Straßenkinderprojekt in Condega

Straßenkinderprojekt in Condega

von Angela Holstiege 

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erstellt am 25.05.2011



Seit einigen Jahren unterstützt das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium regelmäßig das Straßenkinderprojekt in Condega in Nicaragua. Ein Viertel der Einnahmen aus dem jährlichen Weihnachtsbasar gehen dorthin, ein weiteres Viertel bekommt eine Schule in Afrika. Das ist  jedes Mal eine Summe zwischen 1200 und 1500 €, je nach der Höhe der Einnahmen, und eigentlich recht viel Geld. Warum hat unsere Schule dieses Straßenkinderprojekt ausgesucht?
 
Zunächst muss ich über Condega berichten.
Condega ist eine kleine Kreisstadt mit ca. 10.000 Einwohnern im Zentrum und nochmals 10.000 Einwohnern in den umliegenden Gemeinden und liegt im Norden von Nicaragua in den Bergen. Nicaragua wiederum liegt in Mittelamerika und gehört somit bereits zu den Tropen. Condega ist ziemlich arm, aber eine gut verwaltete Stadt. Direkte Armut ist wenig sichtbar, aber dass niemand viel besitzt, sieht man daran, dass alle Häuser nur ein Stockwerk haben. Condega liegt an der Panamerikana, der Straße, die von Alaska bis Feuerland geht. Auf der Straße verkehren viele LKW, die jedoch an Condega vorbeifahren, weil der Ort sowie die ganze Bergregion arm ist. Als die Spanier Südamerika beherrschten, haben sie sich nur für das Land in der Ebene interessiert. Die Indios wurden in die Berge vertrieben oder sie haben sich dahin zurückgezogen. Deswegen sind die Einwohner von Condega auch ziemlich dunkelhäutig.
Wovon leben die Einwohner Condegas? Größtenteils von der Landwirtschaft, vom Kaffeeanbau und vor allem von der Selbstversorgung. Es gibt auch kleines Gewerbe und Kleinhandel.
 
Eigentlich herrscht in Nicaragua eine sechsjährige allgemeine Schulpflicht und eigentlich ist die Schule kostenlos. Aber die Kinder brauchen eine Schuluniform, Hefte und Stifte. Erwünscht ist ebenso eine Schultasche. Manche Familien können sich das nicht leisten und sind auch darauf angewiesen, dass ihre Kinder mitarbeiten und Geld verdienen. Es gibt sicher auch die ein oder andere Familie, die sich der Bedeutung von Schulbildung nicht bewusst ist. Wenn die Kinder arbeiten, dann die Jungen z. B. als Schuhputzer und die Mädchen in den Garküchen ihrer Mütter am Straßenrand oder auf dem großen Busbahnhof.
Unter anderem um diese Kinder kümmert sich das Straßenkinderprojekt. Das Straßenkinderprojekt ist eine Kombination aus Jugendzentrum und Familienbildungsstätte. Hier gibt es ein vielfältiges Angebot. Nachhilfeunterricht, um in der Schule wieder mitzukommen, Kurse in Musik, Tanzen, Fußball, Schreiben auf dem Computer, Nähen, Gesundheit, Vorbeugung vor AIDS, Erziehung und vieles mehr. Die Mitarbeiter des Zentrums fahren auch in die Dörfer, die weit entfernt noch höher in den Bergen liegen, und bieten dort Kurse an oder sie besuchen Familien, deren Kinder nicht in die Schule gehen und versuchen sie von der Notwendigkeit des Schulbesuchs zu überzeugen. In der Nähstube werden auch Schuluniformen genäht, die arme Familien günstig erwerben können. Insgesamt erreicht das Straßenkinderprojekt ca. 400 Kinder.
 
Seit 18 Jahren wird dieses Zentrum vom Förderverein für Condega mit jährlich 20.000 $ unterstützt, weil die Kinder und Familien in Condega selbst kein Geld haben. Der Förderverein bekommt seine Mittel vom Kreis Herford und der Stadt Löhne, denn es besteht seit mehr als 20 Jahren eine Partnerschaft zwischen dem Kreis Herford und der Stadt Condega. Aber da in den letzten Jahren Kreis und Kommunen im Kreis Herford weniger Geld hatten, als sie ausgegeben haben, können sie das Straßenkinderprojekt nicht mehr wie im früheren Umfang unterstützen und es muss auch durch Spenden finanziert werden. Hierzu tragen unsere Einnahmen aus dem Weihnachtsbasar bei. Dadurch dass das Straßenkinderprojekt jetzt schon recht lange von Menschen aus dem Kreis Herford unterstützt wird und regelmäßig auch jemand hinfährt und das Projekt besucht, der aber die Reisekosten aus eigener Tasche bezahlt – im Frühjahr war es der Bürgermeister von Löhne - , wissen wir, dass unsere Spenden gut angelegt sind.
 
Seit drei Jahren arbeiten regelmäßig zwei Jugendliche in einer Art freiwilligem sozialen Jahr für ein Jahr in dem Straßenkinderprojekt in Condega. Hierfür kann man sich beim Förderverein bewerben. Die Voraussetzung ist allerdings, dass man Spanisch kann. Leider bietet unsere Schule Spanisch nicht an, so dass man es auf der Volkshochschule lernen muss. Durch diese Jugendlichen wissen wir jetzt noch sehr viel besser über das Straßenkinderprojekt Bescheid.