Rundbrief des FvSG (Januar 2003)

von Dr.Claudia Langer

Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Kolleginnen und Kollegen,


Schülerinnen und Schüler fühlten sich, wie die Auswertung der INIS-Befragung (s.u.) ergab, durch den Elternbrief verständlicherweise nicht angesprochen und hatten Mitteilungen, die auch sie betrafen, kaum zur Kenntnis genommen. Der Rundbrief verfolgt nun, wie ich hoffe, mit größerer Resonanz, den gleichen Zweck, den eigentlich schon der Elternbrief, trotz des speziellen Titels, hatte: möglichst alle am Schulleben beteiligten Gruppen über wichtige Entwicklungen und Termine am FvSG zu informieren.
Wie angekündigt, werde ich heute über Schulentwicklungsprojekte am FvSG - und darüber, was wir durch sie erreicht haben - berichten. Das war auch Thema der letzten Schulkonferenz.

Selbstständige Schule
Seit Beginn dieses Schuljahres sind wir "Selbstständige Schule". Die Beteiligung an diesem Projekt hat sich für uns schon in mehrfacher Hinsicht gelohnt.
1) Neueinstellungen: Zum 01.02.2003 erhalten wir drei Neueinstellungen, die wir über das schulscharfe Ausschreibungsverfahren mit Lehrkräften, die dem Anforderungsprofil unserer Schule in besonderem Maße entsprechen, besetzen können. Grundlage ist die Zusage einer hundertprozentigen Besetzung für Selbstständige Schulen, damit sie ihre Entwicklungsvorhaben auch durchführen können.
2) Besetzung der Auswahlkommission: Anstelle eines Mitglieds des Personalrats in Detmold ist nun ein Mitglied des Lehrerrats der Schule (die Vorsitzende: Frau Niederkleine) in der Auswahlkommission vertreten. Als Vertreterin der Schulkonferenz wurde Patricia Johänntgen in die Auswahlkommission gewählt.
3) Eröffnung eines Schülerlabors im Rahmen des Konzepts "Kontinuierlicher naturwissenschaftlicher Unterricht ab Klasse 5": Mit dem Förderprogramm Naturwissenschaften geht das FvSG neue Wege. Nach den in NRW geltenden Lehrplänen wird das Fach Physik erst ab Jahrgangsstufe 6, das Fach Chemie erst ab Jahrgangsstufe7 unterrichtet - und der Unterricht nach einem Jahr jeweils wieder ein Jahr lang unterbrochen. Angesichts dieses geringen Unterrichtsangebots sind die PISA-Ergebnisse deutscher Schüler in den Naturwissenschaften nicht verwunderlich. Dieser für den Lernprozess der Kinder nachteiligen Regelung setzt das FvSG ab diesem Schuljahr das Konzept "kontinuierlicher naturwissenschaftlicher Unterricht ab Klasse 5" und eine Verstärkung des handlungsorientierten Zugangs zu den Naturwissenschaften: "Naturwissenschaften - praktisch" entgegen. Das heißt im Einzelnen:
Für alle 5.Klassen wurde ab dem Schuljahr 2002/2003 das Fach NaWi (Physik/Chemie im Halbjahreswechsel) eingeführt.
Dieser NaWi-Unterricht erfolgt als Experimentalunterricht in Form eines "Lernens an Stationen". Die Kinder führen in Gruppen Experimente selbsttätig durch.
Um die Rahmenbedingungen für einen solchen Unterricht möglichst optimal zu gestalten, wurde ein Schülerlabor eingerichtet. Dabei erhielt die Schule großzügige Unterstützung durch die Firmen Rotpunkt-Küchen und Fretthold-Baustoffe sowie den Förderverein der Schule.
Mit dem teutolab (Mitmach- und Experimentierlabor für Schüler) der Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld haben wir am 05.Dezember einen Kooperationsvertrag geschlossen. Im Rahmen eines sog. Teutolab-Netzwerks stellt die Fakultät für Chemie der Schule interessante Versuchsreihen zur Verfügung. Das Schullabor am FvSG wird dann an besonderen Nachmittagen auch für Grundschulen der Region geöffnet.

