Oberstufe

Oberstufe

von Jörn Bormannerstellt am 08.09.2010

Erweiterung und Individualisierung des Beratungskonzeptes in der Oberstufe

Das FvSG verfügt über ein seit Jahren bewährtes Konzept zur Beratung der Oberstufenschüler im Hinblick auf ihre Schullaufbahn. Die nachfolgenden Ausführungen sollen deutlich machen, dass vielfältige Gründe dafür sprechen, dieses Konzept zu erweitern, um den sich verändernden Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.
Durch den im Schuljahr 2010/2011 einsetzenden Doppeljahrgang werden erheblich mehr Schüler in der Oberstufe sein, die zudem durch die Schulzeitverkürzung bedingt im Schnitt ein Jahr jünger sind. Diese Schüler haben bislang durch das Mentorenprinzip in der Sekundarstufe I (zwei Mentoren pro Klasse) eine recht individuelle Form der Betreuung genossen. Eine Fortschreibung der bisherigen Betreuungsrelation in der Sekundarstufe II (2 Beratungslehrer pro 130 – 170 Schüler) gewährleistet zwar eine schulische Beratung, lässt aber keine individuelle Betreuung zu und stellt somit für die betroffenen Schüler keine Fortsetzung der bekannten und bewährten Beratungsstrukturen aus der Mittelstufe dar.
Eine individuelle Betreuung – und das haben die Erfahrungen der Beratungslehrer der Oberstufe in den letzten Jahren gezeigt – ist aber aus vielfältigen Gründen notwendig, um nicht nur auf extreme Problemfälle reagieren zu können, sondern auch weniger auffälligen Schülern, die keine negativen schulischen oder sozialen Auffälligkeiten zeigen, das Gefühl zu vermitteln, als Mensch und nicht nur als Schüler ernst und wichtig genommen zu werden.
Eines der Ziele des erweiterten Konzepts soll daher die Stärkung des Miteinanders von Lehrern und Schülern sein, die ein frühzeitiges Erkennen von möglichen Problemen schulischer sowie sozialer Natur ermöglicht und auch zunächst unauffällige Schüler in den Blick nimmt, um deren Lernprozesse zu optimieren sowie Zukunftsperspektiven aufzuzeigen.
Um dieses Ziel zu erreichen bedarf es der Etablierung einer Schüler-Lehrer Gesprächskultur, die auf vielen Einzelgesprächen beruht. Neben vielen anderen sind folgende Gesprächsanlässe denkbar:
  • schulische Leistungen
  • Klima innerhalb der Lerngruppen
  • Integration innerhalb der Jahrgangsstufe
  • persönliche Interessen/Hobbies
  • berufliche Perspektiven
  • mögliche Beteiligung an schulischen Veranstaltungen (Turniere, Schulmannschaften, Feste)
Die zu führenden Gespräche sollten einen informellen Charakter haben, daher sind  weder feste Sprechzeiten noch eine verbindliche Anzahl von Gesprächen vorgesehen. Denkbar sind vielmehr die Nutzung von Pausenaufsichten, Flurgesprächen oder Terminabsprachen im Rahmen des Schülersprechtags. Ist in den Gesprächen weiterer Beratungsbedarf zu erkennen, sollten die Beratungslehrer einbezogen werden.
Wie soll nun ein solches Konzept zur individualisierten Beratung in der Praxis aussehen?  Ein entscheidendes Kriterium ist die Verbesserung der Betreuungsrelation zwischen Lehren und Schülern. Ausgehend von Tutorenkonzepten aus dem angelsächsischen Raum soll ein Lehrer für maximal vier Schüler als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Bei einer Vorstellung des Konzeptes im Kollegium sowie in der Schülerschaft der Oberstufe zum Beginn des zweiten Halbjahres 2010 fanden sich ca. 40 Lehrer sowie 160 Schüler, die unterschiedliche Organisationsmodelle im laufenden Halbjahr erproben wollten. Eine Evaluation erfolgt am Ende des Schuljahres 2009/2010, deren Ergebnis in einen Antrag an Lehrer- und Schulkonferenz münden soll, die dann über eine verpflichtende oder weiterhin freiwillige Einführung beschließen.

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