Selbstständiges Lernen

Selbstständiges Lernen

Grundkenntnisse und Grundqualifikationen vermitteln
Konzeption und gegenwärtiger Stand
Das Kompetenzcurriculum

Im Zentrum des Kompetenzcurriculums steht ein doppelter Dreischritt, der den Prozess des selbstständigen Wissenserwerbs unserer Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt anlegt und fortlaufend begleitet und steuert. Zum einen ist dies der Dreischritt, der dem Gedanken einer systematischen Steigerung des Grades an Selbstständigkeit folgt, indem die Schülerinnen und Schüler vom selbsttätigen, über das selbstorganisierte zum selbstbestimmten Lernen geführt werden. Zum anderen verlangt der Prozess des selbstständigen Wissenserwerbs einen zweiten Dreischritt, der die Kompetenzerwartungen in drei Teilbereichen - die Recherche von Informationen, die Bearbeitung von Informationen und die Präsentation der Arbeitsergebnisse - abbildet. Alle drei Teilbereiche finden idealer Weise in den Leistungserwartungen zur Facharbeit in der 12. Jahrgangsstufe einen klaren Bezugspunkt. Für diese drei Kompetenzbereiche wurden daher klar definierte, in der Komplexität steigende jahrgangsspezifische Anforderungsprofile abgeleitet. Diese werden in insgesamt 40 einzelnen Bausteinen abgebildet, die gegenwärtig zur Hälfte vom gesamten Kollegium erarbeitet wurden. Diese Bausteine ermöglichen den Schülerinnen und Schülern durch präzise, an den vorgegebenen Standards orientierte Kompetenzbeschreibungen Rückschlüsse auf ihre Lernprogression und auf ihren eigenen Leistungsstand.
Die konzeptionelle Planung der in den Bausteinen zu vermittelnden Kompetenzen nimmt unmittelbar Bezug auf die Kompetenzbeschreibungen der gesetzten Bildungsstandards und die daraus abgeleiteten Kernlehrpläne. Die einem Anforderungsprofil zugeordneten Kompetenzen werden daher systematisch - angebunden an die fachlichen Inhalte - in zeitlich begrenzten Unterrichtseinheiten von 4 bis 6 Stunden vermittelt. Durch eine auf die Schülerin bzw. den Schüler bezogene Rückmeldung (durch individuelle Evaluationsbögen) kann jede Schülerin und jeder Schüler fort-laufend den eigenen Leistungsstand ermitteln und Stärken wie Defizite bestimmen. Zugleich werden sie auch in Verfahren der Selbstevaluation eingeführt. Zertifikate dokumentieren den erfolgreichen Erwerb der vermittelten Kompetenzen zum Abschluss jedes Bausteins, die im Portfolio als einem kriterienorientierten Lerntagebuch gesammelt werden.

Hinweise zu weiterführenden Informationsquellen:
Andrea Schnieder, Matthias Hesse und Stefan Schweynoch: PISA, Kernkompetenzen und das Kompetenzcurriculum. In: Almanach 2005, S.84-87
Langer, C., Blumenthal, St.., Hesse, M., Das Individuum stärken als Wechselspiel der Orientierung an Standards und an Interessen, in: Pädagogik 1.2006.
Michael Albers, Jörn Bormann, Matthias Hesse, Claudia Langer, Jens Ransiek, Norbert Sahrhage, Manfred Sander, Stefan Schweynoch: Die Gestaltung des selbstständigen Lernens mit neuen Medien in der gymnasialen Oberstufe. In: Abitur-online.nrw. Rahmenkonzept und didaktische Grundlagen, Soest 2003, S. 122-155.


Weitere Entwicklung und Perspektiven
- Die Erarbeitung und Erprobung der noch fehlenden Bausteine für das Kompetenzcurriculum. Auf der Basis der getroffenen Absprachen mit den Fachkonferenzen wird der nächste pädagogische Nachmittag dazu dienen, die fachbezogenen Bausteine auszuarbeiten, wobei die Priorität auf dem 6. Schuljahr liegt, damit mit den Stufe für Stufe aufrückenden, jetzigen 5. Klässlern das Kompetenzcurriculum systematisch vervollständigt wird.
- Die Überprüfung, Einarbeitung und/oder Modifikation der Bausteine vor dem Hintergrund der Kompetenzerwartungen und der Erfahrungen aus den Lernstandserhebungen der 9. Klasse einerseits und der zu erwartenden teilzentralen Abschlussprüfungen der 10. Klasse andererseits.
- Die Fortsetzung der begonnenen Erarbeitung eines Kompetenzcurriculums für die Oberstufe.


