1.1 Förderung des selbstständigen Lernens – Lernkompetenz

1.1 Förderung des selbstständigen Lernens – Lernkompetenz

Eine zentrale Grundlage von Lernkompetenz bildet die Fähigkeit, sich immer wieder neu selbstständig Wissen zu erwerben, d.h. Informationen zu recherchieren, diese zu bearbeiten und zu bewerten und die Ergebnisse anderen zu präsentieren. Auf der Grundlage dieses Dreischritts des Wissenserwerbs hat das FvSG in einer mehrjährigen Entwicklungsarbeit und unter beständiger wie gründlicher Überarbeitung ein in den Fächern verankertes und zwischen den Fächern und Jahrgangsstufen abgestimmtes Methodencurriculum, das sog. „Kompetenzcurriculum“ entwickelt. Dieses greift dabei zugleich das Ziel der systematischen Förderung des selbstständigen Lernens auf, das sich in einem zweiten Dreischritt (vom selbsttätigen, über das selbstorganisierte zum selbstbestimmten Lernen) darstellen lässt. Beide Dreischritte gemeinsam definieren den Verlauf und die Zielperspektive des Modells, wird doch in Nordrhein-Westfalen mit der Erstellung einer Facharbeit eine Schülerleistung eingefordert, die sowohl umfassende Kompetenzen in den drei Bereichen des selbstständigen Wissenserwerbs voraussetzt als auch die höchste Stufe des selbstständigen Lernen (eigenständige Themenwahl und Problemdefinition sowie eigenständige Strukturierung des Arbeitsprozesses) voraussetzt. In einer zweidimensionalen Matrix lassen sich diese Grundgedanken folgendermaßen veranschaulichen:



Für die drei Kompetenzbereiche Recherche, Bearbeitung und Präsentation sind auf der Basis vorgegebener Standards präzise, jahrgangsspezifische Kompetenzbeschreibungen abgeleitet und über die Jahrgangsstufen vernetzt worden. Diese werden in 34 einzelnen Bausteinen abgebildet, wobei die Bausteine im Fachunterricht verankert sind, sodass der Kompetenzerwerb folglich auch an die vorgegebenen fachlichen Inhalte gebunden bleibt. Die konzeptionelle Planung der in den Bausteinen zu vermittelnden Kompetenzen nimmt dabei unmittelbar Bezug auf die Kompetenzbeschreibungen der curricular gesetzten Standards (Bildungsstandards und daraus abgeleitete Kernlehrpläne); so orientieren sich z.B. die Bausteine zum Umgang mit Texten auch unmittelbar an den PISA-Kriterien zur Lesekompetenz („literacy“). Mit dieser Organisation gehen zum einen erhebliche organisatorische Entlastungen einher, zum anderen garantiert das Konzept eine Einbindung des Methodenwissens in fachliche Zusammenhänge und sichert den Übertragung der Methoden wie der notwendigen Fachbegriffe über die Fächer- und Jahrgangsgrenzen hinweg.
Die einem Baustein zugeordneten Kompetenzen werden systematisch in zeitlich begrenzten, kompakten Unterrichtseinheiten von 4 bis 6 Stunden vermittelt, wobei der Erwerb der Kompetenzen durch die Schüler abschließend mit einem Produkt nachzuweisen ist. Anhand eines differenzierten Selbstevaluationsbogens (Selbsteinschätzungsbogen), wird jeder Schüler fortlaufend aufgefordert, der eigenen Lern- und Leistungsstand zu reflektieren und Stärken wie Defizite zu ermitteln. Ziel ist es, die Wahrnehmung in Bezug auf eigene Stärken und Schwächen zu schulen und die Selbstverantwortlichkeit für die Gestaltung und Steuerung des eigenen Lernprozesses zu erhöhen. Die Ergebnisse der Arbeit in den Bausteinen werden zum Abschluss im Portfolio als einem kriterienorientierten Lerntagebuch gesammelt.

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