Gelungenes Verwirrspiel - Oscar Wildes 'Ernst sein ist alles' im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium

Gelungenes Verwirrspiel - Oscar Wildes 'Ernst sein ist alles' im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium

von Philipp Tentaerstellt am 22.06.2011

Bünde. Nach dem „Gespenst von Canterville“ stand mit „Ernst sein ist alles“ ein zweiter Klassiker von Oscar Wilde auf dem Programm des Literaturkurses des Freiherr-vom-Stein- Gymnasiums. Das Verwirrspiel um falsche Idenditäten und von Oberflächlichkeiten gesteuerte Wertbegriffen hatte Wilde mit der Anweisung „spielt in der Gegenwart“ versehen.

In der Zeit von Chatrooms und Facebook hätte sein Erfolgsstück ungeahnten Gegenwartsbezug bekommen können. Im Literaturkurs des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums hatte man sich aber verstänlicherweise nicht an ein Umschreiben eines Theaterstücks gewagt, sondern erkundete mit Ernst ein Charakterstück im viktorianischen Ambiente.

Auf erotisches Knistern auf der Bühne wurde weitgehend verzichtet. bei den zahlreichen Hosenrollen hätten man damit wohl auch den Rahmen einer sittsamen Schulvorstellung gesprengt. Statt dessen setzte man vor allem auf Oscar Wildes brillanten Sprachwitz und ist damit gut gefahren.

In den Hauptrollen zeigten vor allem Timo Nagel als Algernon und Annericke Dieckmann als Lady Bracknell großes komödiantisches Talent und konstante Bühnenpräsenz. Die Stärke von Silke Tylindas Inzenierung lag jedoch vor allem in der geschickten Führung der scheinbar kleinen Rollen. Sie beschränkten sich nicht auf kurze Auftritte und schnelle Wortwechsel, sondern konnten ihr Eigenleben mit einfallsreichen, oft sehr komischen Nebenhandlungen entwickeln.

Das stimmungsvolle Bühnenbild und die stilvollen Kostüme wirkten wie Leihgaben einer gehobenen Profibühne, ob sie das wirklich waren oder doch selbst hergestellt wurden, verschwieg das Programmheft diskret. Die jungen Schauspieler traten ohne akustische Verstärkung auf die Bühne. Eine beachtliche Leistung im Forum Ennigloh, die zur Nachahmung empfohlen werden kann.

Alle Plätze im Haus waren gefüllt. Auch ohne Familienmitglied oder persönlichen Freund auf der Bühne konnte man einen höchst vergnüglichen Theaterabend verbringen. Am Ende hatten sicher viele Tränen gelacht, weil es wichtig war, „Ernst“ zu sein.
 

© 2011 Neue Westfälische
10 - Bünde, Mittwoch 22. Juni 2011

zurück