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 Isch weiß nischt… was soll isch berischten? I.N.S.A. Austausch vom 15.04 – 22.04.2009von Josephine und Mariella Bohlmeier vom 04.06.2009
Wir schreiben Freitag, den 17. April 2009 8 Uhr. Das letzte Wochenende der Ferien bricht an und 11 noch von ihren französischen Sprachkenntnissen überzeugten Schüler und Schülerinnen des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, machten sich auf den Weg zum Bünder Bahnhof. Ein kurzes, aber freundliches „Guten Morgen!“ – „Du mich auch!“ ging durch die Gruppe, während die Mütter schon Kochrezepte für das Abendessen untereinander tauschten („Kennen und essen die das wohl?“).
Unsere Reiseführerin Frau Martin entdeckte unterdessen die faszinierende Länge des zweiten Gleises und wir staunten nicht schlecht, dass wir um diese frühe Tageszeit schon solch eine Marathonstrecke in Kauf nehmen mussten. Einige hatten das Gefühl auf den Hogwarts Express zu warten und in eine ungewisse Zukunft, voller Eulen und Zauberstäbe, zu fahren.
Dem war jedoch nicht so: Der Zug kam und mit ihm 12 aufgeregte Franzosen, die nur so ihre Koffer aus dem Abteil warfen.
Endlich im Zug angekommen, setzten wir uns neben unsere Tandempartner und versuchten eine Konversation auf höchstem Niveau. „Salut! Ca va?“ Wir merkten schnell, dass sechs Jahre Französisch in der Schule nicht ausreichend waren, um ein Gespräch zu führen.
In Deutschlands Autostadt Nummer 1 (Wolfsburg), hatten wir das Vergnügen das VW-Werk zu besichtigen. Wir sind uns einig, dass es eine sehr informative und von Highlights geprägte Werksführung war, die jeder auf seine eigene Art genossen hat.
Vor allem die Autostadt brachte uns die Qualität und Eleganz deutscher Autos näher. Die wenigen Mädchen faszinierte der verchromte Lamborghini, den Mariella jedoch in einer anderen Farbe schöner gefunden hätte. Die Jungen konnten sich für neue Technologien und Entwicklungen begeistern, während Josephine schon die Weltreise mit dem Blümchen VW-Bulli plante.
Zurück ging es dann erst einmal im Zug, wo wir die Abendessensplanung unserer Mütter schnell zunichte machten. Ein Grillabend bei Christian Stäck klang viel entspannter in unseren Ohren. Machen wir es kurz: Lagerfeuer, Kälte und zwei Sprachen, die sich immer mehr ähnelten.
Nach gefühlten zwei Stunden Schlaf hieß das nächste Ausflugsziel Bremen. Unsere Reiseführerin Frau Martin gab uns den Auftrag, den Franzosen selbstständig die Stadt zu zeigen. Anschließend stand ein Besuch im Universum auf dem Programm. Hier konnte man seine kindlichen Triebe auf den Expeditionen „Mensch, Erde und Kosmos“ ausleben. Ob Dunkelkammer, Erdbebensimulator oder U-Boot, uns war kein Abenteuer zu klein und am Ende des Tages merkte man, dass nicht nur die Bremerstadtmusikanten „aufeinander standen“.
Da es sich um Samstag, den 18. April 2009 handelte, war es offensichtlich den Franzosen die Bünder Diskothek „Wilhelmshöhe“ zu zeigen. Dort lernten sie nicht nur das Nightlife der Deutschen kennen, sondern auch die Schlagermusik, die große Zustimmung fand.
Am Sonntag durften sich auch endlich die Familien mit unsere Tandempartner anfreunden, da die vorherigen Tage zeitlich so knapp bemessen waren, dass es nur für ein „Guten Tag, du bist also der Austauschschüler!“ gereicht hatte. Jeder Franzose konnte an diesem Tag seine eigenen Erfahrungen mit der deutschen Kultur machen: Die Kneipe in Köln, die Brauerei in Lübbecke, die Kirche in Muckum, der Reitverein in Bünde oder der Nonnenstein in Rödinghausen.
Anschließend freute man sich auf einen ruhigen Abend auf dem heimischen Sofa, bis ein unerwarteter Anruf kam und uns zum Karaoke singen nach Stift Quernheim rief. Vor allem die männlichen Vertreter des Austausches waren kaum zu bremsen („Ich bin erkältet, wirklich. Sonst singe ich besser!“).
„Improvisation ist alles!“, hieß das Motto am Montagmorgen. In dem Medienzentrum unserer Eliteschule kamen wir in den Genuss, Präsentationen von den Franzosen über die wunderschöne Bretagne und das Studentenleben in Rennes zu hören. Wir berichteten über Mülltrennung und erneuerbare Energien, wobei unsere Spontanität schwer auf die Probe gestellt wurde.
Ein Highlight folgte dem anderen und heute kam es in Form von unserem neuen Schuldirektor Herr Neuheus, der zum Kaffee trinken in den Gastronomiebereich des Gymnasiums einlud. Hier waren schell die kulinarischen Backkünste von Vollmers interessanter und warteten darauf verputzt zu werden.
Nun spornte uns Herr Blumenthal zu einem Bohnen-Weitflug-Wettbewerb an. „Erik, Sie übersetzten für mich.“, war sein Satz zur Begrüßung und ließ somit unseren Lehrer Herr Blumenthal zu französischen Höchstleistungen auflaufen. Teamwork war gefragt, Motivation war da, nur für kreatives Design blieb keine Zeit. Am Ende standen 8 Schüler auf der Brücke vor dem Lehrerzimmer und brachten ihre Bohnen zum Weitflug. Zwischen 5 cm und 15 m flogen sie uns um die Ohren und brachten erneut in einigen das Kind zum Vorschein.