INIS (Internationales Netzwerk innovativer Schulsysteme)
1. Worum geht es bei INIS?
Im letzten Schuljahr wurde das FvSG als eine von drei Schulen in NRW vom Ministerium in Düsseldorf benannt, an einem internationalen Netzwerk innovativer Schulsysteme teilzunehmen. In dem von der Bertelsmann-Stiftung geförderten Schulentwicklungsprojekt kooperieren ausgewählte Schulen aus Kanada, Schottland, den Niederlanden, Norwegen, Neuseeland, Ungarn, der Schweiz und aus den Bundesländern NRW, Bayern, Hessen, Niedersachsen und Thüringen. Ziel des Schulentwicklungsprojekts ist es, die Qualitätsentwicklung von Schulen auf der Basis von Befragungen von Eltern, Schülern und Lehrern zu verschiedenen Bereichen schulischer Arbeit voranzubringen. Durch den internationalen Vergleich und Erfahrungsaustausch sollen die Schulen untereinander Gelegenheit erhalten, voneinander zu lernen. Für die Beteiligung erhält in NRW jede Schule eine halbe zusätzliche Lehrerstelle.

2. Was ist im Rahmen der Beteiligung an INIS am FvSG bisher geschehen?
Im April dieses Jahres fand eine erste Befragung von Schülern und Eltern der 5., 9. und 11. Klassen sowie des Lehrerkollegiums statt. Die Auswertung erfolgte für alle Schulen durch ein Unternehmen in Kanada. Für unsere Schule ergaben sich viele positive Rückmeldungen, es zeigte sich aber auch an einigen Punkten Entwicklungsbedarf. Alle schulischen Gruppen waren beispielsweise der Auffassung, dass unser Schulgebäude noch wenig einladend wirkt. Das bezog sich vor allem auf die dunkle und ungestaltete Eingangshalle. In diesem Punkt konnten wir glücklicherweise sofort eine Maßnahme ergreifen.

Verschönerung der Eingangshalle
Der Förderverein des FvSG, der schon vor der Befragung beschlossen hatte, angesparte Mittel für die Verschönerung der Eingangshalle zurückzulegen, stellt umfangreiche finanzielle Ressourcen zur Verfügung. Nach den Plänen des Architekten Jannik Ruschke, einem ehemaligen Schüler und Sohn unseres Kollegen, Herrn Ruschke, wird bereits seit letzter Woche an der Umgestaltung unserer Eingangshalle gearbeitet. Herr Ruschke koordiniert die Maßnahmen und hat zusammen mit Schülerinnen und Schülern seines LK Englisch selbst einige Verschönerungsarbeiten durchgeführt. Die Eingangshalle soll vor allem heller und freundlicher werden: zu einem einladenden Ort für Schülerinnen und Schüler.
Ein weiterer Punkt, in dem wir Maßnahmen vorbereiten, betrifft die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern im Lernprozess, dem Hauptanliegen von INIS ("How can we help students to be successfull learners?"). Der Erfahrungsaustauch mit anderen Schulen (u.a. auch aus Bayern) ergab im wesentlichen drei Arbeitsschwerpunkte: 1. Häufigere Lernstandsrück-meldungen (die Schülern helfen, Defizite und Stärken zu erkennen) und Unterstützungsangebote von Seiten der Schule 2. Stärkere Einbeziehung der Eltern in die Mitverantwortung für das Lernen 3. Stärkung der Selbstverantwortung der Schülerinnen und Schüler für den Lernprozess. In diesem Zusammenhang sollen in nächster Zeit Assessment-Verfahren erprobt werden. Dabei geht es um Förderung des Lernprozesses durch differenziertere Verfahren der Selbsteinschätzung und der Einschätzung durch andere (Lehrer, Mitschüler, äußere Partner). Verschiedenste Formen von Assessment werden in den angelsächsischen Ländern mit großem Erfolg praktiziert.
Die diesjährige Jahrestagung, an der Herr Henze und ich teilgenommen haben, hat in Kanada stattgefunden. Die nächste Befragung findet im Februar 2003 statt. Die Jahrestagung der deutschen INIS-Teilnehmer ist für März in Bayern geplant.

