Jugend debattiert am FvSG: Digitaler Schlagabtausch zu kontroversen Themen

Jugend debattiert am FvSG: Digitaler Schlagabtausch zu kontroversen Themen

von Tim Schallenberg erstellt am 06.02.2021

Debattieren in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen – kann das funktionieren? Das Schulfinale von Jugend debattiert am 28.01. – ausgetragen per Videokonferenz über IServ – lieferte diesbezüglich eine eindeutige Antwort: Achtzehn Schüler*innen der Einführungsphase (EF) des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums stellten bei der ersten Online-Variante des argumentativen Wettstreits in der Historie des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums ihre Redekunst zu vorgegebenen Streitfragen eindrucksvoll unter Beweis. Sieger wurde Glen Westerfeld, der das FvSG beim Regionalwettbewerb auf OWL-Ebene vertreten wird.
Die Grundstruktur einer Debatte, argumentative Techniken und Übungen zur Gesprächsfähigkeit lernten die Schüler*innen in den vergangenen Wochen im Rahmen der Sozialwissenschaftskurse bei Herrn Baumann, Frau Czaplinsky, Herrn Griestop und Herrn Schallenberg kennen. Kompetenzen wie freies Sprechen, genaues Zuhören, Positionen anderer einzubeziehen, sich mit der Meinung anderer auseinanderzusetzen und auf einer fairen und sachlich fundierten Ebene zu argumentieren sind zentrale Qualitätsmerkmale einer gelungenen Debatte.
Jede Debatte beginnt mit einer zwei Minuten langen Eröffnungsrede, in der jede*r Teilnehmer*in die entsprechende Position grundlegend darstellt und begründet. Dann folgt eine zwölfminütige freie Aussprache, in welcher frei debattiert werden kann. Zum Schluss formulieren alle Teilnehmenden eine einminütige Schlussrede, in der die Debatte resümiert und die zentralen Argumente gewichtet werden. Die Pro- und Contra-Seiten werden von jeweils zwei Schüler*innen vertreten, wobei im Sinne der Multiperspektivität gegebenenfalls auch Positionen vertreten werden müssen, die der eigenen nicht zwangsläufig entsprechen.
Insgesamt schickten die SoWi-Kurse zwölf Schüler*innen und sechs Ersatzkandidat*innen ins Rennen um den Titel. Zunächst wurde in drei Vorrunden mit folgenden Leitfragen debattiert:
Soll das Verbreiten von Verschwörungstheorien strafbar sein?
Sollen während der Corona-Pandemie wiederholte Verstöße gegen Versammlungsbeschränkungen mit Freiheitsstrafen geahndet werden?
Sollen auf den Verpackungen von Fleisch- und Wurstwaren „Schockfotos“ von Schlachtung und Haltung der Tiere gezeigt werden?
Daraus gingen Julien Gieselmann, Vincent Niemeyer, Marla Stefener sowie Glen Westerfeld als Finalist*innen hervor. Zunächst begrüßte Schulleiter Herr Woltering die Anwesenden und drückte seine Vorfreude bezüglich des anstehenden Finales aus. Es sei im Zeitalter von Fake News von zentraler Bedeutung, dass dieses Projekt Teil der Schullaufbahn ist, denn so seien die Schüler*innen auch in folgenden Jahren in der Lage, ihre Meinung fundiert zu vertreten und Manipulationen zu erkennen. Moderator Herr Schallenberg lobte anschließend explizit das hohe Niveau der Vorrundendebatten, bei denen man die akribische Vorbereitung aller gemerkt habe. Das coronabedingte Fehlen der rund 150 Zuschauer, die gewöhnlich die Finaldebatten live verfolgen, könne die Nervosität der Teilnehmer*innen mindern, wenngleich eine Debatte grundsätzlich natürlich von der Resonanz des Auditoriums lebe.
Die Jury, bestehend aus vier Schüler*innen der Qualifikationsphase (Felix Brinkmann, Jette Schlattmann, Sandra Glaubitz, Nicolas Szafarczyk), welche bereits in vergangenen Jahren erfolgreich an dem Wettbewerb teilnahmen (Jette und Sandra reüssierten bekanntlich in den beiden Vorjahren beim Regionalwettbewerb in Detmold und qualifizierten sich beide für die NRW-Ebene), und den Fachlehrerkräften Frau Czaplinsky und Herrn Baumann, bewertete wie in den Runden zuvor nach den vier Kategorien Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft.
Die aktuelle und kontroverse Streitfrage des Finales lautete: Soll für die Benotung von Abschlussprüfungen und Versetzungszeugnissen ein Corona-Bonus gewährt werden? Die Pro-Seite wurde von Vincent Niemeyer und Marla Stefener vertreten, während Glen Westerfeld und Julien Gieselmann die Contra-Positionen einnahmen. Am Ende der spannenden Debatte zog sich die Jury zur Beratung zurück, um den Sieger zu ermitteln. Herr Schallenberg verkündete, dass es sich um eine hochklassige Finaldebatte gehandelt habe, in welcher nur Nuancen den Sieger ausmachten.
Julien (4.) und Marla (3.) blieben vor allem mit ihrer starken Überzeugungskraft bzw. ihres präzisen Ausdrucksvermögens in den Gedächtnissen der Jury hängen, während Vincent (2.) durch seine starke Eröffnungsrede und seine einprägsamen Formulierungen glänzte.
Glen holte mit seiner hervorragenden Sachkenntnis und seiner rhetorischen Gewandtheit den Sieg und wird das FvSG zusammen mit dem Zweitplatzierten Vincent (Ersatzkandidat) beim Regionalwettbewerb der Bezirksregierung Detmold vertreten, der am 23.02. ebenfalls erstmals in digitaler Form stattfinden wird.

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