Besondere Interessen wecken und fördern
Konzeption und Gegenwärtiger Stand
Ziel der Angebote und Programme ist es, die Schülerinnen und Schüler zu motivieren, persönliche Fähigkeiten zu entdecken oder weiterzuentwickeln und damit nachhaltig zu stärken, ohne diesen Lernprozess von Vornherein in schulischen Leistungskategorien und Notenrastern zu verankern. Neben den Möglichkeiten der Differenzierung im Unterricht richtet sich hier der Fokus bewusst auch auf jene Bereiche, die außerhalb des Fachunterrichts einem experimentellen wie optionalen Grundgedanken folgen. Denn entsprechend der unterschiedlichen persönlichen Neigungen einer Schülerin oder eines Schülers bedarf es eines breiten, auch überfachlichen Angebotes mit hohem Anregungspotenzial. Einen zentralen Ort stellt dafür unter anderem der Bereich der Wettbewerbe und der Arbeitsgemeinschaften dar, die - gegliedert nach verschiedenen Interessenschwerpunkten - intensiv wahrgenommen werden. Zu verweisen ist aber auch auf die Teilnahme am Programm der Universität Bielefeld "Studieren ab 16" im naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich und die Schulung zum Streitschlichter wie die Schülerselbstverwaltung der Mediothek im sozial-kommunikativen Bereich sowie auf weitere Angebote im sportlichen, musisch-künstlerischen oder im sprachlichen Bereich eröffnet, die bereits in den Entwicklungsschwerpunkten der verschiedenen Aufgabenfelder differenziert beschrieben worden sind. Die Zusammenstellung der Programme und Angebote will das Entwicklungspotenzial unserer Schülerinnen und Schüler bedienen und besondere Interessen wecken und fördern. Die Angebote zielen darauf, den Erwerb wie den Zuwachs von Kompetenzen zu prüfen und zugleich das eigene Engagement nachzuweisen sowie im Portfolio (s. 3.2.1.3) zu dokumentieren.


Weitere Entwicklung und Perspektiven
Insgesamt zeigt sich, dass die Bereitstellung eines differenzierten, am Schülerinteresse orientierten Angebotes einer klaren Systematik bedarf, um für alle Schülerinnen und Schüler - bezogen auf die verschiedenen Jahrgangsstufen sowie auf die verschiedenen Interessensgebiete - eine umfassende Versorgung sicherzustellen. Grundlage einer solchen Systematik bildet daher der konkrete Bedarf. Diesen präzise zu ermitteln, sollen folgende Maßnahmen sicherstellen:
- Eine enge Verzahnung mit der Mentorentätigkeit (s. 3.2.1.3) Dazu gehört, dass im Rahmen der Schülersprechtage eine systematische Erhebung erfolgen muss, in welchen Interessensgebieten für welche Alterstufe weitere Angebote zu offerieren sind; denn die Mentorentätigkeit bedarf eines differenzierten schulischen Angebots, um individuelle Förderung zu realisieren.
- Eine Klärung personeller Zuständigkeiten für die Ermittlung des äußerst umfangreichen Angebotes an Wettbewerben. Hier böte sich eine Verteilung der Zuständigkeiten nach Aufgabenfeldern an. Zugleich muss der notwendige Informationsfluss sichergestellt werden, so dass das Gesamtkollegium (insbesondere die Mentoren) jederzeit über einen aktuellen und differenzierten Überblick verfügt.
- Eine unmittelbare Verknüpfung der angebotenen Wettbewerbe, des AG-Bereiches und der Programme mit dem schulischen Förderkonzept.

Die Ergebnisse der Erhebungen am Schülersprechtag und die Abstimmungsprozesse mit dem Förderkonzept sollen noch differenzierter zu einer am Bedarf orientierten Strukturierung und Organisation der schulischen Programme und Angebote beitragen.
Darüber hinaus ist zu überlegen, ob die Entwicklung von Konzepten für eine verbindliche Teilnahme der Schülerinnen und Schüler am AG-Angebot zu realisieren ist. Hier könnten Initiativen der Schülerinnen und Schüler der oberen Jahrgangsstufen zur Erweiterung und Differenzierung des AG-Angebots aufgenommen werden. Dies würde auch zur weiteren Stärkung des sozialen Lernens beitragen.