COMENIUS-Projekt
An diesem Projekt, das im Sommer 2002 im Rahmen des Förderprogramms der Europäischen Union im Bildungsbereich genehmigt wurde, nimmt das FvSG zusammen mit seinen Partnerschulen in England, Frankreich und Schweden teil. Alle Anträge wurden positiv beschieden. Auch in diesem Projekt geht es darum - in einem internationalen Rahmen - Schülerinnen und Schülern einen weitgehend selbstständigen Umgang mit traditonellen und neuen Medien zu ermöglichen und ihre Eigenverantwortung im Lernprozess zu stärken. In diesem Zusammenhang soll die Nutzung unserer Mediothek als Selbstlernzentrum weiter ausgebaut werden. In den Unterrichtsfächern geht es darum, die internationale Zusammenarbeit an Sachthemen weiter zu entwickeln. Im Fach Physik wird es z.B. ein gemeinsames Projekt geben (zum Thema Atomenergie), an dem Schülerinnen und Schüler unserer Schule in einem "virtuellen Klassenzimmer" mit den Schülerinnen und Schülern unserer Partnerschulen in England und Schweden kooperieren. Die Software für die Realisierung dieses Vorhabens erhielten wir durch unsere Beteiligung als Pilotschule an dem Projekt "Selbstständiges Lernen mit neuen Medien in der Gymnasialen Oberstufe", SELGO. Die Einbeziehung unserer Partnerschulen bietet viele Vorteile, da an allen drei Schulen ähnliche Entwicklungen im Gang sind, und die bereits vorhandenen Kontakte im Rahmen einer gemeinsamen Unterrichtsentwicklung genutzt und ausgebaut werden können. Diesem Zweck dient auch der von dem Projekt geförderte "Lehreraustausch". Lehrerinnen und Lehrer haben die Möglichkeit, zur Vorbereitung und Durchführung von Vorhaben an der Partnerschule zu hospitieren und zu unterrichten. Das Projekt wird von Herrn Bormann und Herrn Schweynoch betreut.

Nadel und Faden
An unserer Schule wird mit Beginn des zweiten Halbjahres (01.02.2003) eine neue Arbeitsgemeinschaft eingerichtet, die v.a. die kreativen und praktischen Talente unserer Schülerinnen und Schüler fördern soll, die im Alltag deutscher Schulen oft etwas zu kurz kommen, wie auch INIS (s.o.) ergab. Durch die Suche nach günstigen Finanzierungsmöglichkeiten für die Einstiegsphase verzögerte sich der Beginn der AG. Nun haben wir glücklicherweise die Möglichkeit, fünfzehn Nähmaschinen vom Gymnasium am Markt, die dort z.Zt. nicht gebraucht werden, auszuleihen. Sie wurden inzwischen professionell gewartet und überholt, so dass dem Beginn der AG nichts mehr im Wege steht. Die Arbeitsgemeinschaft wird von Frau Niederkleine und Frau Laumeyer betreut. Langfristig ist geplant, eine eigene Ausstattung am FvSG aufzubauen. Wir bitten Sie daher auch auf diesem Wege um Unterstützung, z.B. durch Sachspenden. Benötigt werden außer Nähmaschinen z.B. auch Bügeleisen und Bügelbretter, auch Stoffe sind willkommen.

Ich danke allen, die an der Gestaltung unserer Gemeinschaftsveranstaltungen in der Weihnachtszeit mitgewirkt haben, sehr herzlich. Es waren beeindruckende Feiern, an die wir uns gerne erinnern werden. Allen Eltern, Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr.


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Langer

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