Münster im Wandel der Zeit

Münster im Wandel der Zeit

von Eryk Wiecki, Justin Hüsemann (Q2) erstellt am 29.11.2018

Die Fahrt nach Münster begann für den Geographie-Leistungskurs und -Grundkurs der Stufe Q2 recht holprig. So hat die Deutsche Bahn schon am Morgen mit einer Verspätung für Aufruhr gesorgt. Innerhalb der 30-minütigen Verspätung bestand jedoch die Möglichkeit, in einem naheliegenden Café sich durch eine Tasse Kaffee oder eine heiße Schokolade aufzuwärmen. Nach einer guten halben Stunde begann dann schließlich die langersehnte Exkursion nach Münster, ohne weitere Zwischenfälle bei der Anreise.
 
1.Station: Stadtführung und Rundgang
Bei schönstem Wetter begann unsere Exkursion mit einer Stadtführung an zentralen historischen Stätten durch zwei Gruppenführer. Dabei erfuhren wir, dass die Geschichte der Stadtgründung Münsters bereits vor etwa 1200 Jahren begann.  Auf einem Hügel an der Aa, welches der Fluss ist, der durch Münster fließt, errichteten die Franken zunächst Mimigernaford, eine befestigte Anlage.
Repräsentativ für eine mittelalterliche Stadt war der Marktplatz mit dem Dom im Mittelpunkt der Stadt. An der sog. „Keimzelle“ startete auch unsere Stadtführung.  An dieser siedelten sich damals Händler und Handwerker an. Im 10. Jahrhundert entstand eine kleine Siedlung im Schutz des Doms. Ein zweiter Dom wurde bereits in den folgenden Jahrzehnten an den Standort des heutigen Doms erbaut. Der Dom musste allerdings nach einer Brandkatastrophe abgerissen werden. Nach dem Aufbau der Stadt etablierte sich in Münster eine zunehmende Unabhängigkeit der Bürger vom Bischof.
Weitere Standorte waren das Rathaus mit der reich verzierten Fassade aus Baumberger Sandstein im Stil der Gotik und der Prinzipalmarkt. Dieser zentrale Straßenzug ist geprägt durch beidseitig gereihte Giebelhäuser. Anschließend erkundeten wir die – am Prinzipalmarkt liegende - St.-Lamberti-Kirche. Die Kirche wurde 1375 als Markt- und Bürgerkirche erbaut. Besonders hervorzuheben sind die drei am Turm befestigten Eisenkörbe, in welchen die Leichname der hingerichteten Anführer des Täuferreichs von Münster - insbesondere Jan von Leiden - zur Schau gestellt wurden, nachdem diese öffentlich von den Stadtoberen gefoltert und getötet wurden.  Überdies waren wir in der barock ausgeschmückten Clemenskirche, eine der imposantesten Bauwerke Münsters.
Unser Rundgang endete letztlich am Erbdrostenhof, erbaut für den Erbdrosten Adolf Heidenreich Freiherr Droste zu Vischering.
 
2. Station: Kartierung der Stadt
Die Innenstadtkartierung, welche auch Bestandteil der Geographie ist, wurde in Kleingruppen durchgeführt. In einem zeitlichen Rahmen von 45 Minuten wurden Straßenzüge wie der bekannte Prinzipalmarkt oder Teile der Rothenburg abschnittweise kartiert.
Kartieren, was heißt das?
Zunächst geht es um grundlegende Aspekte, wie Hausnummern und Geschosszahlen, weiterhin werden aber auch Aspekte wie die Nutzung der Gebäude oder der Etagen festgestellt, die Bedarfsstufe zugeordnet und die physiognomischen Besonderheiten festgehalten. So kann man die Nutzung in Dienstleistungen oder Einzelhandel sowie in den Bereich Wohnen einordnen und die Bedarfsstufen des Einzelhandels reichen von kurzfristig bis langfristig. Im Optimalfall bzw. bei genügend Zeit gehört zu einer Kartierung auch das Zeichnen des untersuchten Gebietes sowie das fotografische Festhalten besonderer Merkmale, welche bei der Auswertung im Unterricht von Belang sein könnten.
Nach der Arbeitsphase, welche intensiv von den Schülern genutzt wurde, gab es eine frei gestaltbare Mittagspause, um sich für den restlichen Teil der Exkursion zu stärken.
 
3. Station: Stadthafen von Münster - Besichtigung des „Kreativkais”
Den Binnenhafen Münsters erkundeten wir ebenfalls zunächst in Kleingruppen. Auch diesmal wurden den Gruppen unterschiedliche Gebiete zugeordnet, zu denen man jeweils einen Frage- bzw. Aufgabenbogen bearbeiten sollte.
Was ist das Besondere am „Kreativkai“?
Der Stadthafen hat bereits einen großen Wandel erlebt, ehemalig als Binnenhafen genutzt, ist diese Funktion nun nahezu belanglos, vielmehr siedeln sich Firmen aus dem gehobenen Dienstleistungssektor in den modernen Neubauten an. Eine Besonderheit einiger neuer Gebäude, so ist hier der H7-Komplex herauszustellen, ist der energieeffiziente Bau. Zudem wurde in dem H7-Gebäude mit Holz gearbeitet und Baumaterialien aus dem Nahraum verwendet. Der „Kreativkai”, wie er genannt wird, ist also ein zukunftsweisendes Stadtumbauprojekt und bietet neben den gehobenen Dienstleistungen eine Vielzahl an Gastronomien, welche sich an Studenten und Angestellte vor Ort richten, aber insbesondere am Wochenende Menschen auch von außerhalb anziehen. Die Lage am Hafen ist dabei nicht bloßer Zufall, Wasser beruhigt und ist erholsam und schafft damit eine sehr gute Arbeitsplatzlage für die Angestellten, welche durch die meist großen Fenster auf das Hafenbecken blicken können. Ein weiteres Highlight des „Kreativkais” ist die Hafenkäserei, was zunächst nicht richtig zusammenpassen will, erweist sich als ein spannendes Konzept. So werden Führungen, welche den Herstellungsprozess zeigen, angeboten, schließlich gibt es aber auch ein vielfältiges Käseangebot im Bistro, was im Sommer auch auf der Terrasse mit Blick zum Wasser genossen werden kann.
Negativ anzumerken bleibt in Teilen auch die Gentrifizierung als Aufwertungsprozess im Hafenviertel, die auffällt, wenn man sich leicht vom direkten Hafengebiet entfernt. Häuser, welche die Modernisierung (möglicherweise noch) nicht erlebt haben und auf eine einkommensschwache Bevölkerung schließen lassen, verdeutlichen, wie paradox es ist, dass in der direkten Nachbarschaft Firmen gehobener Dienstleistungen einziehen bzw. vorzufinden sind.

Um 16:00 Uhr haben wir dann schließlich die Rückreise angetreten, diese verlief reibungslos und schloss die Stadtexkursion nach Münster gebührend ab.

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