Einer, der sich in der Insektenwelt auskennt

Einer, der sich in der Insektenwelt auskennt

von Christine Zeides 

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erstellt am 03.03.2012



Foto: Christine Zeides Foto: Christine Zeides Foto: Christine Zeides

Tobias Banemann (16) aus der Einführungsphase des FvSG ist Teil des Dobergmuseums Bünde. Dort hilft er beim Aufbau der Ausstellung und erklärt interessierten Gruppen die Exponate.

Wie lange bist du schon Museumsführer und wie kamst du dazu?
Eigentlich wollte ich dort nur mein langes Praktikum im Juni machen. Mit der Bewerbung hatte ich angeboten, bei der Gestaltung und dem Aufbau der neuen Sonderausstellung zum Thema Insekten zu helfen. Als die Ausstellung dann eröffnet wurde, bin ich hier geblieben. Zuerst habe ich nur ehrenamtlich mitgeholfen, aber da ich seit Februar auch Führungen machen darf, bin ich schon Teil des Teams geworden.
 
Hat diese Arbeit denn etwas mit deinen beruflichen Wünschen zu tun?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe mich schon immer besonders für die Geologische Ausstellung im Dobergmuseum interessiert. Offiziell korrekt heißt das Berufsfeld für mein Praktikum eigentlich "Historiker im Museum" -  wobei man sich dabei nicht nur auf diese Tätigkeit beschränkt. Jeder hat hier etwas zu tun und übernimmt auch mal andere Bereiche. Und in dieser Richtung möchte ich vielleicht auch später etwas machen.
 
Was genau sind deine Aufgaben?
Eigentlich mache ich nur die Führungen für die Kindergartengruppen und Schulklassen. Wenn mal keine Gruppe da ist, laufe ich einfach ein bisschen herum und passe auf, dass alles in der Ausstellung gut funktioniert. Es kann da schon mal ein paar technische Probleme geben, die man dann beheben muss. Ansonsten bin ich natürlich Ansprechpartner für die Museumsbesucher und versuche ihre Fragen zu beantworten.
 
Was ist das besondere an dieser Arbeit?
Man hat sehr viel Kontakt zu anderen Menschen. Gleichzeitig kann man selber Erfahrungen sammeln - besonders wie man anderen etwas erklären kann oder einfach nett mit ihnen umgeht. Natürlich habe ich dabei auch meine eigenen Kenntnisse über Insekten vertiefen können.
 
Was macht dir dabei besonders viel Spaß?
Das Schönste für mich sind die Tiere. Wir haben ja in der Ausstellung "Insekten - zwischen Faszination und Phobie" auch lebende Insekten wie Stabschrecken oder Gespenstschrecken.  Da die nicht gefährlich sind und vor allem nicht davonfliegen können, kann ich sie aus dem Terrarium nehmen und den Besuchern zeigen. Ich freue mich immer, wenn die Menschen fasziniert von diesen Tieren sind und ich ihnen die kleinen Lebewesen ein wenig näher bringen kann.
 
Wie ist die Arbeitsatmosphäre im Museum?
Wunderbar. Anfangs war ich noch ein bisschen schüchtern, aber die anderen sind sehr freundlich und gut drauf, so dass ich mich fast auf Anhieb mit ihnen verstanden habe. Mit dem Team kann man sich auch gut unterhalten und zusammen arbeiten.
 
 
Wie hast du dich damals auf die Führungen vorbereitet?
Zunächst mal gab es kein schriftliches Konzept für die Führungen. Das heißt, dass jeder sie ein wenig anders machen konnte. Ich habe mich zuerst mit der Museumspädagogin zusammengesetzt, mit ihr gesprochen und dann zugeguckt, wie sie so eine Führung gestaltet hat. Nachdem ich mich auch noch thematisch mit den Info-Tafeln in der Ausstellung vertraut gemacht hatte, konnte auch ich anfangen.
 
Wie war denn deine erste Führung?
Es war schon ein bisschen schwierig - Zugucken ist doch ganz anders als selbst den Vortrag zu halten! Zum Glück war die Museumspädagogin mit dabei und konnte mir aushelfen, wenn ich mal nicht weiterwusste. Ich sollte eine Grundschulgruppe führen und  war da ziemlich aufgeregt und nervös. Zuhause hatte ich mir einen Spickzettel mit den wichtigsten Aspekten geschrieben; den habe ich bis zu der Führung in der Hand gehalten und immer wieder durchgelesen. Es hat dann aber alles sehr gut geklappt und jetzt habe ich mich schon weitestgehend an die Führungssituation gewöhnt.
 
Was bedeutet es dir, im Museum anderen interessierten Leuten etwas über Insekten zu erklären?
Wenn sie wirklich Interesse zeigen und ich ihnen weiterhelfen kann, ist das immer ein gutes Gefühl. Es ist schön zu sehen, wie sie sich dann weiter von dieser kleinen Welt begeistern lassen.
 
Hast du mal eine lustige oder interessante Begegnung im Museum gehabt, von der du uns erzählen möchtest?
Direkt Lustiges habe ich noch nicht erlebt. Aber es ist immer wieder spannend, zu sehen, wie die Menschen auf die lebenden Tiere reagieren. Einerseits finden sie sie schön, andererseits wollen sie auf Anhieb keines auf die Hand nehmen. Nicht alle sind mutig. Aber wenn sie dann andere sehen, die sich trauen, wollen sie es meist doch noch probieren und wundern sich dann, dass sich das eigentlich gar nicht schlimm anfühlt. Mensch trifft auf Insekt - das ist immer wieder eine besondere Begegnung.
 
Was wünscht du dir für die Zukunft?
Auf jeden Fall möchte ich einen Fuß in der Tür des Museums halten. Vielleicht hilft mir das dann für meinen späteren Beruf, so ganz sicher bin ich ja noch nicht. Aber ich möchte jetzt erst einmal Teil des Teams bleiben, denn die Arbeit macht unglaublich viel Spaß.
 
Vervollständige bitte diesen Satz: Als Museumsführer ...
... lernt man viel dazu.
 
Vielen Dank für das interessante Gespräch!