Ist eine Diktatur heutzutage noch möglich?

Ist eine Diktatur heutzutage noch möglich?

von Nico Ebmeier (Q2) erstellt am 13.03.2018

Literatur: Das Theaterstück „Der Sturm“ der Q2 des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Bünde befasste sich mit der Frage, wie viel Faschismus in der heutigen Gesellschaft noch vorhanden ist

Die Debatte über den Faschismus ist aktueller denn je, hatte sich der Literaturkurs der Q2 des Bünder Gymnasiums gedacht. In ganz Europa seien populistische und rassistische Ideen auf dem Vormarsch, die Politik wieder zu erobern. Daher entschied sich der Kurs unter der Leitung vom Geschichts- und Literaturlehrer Daniel Eisenhardt das Stück „Der Sturm“ am vergangenen Montag- und Dienstagabend im Forum Ennigloh vorzustellen. „Der Sturm“ beruhte auf einem Experiment, welches in den 1960er Jahren der amerikanische Geschichtslehrer Ron Jones an einer High-School im kalifornischen Palo Alto durchgeführt hatte. „Wir wollten ein lustiges, aber auch gesellschaftskritisches Stück vorführen“, erklärte Tom Blümel, der am zweiten Aufführungstag die Hauptrolle des Lehrers Rainer Wenger gespielt hatte.

Es ist Projektwoche an der Schule und Rainer Wenger wurde der Kurs „Autokratie“ zugewiesen. Völlig desinteressiert an diesem Thema, denkt er darüber nach, den Kurs ein bisschen interessanter zu gestalten zu können, sich eventuell sogar einen großen Namen im Lehrerkollegium machen zu können. Daher fragte er seinen Kurs: „Glaubt ihr, dass es im heutigen Deutschland eine Diktatur geben könnte?“ Seine Schüler sind sich sofort einig. „Natürlich nicht, dafür sind wir viel zu aufgeklärt“, so Matze, einer der angesagteren Jungen der Klasse. Das nimmt Wenger als Aufmacher, sein Experiment durchzuführen. Er hat vor, in seinem Projektkurs eine echte Autokratie entstehen zu lassen. Er beginnt dafür zunächst kleinste Dinge zu ändern. Von nun an mussten alle Schüler stets grade aufgerichtet auf den Stühlen sitzen und sowie jeden Wortbeitrag, zu dem sie stets aufzustehen hatten, mit „Herr Wenger“ beginnen und beenden. „Macht durch Disziplin“ nannte der neue Autokrat diese ersten Maßnahmen. Besonders einem Schüler schien das besonders zu gefallen. Ben, der eigentlich sonst so schüchterne und leise Junge blühte in dem System richtig auf. Auch andere fanden großen Gefallen an der Autokratie, jedoch bildeten sich mit Melanie, Karo und Mona gleichzeitig auch schon die ersten Widersacher, die dem Ganzen ein frühes Ende setzen wollten.

Tag Zwei begann mit einem gemeinsamen Guten-Morgen-Marsch durch das Klassenzimmer. „Macht durch Gemeinschaft“ betitelte Rainer Wenger dies. „Wir müssen lernen, zusammen zu arbeiten und zusammen stärker zu werden“, fuhr er fort. Um das besagte Gemeinschaftsgefühl noch weiter zu stärken, beschloss Wenger, dass ab heute jeder in einem weißen Hemd und in einer blauen Jeans zu erscheinen hatte. Nur Karo hatte da was gegen. Sie wollte partout bloß kein weißes Hemd anziehen und bekam die neue Macht des Systems schnell zu spüren. Am dritten Tag wurde sie von allen ehemalig so befreundeten Mitschülern ausgegrenzt und Herr Wenger nahm sie trotz Meldung nicht im Unterricht dran. Dies führte zur dritten Devise des neuen Systems. „Macht durch Handeln“. Jeder helfe der Gemeinschaft und die Gemeinschaft helfe ihr meinte Wenger. So war es Dominik, der eine neue Internetseite für die Gruppe entwarf, oder Nils, der rote Armbinden zur Identifikation schneiderte, oder Julian, der sich einen Gruppennamen einfielen ließ. „Der Sturm“ entwickelte sich und nahm unerwartete Größe an. Dies war vor allem am ehemals so schüchternen Ben zu merken. Der Mathematiker griff die linkseingestellten Punks am Bahnhof an, sprühte Graffiti an Hauswände und setzte sich weiteren großen Gefahren aus. Die Einzige, die tatsächlich etwas gegen „den Sturm“ hatte, war Karo. Die Tänzerin witterte ungedachte Gefahren des Systems. Das Ganze würde aus dem Ruder laufen, Herr Wenger verlöre die Kontrolle, meint die Schülerin, die mit Julian zusammen war, der ähnlich wie Ben eine große Veränderung innerhalb der Bewegung absolvierte.

Der Streit zwischen Karo und Julian eskalierte am vierten Tag. Die Wege der Beiden trennte sich, aber der „Sturm“ entwickelte sich mehr und mehr zu einem wirklichen für das Umfeld. Wieder gab es eine Auseinandersetzung zwischen den Punks vom Bahnhof und der autokratischen Bewegung. Diesmal zückte Ben sogar eine Pistole, aber Matze schaffte es den plötzlich völlig veränderten Mitschüler vor dem Abdrücken abzuhalten. Völlig begeistert vom Sieg über die Punks trafen sich alle Mitglieder der Bewegung zu einer großen Feier am Strand, wo dieses unfassbare Gemeinschaftsgefühl im Form von großer Freude ausgedrückt wurde, aber Bens Fehlgriff mit der Pistole hatte ein Nachspiel. Die Punks wollten sich nicht geschlagen geben und baten einen des „Sturms“ zum 1-gegen-1 Kampf am nächsten Tag. Julian witterte die Chance, sich endlich einen Namen zu machen und meldete sich freiwillig zum Kampf. Mithilfe der Anfeuerungsrufe schaffte es Julian auch tatsächlich über sich hinaus zu wachsen und den Punk nieder zu kämpfen. Dennoch wurde Julian kurze Zeit später erst klar, was er gerade wirklich gemacht hatte. Völlig verzweifelt bittet er Herrn Wenger, diese ganze Bewegung endlich zu beenden, aber dieser möchte sich nicht davon abbringen lassen. „Ich bin der Sturm. Das wird kein Ende finden“, antwortete Wenger und schickte Julian wieder fort. Daraufhin berief der Lehrer eine „Sturm“-Versammlung für den nächsten Tag. Zunächst möchte er die Bewegung beenden, aber als der Lehrer erkennt, was er da geschaffen hat, wird ihm klar, dass „dieses Projekt nicht enden darf!“. „Wir werden der Nation zeigen, dass wir die Gesellschaft verändern können“, fuhr Wenger fort. Völlig enttäuscht von der Entscheidung seines Lehrers, versuchte Julian ihn anzugreifen, wurde aber von der geballten „Sturm“-Kraft gestoppt. Nun merkte Rainer Wenger erst wie weit seine Bewegung schon fortgeschritten war und welche Ausmaße das Ganze genommen hatte. Er beschloss das ganze Projekt für beendet zu erklären und den „Sturm“ endgültig aufzulösen. Alle Schüler waren traurig, aber besonders Ben, gespielt durch David Lohkemper, war mit der Entscheidung alles andere als zufrieden. Er zückt seine Pistole und erschoss sich selbst.

Es zeigte sich also, dass es, auch wenn dieses Stück das ganze Thema natürlich dramatisiert hatte, durchaus noch möglich ist, eine Diktatur im heutigen Deutschland zu errichten.

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