Organisationsstrukturen und äußere Rahmenbedingungen
Portfolioarbeit

Als Dokumentation einer individualisierten Lernbiografie dient den Schülerinnen und Schülern seit dem Schuljahr 2005/06 - und nun fortlaufend für alle weiteren Klassen - ein Portfolio. Die Portfolioarbeit soll gemeinsam mit der Lernlaufbahnberatung folgende Funktionen erfüllen:
- Selbstvergewisserung der Schülerin oder des Schülers über den eigenen Lern- und Leistungsstand (Evaluation)
- Klärung des Lern- und Leistungstandes der Schülerinnen und Schüler durch die Lehrkraft (Diagnostik)
- Eröffnung von Perspektiven (Orientierung), Klärung der Förderungsmöglichkeiten (Unterstützung).
Das Portfolio gliedert sich daher in vier Teilbereiche: Der erste Teil enthält Hilfen und Hinweise zur Idee, zum Aufbau und zum Umgang mit dem Portfolio. Der zweite Teil - strukturiert nach den drei Kompetenzbereichen (Recherche, Bearbeitung und Präsentation) - wird von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe mit den von den Schülerinnen und Schülern erworbenen Fremd - und Selbstevaluationsbögen wie Zertifikaten (Evaluation) komplettiert, bis alle Bausteine erfolgreich absolviert und dokumentiert worden sind. Im dritten Teil werden die sogenannten "Lernstandsbarometer" abgeheftet: So ist es zum Ende jedes Halbjahres die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler, auf der Basis der Evaluationsbögen für alle absolvierten Bausteine die eigenen Stärken und Schwächen in den drei Kompetenzbereichen zu definieren. Diese dienen als entscheidende Grundlage für die Gespräche im Rahmen der Lernlaufbahnberatung, um unseren Schülerinnen und Schülern zielgerichtet Hilfe und Unterstützung wie Anregung und Förderung zukommen zu lassen (Orientierung und Unterstützung). Im letzten Teil können unsere Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer persönlichen Neigungen und Interessen Zertifikate, Urkunden und Teilnahmebescheinigungen, aber auch all jene Produkte abheften, auf die sie besonderen Wert legen. Damit fungiert das Portfolio zugleich als Arbeitsgrundlage, Leistungsnachweis und Dokumentation für jetzt und später.


Lernlaufbahnberatung: Mentorenkonzept und Schülersprechtag

Bildet die Portfolioarbeit die dokumentarische Basis und über die verschiedenen Evaluationsformen auch das diagnostische Instrumentarium, so findet die Lernlaufbahnberatung in den mit dem Schuljahr 2005/2006 für die fünften Klassen beginnenden halbjährlichen Schülersprechtagen ihren institutionellen Rahmen.
Zum einen können persönliche Schwächen und Defizite durch die Vermittlung von Förderunterricht und weiteren Förderangeboten aufgefangen werden, um den Erwerb eines anschlussfähigen Kompetenzprofils sicherzustellen.
Zum anderen können persönliche Neigungen, Interessen und Begabungen durch die Vermittlung in die schulischen Programme und Angebote unterstützt und verstärkt werden, um ein differenziertes Kompetenzprofil zu etablieren.
Die Vereinbarungen dieser 15minütigen Gespräche werden in einem Protokoll festgehalten und von beiden Gesprächspartnern unterzeichnet, um abschließend im Portfolio als Gesprächsgrundlage für die nachfolgenden Schülersprechtage hinterlegt zu werden. Als Gesprächspartner der Schülerinnen und Schüler dient der persönliche "Lernlaufbahnberater", der Mentor, der über die Gespräche des Schülersprechtages hinaus als direkter Ansprechpartner für die Fachlehrkräfte und die Eltern am Elternsprechtag dient. Damit übernimmt der Mentor für jeweils zwei Jahre zentrale koordinative Aufgaben (Diagnose und Förderung) für seine Schülerinnen und Schüler und definiert und gestaltet die Beratung nach innen und außen. Um dieses auch im Rahmen eines sich durch die äußeren Rahmenbedingungen verdichtenden Beratungsbedarfs (z.B. durch Lernstands-erhebungen und teilzentrale Abschlussprüfungen) adäquat gewährleisten zu können, schien es mit dem Beginn des Schuljahres 2005/06 sinnvoll, das bisherige Klassenlehrerprinzip zu modifizieren. An die Stelle der Klassenlehrerinnen und -lehrer sind daher - zur Erprobung zunächst für die Klassenstufen 5 und 9 - zwei Mentoren pro Lerngruppe getreten, die die Zuständigkeit für ca. 13 bis 15 Schülerinnen und Schüler übernehmen und über die Lernlaufbahnberatung hinaus die notwendigen Klassengeschäfte organisieren.


