Verwechslung, Liebe und alles was ihr wollt

Verwechslung, Liebe und alles was ihr wollt

von Christine Zeides erstellt am 14.05.2012

Eine dunkle Bühne. Man hört aus der Ferne Wellenschlag und Möwengeschrei. Plötzlich ein Spotlight: Unter dem dicken Vorhang kriechen Viola und der Seemann hervor. Nach dem Schiffsunglück können beide nicht fassen, doch noch überlebt zu haben. Allein Viola trauert um ihren Bruder Sebastian, der in den Fluten ertrunken ist...
Schon befinden sich die zahlreichen Zuschauer mitten im Theaterstück. Der Literaturkurs von Daniel Eisenhardt präsentierte Shakespeares "Was ihr wollt", das sie zuvor mit "Blut, Schweiß und Tränen" erarbeitet hatten.
Viola macht sich unterdes auf den Weg an den Hof des Königs Orsino, um bei ihm als Mann verkleidet unter dem Namen Cesario zu dienen. Dort wird sie direkt für einen besonderen Auftrag gebraucht: Orsino hält schon seit langem vergeblich um die Hand der schönen Gräfin Olivia an, die seit dem Tod ihres Bruders in tiefe Trauer verfallen ist. Nach hartnäckigem Bemühen erhält Viola eine Audienz bei der Gräfin...
So sehen die Zuschauer Maleen de Haan als Gräfin,  die langsam Cesario (gespielt von Selma Steinmeier) verfällt und sich somit nicht in Orsino, sondern in dessen Diener verliebt. Das hatte Viola in ihrem Plan nicht kalkuliert. Doch ihr passiert Ähnliches: Je länger sie sich bei dem König (verkörpert von Dustin Koring) aufhält, desto mehr fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Ein rasantes Versteckspiel mit vielen Verwechslungen beginnt.
Doch was wäre ein Shakespeare ohne weitere geheime Pläne? Hier ist die Intrige der Hofdame Maria und den beiden "mutigen Rittern" Sir Toby und Sir Andrew zu nennen. Die Gruppe hat es auf Olivias Hausverwalter Malvolio abgesehen, der voller Einbildung und Selbstliebe im Geheimen um die Hand Olivias wirbt. Warum also nicht eine falsche Fährte mit einem gefälschten Liebesbrief legen? Gesagt, getan: Plötzlich sieht Malvolio seine Chance, den Thron an sich zu reißen und Ruhm und Ehre zu erlangen. Diese Hoffnung wurde hervorragend gespielt von Ricarda Plümers, die mit ihrem schauspielerischen Können die Rolle des Bösewichts lebendig und amüsant gestaltete.
Doch weiter im Text: Sir Andrew hat schon seit langem ein Auge auf Olivia geworfen. Nun sieht er in Cesario den Konkurrenten, der Olivia so sehr gefällt. Er fordert ihn übereifrig zu einem Duell heraus. Sir Toby als Übermittler der Nachricht macht sich wieder einen Spaß und berichtet dem jeweiligen Konkurrenten nur die halbe Wahrheit: So erzählt er Andrew, der zarte Cesario sei ein blutrünstiger Mörder. Umgekehrt zeichnet er für Cesario das Bild von dem kräftigen, kampfbereiten Andrew. Voller Angst gehen beide Kontrahenten mit Laserschwertern in die Schlacht. Ein wirklicher Kampf kann nur noch von der Gräfin vereitelt werden, die Sir Toby für seine Flausen kräftig ausschimpft.
Doch was ist das? Eine weitere Person betritt die Bühne: Es ist Sebastian, Violas Zwillingsbruder, der von Antonio, dem Kapitän, aus den Fluten gerettet wurde. Er beschließt, seine Schwester zu suchen.
Malvolios Liebe zu Olivia treibt seltsame Blüten: Als Zeichen seiner Verehrung beginnt er nun, gelbe Socken mit Sockenhaltern zu tragen, die ihr (laut Brief) so gut gefallen. Er erntet dafür aber nur Spott und eine Einweisung ins Irrenhaus. Die offizielle Begründung: "Er sieht ja aus wie ein Lehrer."
Über all dem Geschehen wacht der Narr Feste. Er ist Begleiter aller Charaktere und süßt die Vorstellung mit einer Prise Humor. In seinen Augen scheint die ganze Szenerie verwickelt und kompliziert, aber auch etwas albern. Mit dieser lockeren Einstellung und einigen Gesangseinlagen konnte sich Max Werner Starke in die Herzen der Zuschauer spielen.
Und nun kommt, was kommen musste: Sebastian trifft im Reich des Orsino ein und wird als Zwilling fälschlicherweise für Cesario gehalten. So verbringt er beispielsweise die Nacht mit der Gräfin Olivia und ist ratlos über das seltsame Verhalten des fremden Sir Andrew. Erst als am Morgen der König Orsino mit Cesario an den Hof kommt und gleichzeitig einen zweiten Cesario bei der Gräfin sieht, wird alles klar. Glücklich fallen sich die Geschwister in die Arme und Viola kann ihr Geheimnis enthüllen. So erhält sie auch die Chance, dem König ihre Liebe zu gestehen, die er auch erwidert.
Und so schließt sich der Vorhang mit einer Doppelhochzeit und einer feiernden Hochzeitsgesellschaft. Einzig Malvolio bleibt einsam in der Anstalt zurück, mit dem der Narr noch seinen Schabernack treibt. Doch schließlich wird auch er von seinen Qualen erlöst. Als er Olivia im Brautkleid neben Cesario sieht, wird ihm der Irrtum klar und er verlässt aufgebracht das Königreich.
Das Publikum dankt mit Applaus für den unterhaltsamen Abend. Und Herr Eisenhardt zeigt sich stolz und ergriffen von seiner Truppe. "Der Funke eurer Spielfreude ist auch auf mich übergesprungen."

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