Das Kompetenzcurriculum

Das Kompetenzcurriculum

von Matthias Hesse 

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erstellt am 07.10.2010


Eine zentrale Grundlage von Lernkompetenz bildet die Fähigkeit, sich immer wieder neu selbstständig Wissen zu erwerben, d.h. Informationen zu recherchieren, diese zu bearbeiten und zu bewerten und die Ergebnisse anderen zu präsentieren. Auf der Grundlage dieses Dreischritts des Wissenserwerbs hat das FvSG in einer mehrjährigen Entwicklungsarbeit und unter beständiger wie gründlicher Überarbeitung ein in den Fächern verankertes und zwischen den Fächern und Jahrgangsstufen abgestimmtes Methodencurriculum, das sog. „Kompetenzcurriculum“ entwickelt. Dieses greift dabei zugleich das Ziel der systematischen Förderung des selbstständigen Lernens auf, das sich in einem zweiten Dreischritt (vom selbsttätigen, über das selbstorganisierte zum selbstbestimmten Lernen) darstellen lässt. Beide Dreischritte gemeinsam definieren den Verlauf und die Zielperspektive des Modells, wird doch in Nordrhein-Westfalen mit der Erstellung einer Facharbeit eine Schülerleistung eingefordert, die sowohl umfassende Kompetenzen in den drei Bereichen des selbstständigen Wissenserwerbs voraussetzt als auch die höchste Stufe des selbstständigen Lernen (eigenständige Themenwahl und Problemdefinition sowie eigenständige Strukturierung des Arbeitsprozesses) voraussetzt. In einer zweidimensionalen Matrix lassen sich diese Grundgedanken folgendermaßen veranschaulichen:



Für die drei Kompetenzbereiche Recherche, Bearbeitung und Präsentation sind auf der Basis vorgegebener Standards präzise, jahrgangsspezifische Kompetenzbeschreibungen abgeleitet und über die Jahrgangsstufen vernetzt worden. Diese werden in 34 einzelnen Bausteinen abgebildet, wobei die Bausteine im Fachunterricht verankert sind, sodass der Kompetenzerwerb folglich auch an die vorgegebenen fachlichen Inhalte gebunden bleibt. Die konzeptionelle Planung der in den Bausteinen zu vermittelnden Kompetenzen nimmt dabei unmittelbar Bezug auf die Kompetenzbeschreibungen der curricular gesetzten Standards (Bildungsstandards und daraus abgeleitete Kernlehrpläne); so orientieren sich z.B. die Bausteine zum Umgang mit Texten auch unmittelbar an den PISA-Kriterien zur Lesekompetenz („literacy“). Mit dieser Organisation gehen zum einen erhebliche organisatorische Entlastungen einher, zum anderen garantiert das Konzept eine Einbindung des Methodenwissens in fachliche Zusammenhänge und sichert den Übertragung der Methoden wie der notwendigen Fachbegriffe über die Fächer- und Jahrgangsgrenzen hinweg.
Die einem Baustein zugeordneten Kompetenzen werden systematisch in zeitlich begrenzten, kompakten Unterrichtseinheiten von 4 bis 6 Stunden vermittelt, wobei der Erwerb der Kompetenzen durch die Schüler abschließend mit einem Produkt nachzuweisen ist. Anhand eines differenzierten Selbstevaluationsbogens (Selbsteinschätzungsbogen), wird jeder Schüler fortlaufend aufgefordert, der eigenen Lern- und Leistungsstand zu reflektieren und Stärken wie Defizite zu ermitteln. Ziel ist es, die Wahrnehmung in Bezug auf eigene Stärken und Schwächen zu schulen und die Selbstverantwortlichkeit für die Gestaltung und Steuerung des eigenen Lernprozesses zu erhöhen. Die Ergebnisse der Arbeit in den Bausteinen werden zum Abschluss im Portfolio als einem kriterienorientierten Lerntagebuch gesammelt.
 

Lernportfolio und Portfolioarbeit

 
Als Dokumentation einer individualisierten Lernbiografie dient unseren Schülerinnen und Schülern ein Lernportfolio, das sowohl auf fachliche, methodische Leistungen als auch das Lernverhalten und Engagement allgemein Bezug nimmt. Das Portfolio gliedert sich dabei in drei Teilbereiche, die ihrerseits das Konzept der Portfolioarbeit veranschaulichen:
Im ersten Teil „Zeugnisse und Zertifikate“ ist neben den Zeugnissen Platz für alle Arten von Urkunden und Zertifikaten. Damit dient er als zentraler Ort zur Dokumentation der fachlichen Leistungen. Neben Zeugnissen sollen hier auch alle Dokumente hinterlegt werden, die das über den Unterricht hinausgehende Engagement der Schülerinnen und Schüler dokumentieren: So ist es in höheren Klassen z.B. möglich, an Sprachtests teilzunehmen und dafür ein Zertifikat zu erwerben. Oder man kann in der Mittelstufe Streitschlichter werden und nach erfolgreicher Mitarbeit dafür eine Urkunde bekommen. Die Teilnahme an Wettbewerben wird ebenfalls häufig mit einer Urkunde belohnt.
Der zweite Teil „Methodische Kompetenzen“ nimmt Bezug auf die Arbeit in den Bausteinen im Rahmen des Kompetenzcurriculums, das auf eine umfassende methodische Schulung unserer Schülerinnen und Schüler zielt. Dieser Bereich wird nach und nach ergänzt durch die Selbsteinschätzungsbögen, die zum Abschluss eines jeden Methodenbausteins ausgefüllt und nach den drei Kompetenzbereichen „Recherche“, „Bearbeitung“ und „Präsentation“ geordnet abgeheftet werden. Alle Selbsteinschätzungsbögen zusammen ergeben in der Sekundarstufe I Schritt für Schritt ein vollständiges Bild der methodischen Fertigkeiten, also ein vollständiges Puzzle.
Ähnliches gilt für die Arbeit mit dem dritten Teil „Lernlaufbahnberatung“. Hier sollen alle Lernstandsbarometer, die zur Vorbereitung des Schülersprechtags dienen, eingeordnet werden. Auch die Protokolle der Schülersprechtage haben hier ihren Platz. Für diesen Bereich steht daher als Symbol der richtungsweisende Pfeil. Informationen zum Schülersprechtag und zur Lernlaufbahnberatung sind auch unter dem Link "Beratungskonzept am FvSG" zu finden.
Damit fungiert das Portfolio zugleich als Arbeitsgrundlage, Leistungsnachweis und Dokumentation der vergangenen wie gegenwärtigen Lernbiografie.