Weitere Entwicklung und Perspektiven
- Klärung des Förderbedarfs (Defizite aufarbeiten) wie der Begabungen (Stärken ausbauen) zur Systematisierung der Angebote und Programme
- Entwicklung eines umfassenden Leitfadens für Mentoren im Rahmen der Lernlaufbahnberatung (Funktionen, Vorbereitung, Verlauf/Inhalte, Ergebnisse/Protokolle)
- Erstellung eines Überblicks über das gesamte schulische Angebot (in Bezug auf die Förderung der Schülerinnen und Schüler hinsichtlich ihrer "Grundkenntnisse und Grundqualifikationen" sowie ihrer "besonderen Interessen") als Basis für die Beratungstätigkeit der Mentoren


Lernumgebung
Die Mediothek

Folgt man dem bekannten Satz, dass der Architekt der dritte Lehrer sei, so wird offensichtlich, dass eine adäquate Lernumgebung sowohl die allgemeine als auch die differenzierte Individuation unterstützen kann. Die Arbeit der Schülerinnen und Schüler der Erprobungsstufe im Schülerlabor dokumentiert dies gleichermaßen wie die didaktische Konzeption unserer Mediothek.
Entsprechend dem oben beschriebenen Dreischritt für das selbstständige Lernen ist sie räumlich gegliedert und medial ausgestattet - in drei getrennte Arbeitszonen für das Recherchieren, das Bearbeiten von Informationen und das Präsentieren - und schafft somit die Voraussetzungen und einen klaren Rahmen für den Prozess selbstständigen Lernens auf allen Progressionsstufen.
Im Rechercheraum der Mediothek haben unsere Schülerinnen und Schüler an zehn Computerarbeitsplätzen Zugang zu Materialien aus dem Internet und Zugriff auf umfangreiche Software wie Office-Anwendungen, CAS-Software, Übungsprogramme für den Fremdsprachenunterricht oder GIS. Durch die individuellen Nutzerzugänge in das PC-Schulnetz ist gesichert, dass alle Schülerinnen und Schüler ihre erarbeiteten Ergebnisse geschützt für ungewünschten Zugang speichern und darauf problemlos von jedem PC in der Schule zugreifen können. Im Bibliotheksbereich können die Schülerinnen und Schüler auf zahlreiche Fachlexika, Fachzeitschriften, Enzyklopädien, Spezialliteratur und Aufgabensammlungen, die die unterrichtliche Arbeit unterstützen und die ihnen zur Vorbereitung auf zentrale Abschlussprüfungen auch außerhalb des Unterrichts dienen, zurückgreifen.
Das umfangreiche Medienangebot der Mediothek, zu dem auch zwei Tages- und Wochenzeitungen gehören, bietet für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen ein Anregungspotenzial ihre persönlichen Interessen zu entwickeln und zu vertiefen. Hierzu gehört auch die "Schmökerecke", die Anreize zum Lesen schafft. Darüber hinaus können sich literarisch Interessierte durch die Aktion "Buch des Monats" wechselseitig informieren und austauschen. Hier empfehlen Schülerinnen und Schüler Bücher, die ihnen besonders gut gefallen haben. Die Bühne im Präsentationsraum eröffnet den Schülerinnen und Schüler zugleich die Möglichkeit, ihre rhetorischen Talente durch Vorträge und Schauspiel zu erproben. Auf diesem Wege können Interessen geweckt und bereits vorhandene Neigungen der Schülerinnen und Schüler differenziert und weiterentwickelt werden.


Die technische Infrastruktur: Die Konzeption des schulischen Netzwerks

Das schulische Computernetzwerk besteht aus vier Computerräumen für den unterrichtlichen Einsatz, den Computern in der Mediothek für den außerunterrichtlichen Einsatz und Computern in den Fachräumen zu Präsentationszwecken. Es umfasst damit ca. 100 Computer und mehrere Drucker und Beamer. Im letzten Jahr wurde das Netz im Rahmen der Medienentwicklungsplanung der Stadt Bünde umgestellt.
Wie in anderen vernetzten Computerumgebungen üblich (insbesondere im beruflichen Umfeld) hat jeder Benutzer (jeder Schüler und jeder Lehrer) einen individuellen Zugang zum Netz. Programme und Datenhaltung sind unabhängig vom einzelnen Computer und können Benutzer- und Gruppenspezifisch zentral konfiguriert werden.
Auf spezielle pädagogische Oberflächen wurde bewusst verzichtet, da der Umgang mit Ihnen den Schülern Begrifflichkeiten und Kompetenzen vermittelt, die in anderen Umgebungen nicht weiter verwendet werden können. Stattdessen wurden Verfahren entwickelt, wie der Datenaustausch und die Kommunikation mit in Netzen üblichen Methoden durchgeführt wird.
Der Umgang mit Computern und Internet wird unterrichtsnah mit Hilfe der Unterrichtsbausteine des Kompetenzcurriculums vermittelt.



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