geschlechtern getrennt, Tänze für uns auf und eine aus vier Personen bestehende Drama-Group spielte zwei kurze Szenen vor, was eine typische Form in Malawi ist, Informationen unterschiedlichster Art auf unterhaltsame Weise an die Menschen heranzutragen. Daran schloss sich eine Fragestunde an, in der Männer und Frauen uns zu unseren Lebensverhältnissen (Glaube, Bildung, Familie, Wohnen) in Deutschland befragten. Danach wurden im Beisein des ganzen Dorfes die Geschenke an die Familie verteilt. Zum Abschluss des Besuchs gab es ein Festessen bestehend aus Hühnchen, verschiedenen Gemüsen und dem unverzichtbaren Maisbrei Nsima. Das selbstgebraute Bier fehlte natürlich auch nicht, wurde von uns in Anbetracht seines Geruchs aber nur mit äußerster Vorsicht probiert. In Anbetracht der Armut der Landbevölkerung fühlten wir uns bei dem Essen nicht wohl, es wäre aber äußerst unhöflich gewesen, nichts zu essen. An dem Essen nahmen nur das Patenkind der Familie und die beiden PLAN-Mitarbeiter teil. Im Gegensatz zu uns in Deutschland ist es in Malawi üblich, dass man als Gastgeber die Gäste bewirtet und nicht gemeinsam mit ihnen isst, sondern erst später.
Der Mitreisenden, die parallel den zweiten Patenbesuch in einem anderen Dorf in der Region machte, wurden keine Fragen gestellt, dafür wurden sie durch das Dorf und die Felder geführt und es wurde ihr das von PLAN unterstützte Anbauprojekt zur Verbesserung der Ernährungssituation vorgestellt.      
 
Zwei Tage später folgte dann in Karonga im Norden Malawis der zweite Höhepunkt der Reise. Zunächst besichtigten wir das Museum, das einen guten Überblick über die Entwicklung der Region und die Evolution des Menschen bietet. Besonderes Augenmerk richteten wir natürlich auf die Fundstücke der Vor- und Frühmenschen Paranthropus boisei und Homo rudolfensis. Einen Abguss des Unterkiefers von H. rudolfensis haben Dr. Rainer Ebel und Dr. Hans-Jürgen Beckmann unserer Schule vor vier Jahren als Anschauungsmaterial für den Biologieunterricht gestiftet.
Der Museumsleiter, Harrison Simfukwe, führte uns durch das Museum. Da er vier Jahre in Münster Anthropologie und Paläontologie studiert hat, war die Verständigung kein Problem: Anschließend fuhr er mit uns zur Grabungsstelle Malema, die ca. 15 km außerhalb von Karonga liegt. Hier hat man 1996 ein Knochenfragment gefunden, das Paranthropus boisei zugeordnet werden kann. An dieser Grabungsstelle lernen immer wieder Studenten aus dem Ausland Grabungstechniken vor Ort und auch wir wurden fündig, allerdings waren es nur fossile Schnecken und Tierknochen. Die Funde von Tierknochen sind ebenfalls sehr wichtig für die Erforschung der Evolution des Menschen, da sie Aufschluss über die Umwelt- und Lebensbedingungen unserer Vorfahren geben. Die zweite Grabungsstelle "Uraha", an der der Unterkieferknochen von Homo rudolfensis (Katalognr. UR 501) am 29.7. 1991gefunden wurde, liegt ca 70 km südlich von Karonga, ist heute aber nicht mehr zugänglich.
 
