Tortenwurf vor Reifeprüfung

Tortenwurf vor Reifeprüfung

von Lukas Schmiedekamperstellt am 10.03.2013

Bünde. Ted hat noch keine Tanzpartnerin für den Abiball gefunden und Lily fehlt das passende Kleid. Was tun? Schließlich rückt der große Abend immer näher. Natürlich: Im Dolbi ist doch „bunter Abend“ – da sollten beide fündig werden. Im Dolbi? Ja, denn der Abiturjahrgang des Freiherr-vom-Stein-Gymnasium verwandelte die Bühne der Erich-Kästner-Gesamtschule in die Bünder Kultkneipe.

„Im Jahr, in dem ich mein Abi machte, gab es für meine besten vier Freunde nur ein Thema“, erinnert sich die Off-Stimme von Ted, „Was ziehe ich an? Und vor allem: Mit wem gehe ich hin?“ Marshall, Lily, Robin und Barney betraten nach und nach die Bühne. Die Charaktere sind an die TV-Serie „How I Met Your Mother“ angelehnt und wurden von Jan Budesheim, Nico Mailänder, Sandra Ortmann, Juliane Niepert und Torben Stallmann gespielt. Dann die zündende Idee: In ihrer Stammkneipe treten doch immer vielversprechende Bands und Acts auf. Da sollte sich doch was finden lassen.

Bühne frei hieß es für Emily Nickel und Nils Peitzmeier. Mit Querflöte und Gitarre spielten sie den Song „Little Talks“ von „Of Monsters and Men“. „Und nun die traumhaften Ladies“, folgte eine Ansage. Prompt betraten ein halbes Duzend als Weihnachtsfrauen bekleidete Abiturientinnen das Rampenlicht und tanzten zum „Jingle Bells Rock“. Als eine von ihnen den CD-Spieler tollpatschig von der Bühne trat, musste improvisiert werden. Zum Glück stand das Keyboard bereit, auf dem Mitschülerinnen den Song singend fortlaufen ließen.

Unterhaltend – aber Lily fehlte noch das Geld für ihr Abiball-Kleid. „Ob ich diesen Schrott noch zu Geld machen kann“, fragte sie sich und leitete die für einen bunten Abend obligatorische Versteigerung ein. Dienstleistungen aller Art von der Kinderbetreuung über Party- oder Grillservice bis zum Abholdienst aus der Disko war alles dabei. Die Auktionatoren ließen die Besucher der Reihe nach überbieten. Besonders beliebt waren die Angebote für ein Angelwochenende oder eine Unterrichtsstunde bei einer Turnierreiterin aus dem Jahrgang. „Das reicht mir noch nicht“, sagte Lily alias Sandra Ortmann, wenn ein Gebot nicht hoch genug war und sprang hinter dem Vorhang hervor. „Das reicht ihr noch nicht“, wiederholte Nico Mailänder streng, eine lange Peitsche schwingend.

Im zweiten Auktionsblock konnte auch Ted alias Jan Budesheim, der immer noch keine Tanzpartnerin gefunden hatte, endlich aufatmen. „Für ein Einstiegsgebot von fünfzig“, der Auktionator hielt kurz inne, „Cent können Sie diesen jungen Mann zum Abiball begleiten.“ Freuen konnte sich das Publikum, nicht so der Dienstleister über ein weiteres Angebot. Jahrgangs-Nervensäge Max Werner Starke gab sein Einverständnis, sich eine Torte ins Gesicht klatschen zu lassen und damit Lehrern und Schülern Genugtuung zu verschaffen.

Die Vorhänge schlossen sich und lenkten den Fokus auf die Leinwand. „Zehn Dinge, die man auf dem Abiball nicht tun sollte“, war der Titel des folgenden Films. In skurrilen Szenen wurde gezeigt, was schiefgehen kann, wenn man seine Lehrerin anbaggert, einen Harlem-Shake tanzt oder beim Abiball mit seiner Freundin Schlussmacht.

Weniger humorvoll als künstlerisch waren die letzten Acts des bunten Abends. Pia und Marius Kämpfer führten eine eindrucksvolle Akrobatik-Show vor, in der sie scheinbar schwerelos und in Zeitlupe Figuren mit ihren Körpern formten. Mona Vogt, Svenja Vinke und Sina Raulwink präsentierten in bunten Kleidern ein ansehnliches Ballettstück Der Abend gipfelte mit einem triumphalen Auftritt der Blues-Brothers-Coverband. Der Song „Everybody“ wurde von Krishan und Steffen Bockhorst gesungen.

Corinna Sedlaczek, die den Abend hinter der Bühne koordiniert hat, zeigte sich zufrieden: „Welche Talente in unserem Jahrgang stecken, konnte man beim bunten Abend erkennen.“
 

© 2013 Neue Westfälische
11 - Bünde, Samstag 09. März 2013

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