Zuschauer mögens zauberhaft - Eine 'geistreiche' Geschichte

Zuschauer mögens zauberhaft - Eine 'geistreiche' Geschichte

von Christine Zeides erstellt am 06.07.2012

Das haben die Zuschauer noch nie erlebt. Gleich in der ersten Szene treffen sie auf einen Mann, auf einen ganz besonderen Mann, der ihnen Unglaubliches zu erzählen hat. Sein Name ist Baron Ansgar von Herrschershausen und er weilt schon nicht mehr unter den Lebenden. Seine Frau Lukretia hatte ihn von ihrem Geliebten ermorden lassen. Aber der Geist unterhält sich locker mit dem Publikum, als sei gar nichts gewesen. Und das gleich zu Beginn eines Theaterstückes, das noch für so manche Überraschungen sorgen würde. Doch in „Mörder mögens messerscharf“ musste man wohl auf so einiges gefasst sein.
Jan Budesheim als ehemaliger Hausherr beobachtet nun die Lebenden und stößt dabei auf einige seltsame Geschehnisse in seinem Haus. Der Hausdiener Johann  bemerkt zunächst das Verschwinden des Barons. Und auch die beiden älteren Damen des Hauses, Honoria und Restitutia, spüren, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Der bösen Baronin haben sie noch nie getraut! Und so hecken die drei gemeinsam einen Plan aus. Mit viel Witz, Charme und Humor sollte das Dreiergespann aus Butler und Tanten das Publikum noch einige Male zum Lachen bringen. Die beginnende Schwerhörigkeit der Figur Honoria konnten Mareike Wiegmann und Tabea Hodde immer wieder in lustige Situationen bringen und selbst die Rolle des Butlers forderte von Dominik Meier höchste Konzentration und Trinkfestigkeit.
Johann bittet seine Cousine, die Kommissarin Else Nehrlich, dem geheimnisvollen Verschwinden auf den Grund zu gehen. Da diese leider verhindert ist, schickt sie ihren Assistenten, Hugo Geist, um ein wenig herumzuspionieren. Das ist nicht immer ganz einfach, denn die hinterhältige Baronin ist nicht leicht zu täuschen.
Leider kann sich Lukretia nicht auf ihren tollpatschigen Verehrer Dietmar verlassen, der so brav den Mord ausgeführt hatte. Er versäumt es, jegliche Spuren in Form von Fingerabdrücken und Blutspuren zu beseitigen. Da muss Julia Minarikova  als eitle Baronin wieder alles selbst in die Hand nehmen. Besonders als die Kommissarin nun doch erscheint, um Lukretia die tragische Nachricht vom Tod ihres Mannes zu überbringen, ist schauspielerisches Talent gefragt: die geheuchelten Tränen überzeugen zwar die Polizei, wohl aber nicht die Zuschauer. Vielmehr leidet das Hausmädchen Sophia unter dem Tod von Ansgar: Melissa Keser weint um den heimlichen Liebsten.
Ein weiterer Todesfall ereignet sich: Sophia, das Hausmädchen, hat sich aus dem Turmfenster gestürzt und einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem sie den Mord an Ansgar gesteht. Für Else Nehrlich und die Baronin scheint der Fall nun klar - doch der Butler und die Damen wissen, dass ihre Sophia niemals so etwas getan hätte. Und auch der Brief klingt gar nicht nach ihr...
Es ist eine wahrlich verzwickte Situation: Wie soll jetzt noch die Schuld der Baronin bewiesen werden? Die beiden alten Damen wissen Rat und machen gemeinsam mit Hugo Geist eine Sceance, um Kontakt zu den Toten aufzunehmen. Jonas Samson als Hugo kann der Esoterik zunächst nicht viel abgewinnen, doch als es schließlich gelingt, mit Ansgar und Sophia zu sprechen, ist er doch neugierig. Sophia erzählt, wie sie in einen Hinterhalt gelockt wurde, wie die Baronin sie aus dem Fenster stieß und schließlich den Brief fälschte. Da beide klar Lukretia als Schuldige benennen, ist es geschafft. Mithilfe von Fingerabdrücken und dem eindeutigen Geständnis von Lukretias Verehrer Dietmar wird sie überführt. Ruhe kehrt wieder ein auf dem Gut, das nun von Honoria, Restitutia und dem Butler bewohnt wird. Und auch die beiden Liebenden Sophia und Ansgar sind als Geister im Tod glücklich vereint. Ein wahrlich „geistreiches“ Stück mit viel Spuk und Spaß. 
Zum dritten Mal betrat Herr Henze mit einem Blumenstrauß die Bühne und lobte die Leistung des Kurses. „Eigentlich sind Mord und Totschlag etwas Trauriges - aber hier fand ich es eigentlich ganz amüsant“, sagt er. Und auch Frau Heske fiel wohl ein Stein vom Herzen, da ihr erster Literaturkurs mit lustigen Slapstick-Einlagen und freiem Improvisieren bei kleinen Texthängern die Zuschauer wirklich „begeistern“ konnte.

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