Die Tatsache, dass gerade in Nordmalawi zahlreiche Hominidenfunde gemacht wurden, hängt mit der geologischen Entwicklung Ostafrikas seit ca. 7 Mio. Jahren zusammen. Die Evolution wurde nach heutigen Vorstellungen durch ein Mosaik von Faktoren beeinflusst. Der „Afrikanische Superplume“ führte zur Aufwölbung Ostafrikas und dem Aufbrechen des Great Rift Valleys. Verbunden hiermit war ein starker Vulkanismus, auf den Berge wie der Kilimanjaro und  Mt. Kenia zurückzuführen sind. Auch das Ruwenzorimassiv ist in dieser Zeit entstanden. Eine weltweit wirksame Klimaveränderung und die generelle Schwankung der Erdachse trugen dazu bei, dass das bis dahin vergleichsweise einheitliche Klima Zentral- und Ostafrikas trockener wurde und es in Ostafrika zur Auflösung der vorherrschenden Regenwälder und zur Entstehung einer offeneren und vielfältigen Baumsavannenlandschaft kam, die eine sehr abwechslungsreiche neue ökologische Zone für aufrecht gehende Lebewesen bot. Zeitgleich lebten im Gebiet des heutigen Nordmalawi Vertreter der Gattung Paranthropus und Homo nebeneinander. Während die Vertreter der Gattung Paranthropus mit ihrem sehr kräftigen Gebiss zur Zerkleinerung pflanzlicher Nahrung körperlich sehr gut an die vorherigen Bedingungen angepasst waren, konnten sie auf die Veränderungen der Lebensbedingungen nicht flexibel reagieren. Dies war den Vertretern der Gattung Homo dagegen möglich. Sie waren dazu in der Lage, Werkzeuge nicht nur zu benutzen, sondern sie begannen auch, gezielt Werkzeuge für unterschiedliche Zwecke herzustellen, so dass sie sich den vielfältigen Möglichkeiten der sich entwickelnden ökologischen Zone anpassen konnten. Letztlich haben sie die Vertreter der Gattung Paranthropus in der Konkurrenz verdrängt. 
Interessierten Lesern kann das Geoheft März 2010 sowie das Buch von Prof. Friedemann Schrenk "Adams Eltern" empfohlen werden.
 
Nach diesem ereignisreichen Vormittag besichtigten wir nachmittags die "Chaminade Secondary School", die unsere Schule jedes Jahr über die URAHA-Stiftung finanziell unterstützt. Während der 8-jährige Grundschulbesuch kostenfrei ist, ist der nach erfolgreichem Abschluss freiwillige 4-jährige Besuch einer Secondary School mit Kosten verbunden. Dies ist daher für viele Familien nicht möglich. Die meisten Secondary Schools in Malawi sind deshalb Privatschulen, die von unterschiedlichen Organisationen unterstützt werden, um die Kosten für die Schüler so gering wie möglich zu halten. Die Chaminade Secondary School wird von den Marianisten, einer katholischen Ordensgemeinschaft, geleitet. Neben vier Ordensbrüdern unterrichten 22 weitere Lehrkräfte ca. 450 Schüler. Es ist eine Jungenschule, wobei die meisten Schüler dort im Internat leben. Nach der Begrüßung durch den Schulleiter wurden wir von ihm und einem der Brüder über das weitläufige Schulgelände geführt. In mehreren Klassen war noch Unterricht, so dass wir uns auch hier einen Eindruck vom Unterrichtsalltag verschaffen konnten. Die Klassen sind z.T. sehr groß, da die Schule einen guten Ruf hat und mehr Schüler kommen möchten als aufgenommen werden können. Trotz der Erhöhung der Klassenfrequenzen werden viele Schüler abgewiesen. In einigen Klassen saßen kleinere Schülergruppen und lernten für die in der Woche nach unserem Besuch anstehenden zentralen Abschlussprüfungen.
Der Science-Fachraum und die Biologiesammlung machten auf uns einen niederschmetternden Eindruck. Neben einigen Waschbecken und verstaubten defekten Mikroskopen gab es hier nichts, was einen praktischen Unterricht möglich machen könnte. In dem schmalen Sammlungsraum standen ein paar Bücher und Schädel, im Übrigen waren die Regale leer und auf dem Boden lag ein Haufen wild zusammen gewürfelter Knochen. Allerdings war die für die Sammlung zuständige Hilfskraft anwesend. Hier bietet sich großer Handlungsbedarf für eine Unterstützung der Schule.
Die Bibliothek befand sich in einer Phase der Umgestaltung. Es ist in neue Regale und Bücher investiert worden und Helfer waren dabei, diese auszupacken und einzuordnen. Die Holzregale sind durch Metallregale ausgetauscht worden, um den Termitenfraß zu verhindern. Termiten fressen Holz und hatten sich über die Regale auch an die Bücher gemacht. Alte und von den Termiten angefressene Bücher wurden rigoros aussortiert. Wie wir inzwischen wissen, soll unsere Spende vom Basar 2010 zur Anschaffung von Stühlen für die Bibliothek genutzt werden.
Einen sehr guten Eindruck machte der Informatikraum. Über eine große leistungsstarke Schüssel wurden die Verbindungsmöglichkeiten verbessert und die acht Computerarbeitsplätze waren funktionstüchtig. Allerdings wird die Nutzung durch häufige Stromausfälle des öffentlichen Netzes beeinträchtigt.
Ein typisches Unterrichtsfach ist in Malawi Agrartechnik. Daher hält die Schule Ziegen und Schweine und betreibt Landwirtschaft. Neben der Vermittlung der entsprechenden Techniken leistet sie dadurch auch einen erheblichen Eigenanteil für die Versorgung der Schüler. Die hierzu notwendige Großküche mit angeschlossenem Speisesaal wurde uns natürlich auch gezeigt.
Der Internatsbereich besteht aus einem großen ehemaligen Militärgebäude, in dem Schlafsäle für über 60 Schüler untergebracht sind. Die Schüler schlafen in Etagenbetten und haben nicht einmal einen Schrank, von Privatsphäre kann daher keine Rede sein. Dies ist in Internaten in Malawi aber üblich. Dennoch machten die Schüler einen sehr zufriedenen Eindruck. Auf große Begeisterung stieß bei ihnen die Möglichkeit, per Mail oder Brief Kontakte zu Schülern unserer Schule zu knüpfen, so dass wir eine Vielzahl von Namen im Reisegepäck hatten. Zum Abschluss unseres Besuchs haben wir Gastgeschenke überreicht. Auch hier fand der aktuelle WM-Fußball, der von einigen Schüler und Lehrern unserer Schule handsigniert war, bei den Schülern wieder besonderen Anklang.
 
