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Von der Lernkultur in Bünde lernen

von DIETER SCHNASE

vom 20.11.2009


Führungskräfte aus Schulen in Südtirol informierten sich im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium




Bünde. Bereits zum zweiten Mal machten Pädagogen aus Südtirol im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Station. Die Delegation mit Führungskräften aus fünf Schulen der nördlichsten Provinz Italiens will sich bei ihrer bundesweiten Studienreise Anregungen für das eigene Schulsystem holen, das derzeit reformiert wird. Ein Schwerpunkt war gestern in Bünde die spezifische Lernkultur der Oberstufe und der Weg dorthin.
Anlass für den Besuch im Vorjahr bot vor allem die Nominierung des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums für den Deutschen Schulpreis im Jahre 2006, darüber hinaus die zahlreichen Beteiligungen der Schule an unterschiedlichen Bildungsprojekten, unter anderem am Internationalen Netzwerk innovativer Schulsysteme (INIS). Anton Ladurner, Direktor eines Gymnasiums in Meran, fand zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen zahlreiche Anknüpfungspunkte für die eigene Arbeit. Wertschätzung und Lernanforderungen seien nur durch eine gute Schulkultur möglich.
„Zufriedenheit und Wohlfühlen müssen dabei nicht in Widerspruch zur Lernleistung stehen“, so Ladurner. Die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit ist für Michael Neuhaus, Leiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, ein wichtiges Kriterium. Er stellte den Gästen die Grundlagen und Strukturen der schulischen Arbeit vor. Dass nichts dem Zufall überlassen werden könne, vielmehr ein Konzept dahinter stehe, das die Schüler aktiv einbeziehen müsse, machte Erika Risse vom Arbeitsverbund Education Advice (EdVice) deutlich, der die Studienreise organisiert hat. „Ich habe das Gefühl, dass hier an der Schule immer wieder Veränderungen spürbar sind, es kein fertiges Konzept gibt“, lobte Risse, die selbst eine Schule in NRW leitet, das Bünder Gymnasium.


Neben der Lernkultur spielten Fragen der Leistungsanforderung, Bildungsqualität, der Kommunikationsstrukturen und der organisatorischen Arrangements eine Rolle, desweiteren die Mitwirkungsmöglichkeiten. Anton Ladurner stellte fest, dass die Schüler am Stein-Gymnasium gut auf ein eigenverantwortliches Lernen vorbereitet würden, das ihnen später bei einem Hochschulstudium zugute komme.
Die Pädagogen aus Südtirol erhielten beim Besuch in Bünde auch Einblicke in die Unterrichtspraxis. So konnten sie an einem Grundkurs Mathe/Physik der Stufe 11 teilnehmen und den Computereinsatz im Unterricht einer 10.Klasse verfolgen. In Gesprächen mit Schülergruppen ging es dann u.a. um die Übernahme von Verantwortung von Schülern beim sozialen Engagement und das Portfolio als Beispiel für die Dokumentation einer differenzierten Laufbahnberatung und als Grundlage für den Schülersprechtag. Der Erfahrungsaustausch, von dem nach Worten von Michael Neuhaus die eigene Schule ebenfalls profitierte, war auch im Hinblick auf die verkürzte Schulzeit (Abi in 12 Jahren) von Interesse. In Südtirol gibt es bislang noch 13 Schuljahre. Dort lernen auch alle Schüler bis zur achten Klasse gemeinsam. Eindrücke haben die Südtiroler bereits in einem bayrischen Gymnasium und dem Oberstufenkolleg in Bielefeld gesammelt. Heute steht der Besuch eines Berufskollegs in Kiel und einer Gesamtschule in Hamburg auf dem Programm.

© 2009 Neue Westfälische
Bünder Tageblatt, Donnerstag 19. November 2009