Im Gespräch Talente entdecken
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Im Gespräch Talente entdecken

von Hendrik Steffens 

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erstellt am 14.04.2011



Foto: Andreas Röchter Foto: Andreas Röchter Foto: Andreas Röchter

Freiherr-vom-Stein-Gymnasium führt erstmalig Projekt „Abitur – und wie weiter?“ durch

Bünde-Ennigloh. „Das Abi schaffen und dann studieren“, so das Ziel vieler Schüler im zwölften Jahrgang des Gymnasiums. Welches Fach es an der Uni sein soll und welcher Beruf am Ende des Lernens stehen könnte, ist oft unklar. „Viele machen sich zu spät Gedanken“, denkt Elgin Willmann. Sie ist Regionalleiterin des Bielefelder Bildungswerks Gildenhaus, das Schüler früh beim Entdecken ihrer Talente unterstützen will.

„Abitur – und wie weiter?“, so heißt das dreiteilige Trainings-Programm, das Schülern Grundkompetenzen bei der Berufsfindung vermitteln soll. Am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium wurde das Coaching jetzt erstmals angeboten. „Anfangs befragen wir die Schüler zu ihren Erwartungen“, erklärt Willmann, die für die Durchführung des Projekts „Abitur – und wie weiter?“ verantwortlich ist. Studienberatung wolle und könne das Programm nicht leisten. Bewusstsein über Talente schaffen und „wachrütteln, so lange noch Zeit zur Berufswahl bleibt“, lauten die erklärten Ziele.

Freiwillig nahmen Schüler des zwölften Jahrgangs im laufenden Schuljahr an dem in Bünde erstmals durchgeführten Projekt teil. In Gruppen von je zwölf Personen arbeiteten Trainer an drei Tagen mit den Berufs-Suchenden.

„Mir hat besonders gefallen, dass es sich um neutrale Personen handelte, die unsere Stärken und Schwächen mit uns beleuchtet haben“, sagt Johannes Holstein. Hierarchiegefälle wie im normalen Unterricht habe es dabei nicht gegeben. Die Atmosphäre sei eher freundschaftlich gewesen. Ursprünglich wollte der Zwölftklässler Maschinenbau studieren. Ein Praktikum in dem Bereich in Klasse elf hatte ihn die Pläne aber überdenken lassen. „Danach war ich erstmal orientierungslos“, erinnert sich Johannes. In Zusammenarbeit mit den Experten vom Trainings-Unternehmen Gildenhaus fasste er dann den Entschluss, ein Hobby als Berufswunsch ins Auge zu fassen. „Ich möchte jetzt Tontechniker werden“, sagt Johannes. Interessen und Stärken der Schüler herauszustellen, das sei Sinn des Programms, bestätigt Willmann.

Vier-Augen-Gespräche mit den Trainern gehörten ebenso zum Procedere wie Diskussionen mit Mitschülern oder das Ausfüllen von Fragebögen. Auch eine Traumreise, bei der jeder Teilnehmer sich vorstellen soll, wie sein Leben in einigen Jahren verläuft. „Eine Sache, über die ich mir vorher noch keine großen Gedanken gemacht hatte“, sagt Mitschülerin Miriam Kessler.

Dass es in der Oberstufe allerdings höchste Zeit ist, über die nahe und ferne Zukunft nachzudenken, findet Willmann. Deshalb bringt sie das Gildenhaus-Projekt voran. Seit 2004 wurden mehr als 13.000 Schüler betreut. Im Kreisgebiet sind es seit 2009 allein 700. Finanziert wird der einige tausend Euro teure, für die Schüler jedoch kostenlose dreitägige Einsatz der Gildenhaus-Trainer je zur Hälfte von der Agentur für Arbeit und von Sponsoren. Im Falle des Pilot-Projekts am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium griffen die Volksbank Bad Oeynhausen-Herford sowie der Förderverein des FvSG unter die Arme.

Im „Stein-Gymnasium“ will man jetzt Bilanz ziehen und dann entscheiden, ob man das Programm weiter führt, wie der stellvertretende Schulleiter, Jens Ransiek, anmerkt.
 

© 2011 Neue Westfälische
Bünder Tageblatt, Donnerstag 14. April 2011