Unsere Reiseeindrücke waren sehr vielfältig und schön, haben uns aber auch die extreme Armut der Bevölkerung (Malawi zählt zu den 10 ärmsten Ländern der Erde) vor Augen geführt. Von der Arbeit der Organisation „PLAN international“ haben wir einen sehr guten Eindruck gewonnen. Die monatliche finanzielle Unterstützung erhält nicht das einzelne  Patenkind, sondern sie dient der Finanzierung von Entwicklungsprojekten im Ernährungs-, Bildungs- und Gesundheitswesen, so dass die gesamte Region davon profitiert. Auch unser Reiseveranstalter, der seit 1991 in Karonga lebt, unterstützt die Ausbildung von Kindern vor Ort.
Interessierten empfehlen wir die folgende Internetadresse: www.plan-deutschland.de
 
Zur Erläuterung:

 
Marianisten
 
Internationale Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche, die aus Priestern und Laien-brüdern besteht. Sie wurde 1817 von dem französischen Priester Wilhelm Josef Chaminade gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt Seelsorge und Erziehung in Schulen, Pfarreien, Bildungshäusern und Heimen zu leisten.
Derzeit arbeiten etwa 1450 Marianisten in 34 Ländern der Welt. Darüber hinaus gibt es ca. 10.000 Mitglieder, die in marianistischen Laiengruppen organisiert sind und das Werk von Pater Chaminade fortsetzen.
 
 
 
Malawi
 
Land im südlichen Ostafrika zwischen 9 und 17° s. Br. und 33 bis 37° ö. L.;
Fläche: 118.484 km2; Einwohner: ca 13,9 Mio.; Hauptstadt: Lilongwe
ehemaliges britisches Protektorat Njassaland, seit 6.7.1964 unabhängig;
Sprachen: Chichewa, Englisch
Religionen: Christen – 80 %, Moslems – 16 %, Naturreligionen – 4 %
Erwerbstätigkeit: Landwirtsch. 82 %
Exportprodukte: Tabak (57 %), Tee (9 %), Zucker (9 %)
Geburtenrate: 2,8 %
Geburten pro Frau: 6,2
Bev. unter 15 Jahren: 46 %
Einwohnerdichte/km2: im N – 34, in der Mitte – 96, im S – 125
Stadtbevölkerung: 17 %, Landbevölkerung: 83 %
 
Quellen: - Hupe, I., Vachal, M., Reisen in Sambia und Malawi, München, 200910
 
              - Der Fischer Weltalmanach 2007, Frankfurt/M., 2006