Lobet den Herrn für den guten Musikgeschmack und den waghalsigen Fahrstil der 12er, der uns dennoch sicher zum Bünder Bahnhof brachte. Halleluja!
In dem Schüco Unternehmen in Bielefeld bereitete man uns einen sehr herzlichen Empfang. So herzlich, dass der Eindruck entstand, ohne eine eigene Solaranlage auf dem Dach gibt es für uns kein Morgen mehr. Die Funktionalität und Lukrativität der Produkte rückten leider immer weiter in den Hintergrund, obwohl „oh Wunder“ ein Thermiekollektor überraschender Weise das Gewicht von 30 sportlichen, durchtrainierten und gut aussehenden Deutsch-Franzosen standgehalten hatte.
Nach diesem Schock ging es in die Bielefelder Innenstadt, von der wir nur ein paar Geschäfte und das Bahnhofsviertel sahen. „Internationalität“ war hier das Schlagwort und begleitete uns auch in den folgenden Tagen. Franzosen in Deutschland mit einem türkischen Döner beim Mexikaner… Selbst dieses Bild brachte uns zu dieser späten Stunde nicht mehr aus der Ruhe.
Die schulische Bildung durfte unter dem Austausch selbstverständlich nicht leiden und demnach verbrachten wir am Dienstag einen normalen Schultag in gewohnter Umgebung, mit gewohnten Lehrern, in gewohnter Muttersprache. Es fiel schon nach wenigen Stunden auf, dass der Akzent der Französinnen in unseren Ohren fehlte.
Wer jetzt dachte, am Abend wären wir pünktlich nach dem Sandmann ins Bettchen gehüpft, irrte sich gewaltig. Sand gab es reichlich… allerdings befand sich dieser nicht in den Augen, sondern unter den Füßen. Strahlendblauer Himmel gepaart mit warmen Sonnenstrahlen, versüßten uns den Nachmittag beim Volleyballspielen, wo das Spiel Deutschland vs. Frankreich neu definiert wurde. Strategische Überlegenheit und gekonnter körperlicher Einsatz führten uns zu einem klaren Sieg. Sport-LK lässt grüßen. Damit der Sport jedoch an unserem letzten gemeinsamen Abend nicht die Überhand gewann, folgte der gemütliche Teil bei Josephine im Garten. Hier wurden schnell die Gartenbänke aufgebaut, das Lagerfeuer entzündet und die passende Musik aufgelegt. Die bestellte Pizza rundete den Abend ab.
In dieser Atmosphäre blieb auch die Nähe zu den Bremerstadtmusikanten nicht auf der Strecke und der Rest spürte einen Hauch von Melancholie bei dem Gedanken an die vergangenen Tage.
Vor allem wird der Abend in guten Erinnerungen bleiben, da er uns durch den Satz « Manger liquide, c'est manger rapide, et ça fait pas de miettes », Einblicke in die französische Kultur ermöglichte. Es ging sogar soweit, dass die Nationalhymnen angestimmt und selbstverständlich fehlerfrei übersetzt (Blüh im Glanze… wachsen dans la bling-bling) wurden. Der Höhepunkt des Austausches war somit erreicht und jeder versuchte den morgigen Abschied zu verdrängen.

Der Mittwoch kam und mit ihm Präsentationen, die uns erneut Freude bereiteten, da von deutscher Seite nur interessiertes Zuhören gefordert wurde. Danach konnten die Franzosen uns in den Unterricht begleiten und unsere fachkompetenten Lehrkörper bei der Arbeit bestaunen. Selbst Herr Röchter war kein Umstand zu groß, um seinen Dank für Zidane’s Kopfnuss gegenüber den Italienern bei der Weltmeisterschaft auszusprechen.
Nach diesem Exkurs in die Tiefen der französischen Geschichte, folgte ein Besuch der Firma Imperial. Hier hätten wir sicherlich eine gute und informative PowerPointPräsentation bekommen, wenn die technischen Begebenheiten es zugelassen hätten.
So erfuhren die Franzosen nur die Hälfte des eigentlichen Vortrages, was auch für uns seelische Folgen hatte, da wir den Vortrag nach dem dritten Besuch des Unternehmens gerne ganz auswendig gekonnt hätten. Dafür entschädigte uns allerdings die Werksführung, die uns Einblicke in die Produktion der Waren und die Ausbildung der Ingenieure lieferte. Dieses hatte für die Franzosen einen hohen Stellenwert, da sie in diesem Berufsfeld ein Praktikum in Deutschland absolvieren würden.
Eine letzte rasante Fahrt mit den 12ern, die sich nicht sehr gut (gar nicht) in Bünde aus kannten, brachte uns in die Innenstadt. „Tut mir Leid, ich bin erst das dritte Mal hier.“ (Schon klar und wo gehst du zur Schule, Aike?).
Auf den Orientierungssinn der Mädchen war auch hier Verlass und die Tandempartner hatten noch genug Zeit Andenken und Geschenke zu kaufen, bevor es zum Kofferpacken in die Gastfamilien ging.
Es ist schwer diese Woche in angemessene letzte Worte zu fassen. Jeder hatte seine eigenen Erfahrungen und persönlichen Höhepunkte, die sich nicht nur auf die Vielfältigkeit der Tierwelt beschränkten. Am Bahnhof gab es noch ein Küsschen links, Küsschen rechts und als die Franzosen im Zug davon fuhren, kam unter den Zurückgelassenen nur noch eine Frage auf: „Und was machen wir jetzt?“
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