Der Literaturkurs erweckt Sir Canterville zum Leben

Der Literaturkurs erweckt Sir Canterville zum Leben

von Christine Zeides erstellt am 27.05.2011

„Ich will nicht weichen, bis sich das Tor der Hölle über mir geschlossen hat! Dieser Blutfleck sei Mahnmal an diese Untat und er soll bestehen bleiben für immer!“ So sprach Sir Simon de Canterville, nachdem er aus Eifersucht seine Frau mit dem Schwert erstochen hatte. Seitdem spukt Sir Simon über vierhundert Jahre lang in seinem alten Schloss umher – wie auch am Abend des 25.Mai 2011, an dem der Literaturkurs des FvSG das Stück von Oscar Wilde auf die Bühne brachte.
Eigentlich begann das Stück zunächst recht fröhlich, als der noch lebendige Sir Simon mit seinem Freund Sir Geoffrey de Malvoisin von der Jagd zurückkehrte. Wie es sich für ein ausgelassenes Fest gehört, hatten die Schauspieler für diese Szene extra einen Tanz in mittelalterlichen Kostümen einstudiert.
Doch als Malvoisin dem Schlossherren von der Untreue seiner Frau erzählte, erstach Simon diese aus Eifersucht. Seitdem war Sir Simon de Canterville gezwungen, als Gespenst in seinem Schloss zu leben, bis endlich jemand käme, um ihn zu erlösen.
Simons eintöniges Leben in den Katakomben ändert sich schlagartig, als die amerikanische Familie Otis das Schloss kauft. Der modernen Familie, bestehend aus Mr und Mrs Otis sowie den beiden aufgeweckten und frechen Zwillingen Bob und Ted und der liebreizenden Tochter Virginia, kann das Gespenst keine Angst einjagen. Stattdessen muss es sich mit gemeinen Streichen der Jungen und den neuesten Produktempfehlungen von Mr und Mrs Otis (gespielt von Julia Kaltschmidt und Stefanie Schmidt) herumschlagen. Für viele Lacher sorgten dabei Lena Gostmann und Helena Horstmann als hyperaktives Zwillingspärchen, die vor keiner Beleidigung zurückschreckten und dem Gespenst wie dem Schlosspersonal (Chantal Wiegmann und Lena Cillis) tüchtig einheizten.
Doch das will sich ein alteingesessenes Gespenst nicht gefallen lassen! Schauspielerisch überzeugend war dabei vor allem Lena Diestelhorst in der Rolle des Sir Simon. Unermüdlich rasselte sie mit den Geisterketten um den verhassten Amerikanern zumindest einen kleinen Schauer über den Rücken zu jagen. Als alles Spuken die Familie nicht vertreiben kann,  ist Sir Simon verzweifelt und sehnt sich nach seiner ewigen Ruhe.
Einzig Virginia empfindet Mitleid für das Gespenst. Sie wurde von Karolina Auinger verkörpert, die sie nicht nur als schöne Zierde, sondern auch als erfrischend modernes und freches Mädchen zeigte. Sie ist bereit, dem Gespenst auf seinem letzten Weg zu helfen.
Natürlich erhofft sie dadurch auch ihren neuen Freund, George de Malvoisin und direkter Nachfahre des unliebsamen Freundes, vor dem Gespenst zu retten, das versucht, ihn aus Rache zu töten. An diesem Abend wurde George von Kristina Supper gespielt, die aus ihm einen heldenhaften aber schüchternen Lord machte und so den Geschmack des Publikums traf.
Schließlich erlöste Virginia mit ihrem reinen Herzen das Canterville-Gespenst von seinem ewigen Dasein und somit kehrte Ruhe im Schloss und auf der Bühne ein.
Am Ende standen die Schauspieler, alle mitwirkenden Helfer sowie die beiden betreuenden Lehrerinnen Frau Porysiak und Frau Tylinda sichtlich zufrieden auf der Bühne und genossen die redlich verdienten Standing-Ovations, die sogar dem griesgrämigen Schlossgespenst ein lauthalses Lachen entlockten.

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