Rundbrief November 2010

von Michael Neuhaus erstellt am 10.11.2010

Liebe Eltern,
liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
unmittelbar vor den beiden Elternsprechtag-Nachmittagen am 18.und 22.November wird für  unsere Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte das erste Unterrichtsquartal im Schuljahr 2010/11 enden – unterbrochen durch zwei Herbstferienwochen und für fast 50% unserer Schülerschaft auch durch Klassen- bzw. Studienfahrten, die den anstrengenden Unterrichtsalltag offenbar sehr positiv bereichert haben, was mir in zahlreichen Rückmeldungen aus der Schulgemeinde bestätigt wurde.
 
Auch die Handwerker haben die ersten Wochen des Schuljahres – wie ich finde- sehr intensiv  genutzt, um nach erfolgter Einrüstung des gesamten Gebäudes die aufwändigen Renovierungsarbeiten an der Schulfassade anzugehen. Erfreulicherweise hat sich auch die Lärmbelastung für uns alle  in Grenzen gehalten, so dass wir mit viel Optimismus und großen Erwartungen auf die nachfolgenden Arbeitsschritte warten. Auch die vier mobilen Raumeinheiten, die unserer Schule vom Schulträger zur Linderung der größten Raumnot für die nächsten drei Schuljahre zur Verfügung gestellt wurden, stehen mittlerweile „auf der grünen Wiese“ hinter dem Oberstufenanbau und fügen sich auf dem Schulgelände relativ organisch ein.
 

Schulversuche in NRW

 
Seit Ende September gibt es an unserer Schule jedoch eine „Baustelle“ mehr – allerdings eine konzeptionelle und damit zutiefst „pädagogische“, denn die neue Landesregierung hat in einer Mail, die allen Gymnasien in NRW Ende September zugestellt worden ist, über zwei Schulversuche informiert, die sich zum einen mit der Einführung der Gemeinschaftsschule befassen, zum anderen mit dem Thema „Abitur an Gymnasien nach 12 oder 13 Jahren“. In beiden Fällen verfolgt die Landesregierung dabei die Strategie, die Entscheidung nicht per Erlass oder Schulgesetz zu regeln, sondern über die Beteiligung an einem der beiden Schulversuche den Handelnden vor Ort (= Schulträger und Schulleitungen der betroffenen Schulen) zu überlassen.
Für das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium stellt sich die Thematik „Gemeinschaftsschule“ nicht, da diese neue Schulform vorrangig aus Fusionen von bestehenden Haupt- und Realschulen generiert werden soll und das insbesondere in Gemeinden, die aufgrund abnehmender Schülerzahlen nicht in der Lage sind, wohnortnah ein vielfältiges Angebot an weiterführenden Schulen aufrecht zu erhalten.
Hinter dem Schulversuch “Abitur an Gymnasium nach 12 oder 13 Jahren“ verbirgt sich die Möglichkeit, als Schule einmalig in diesem Schuljahr den Antrag zu stellen, ab dem Schuljahr 2011/2012 zu einem neunjährigen Bildungsgang (G9 neu) zurückzukehren. Vor dem Hintergrund des rechtlichen Status` als Schulversuch, können landesweit nur 10% der Gymnasien an dem Schulversuch G9 teilnehmen. Für den gesamten Diskussionsprozess innerhalb der einzelnen Schule sowie für die notwendige Abstimmung mit dem Schulträger (= Stadt Bünde), der den Antrag auf Beteiligung am Schulversuch letztlich bei der Bezirksregierung stellen muss, stehen allen Beteiligten 6 Wochen bis Ende November 2010 zur Verfügung.
 
Die Schulleitung hat in den Wochen vor den Herbstferien zunächst die Faktenlage zusammen gestellt, die Stadt Bünde und die Gremien Lehrerkonferenz, Schulpflegschaft und Schülerrat über die vorliegenden Fakten für die beiden Optionen G8 oder G9(neu) informiert und zudem einen Zeitplan kommuniziert, nach dem der Meinungsbildungsprozess an unserer Schule erfolgen soll. Demnach wird die Lehrerkonferenz am 11. November, die Schulpflegschaft am 16. November und die Schülerschaft am 18. November die vorliegenden Optionen beraten und eine Empfehlung für die abschließende Abstimmung in der Schulkonferenz am 23. November abgeben. So weit zum Verfahren.
Vor Aufnahme der inhaltlichen Diskussion in den schulischen Gremien möchte ich die Gelegenheit in diesem Rundbrief nutzen, die Schulleitungssicht zu dieser notwendigen Grundsatzentscheidung darzustellen.
 
Die Schulleitung des fvsg favorisiert die Fortführung des Gymnasiums als achtjährigen Bildungsgang.
 
Wir sehen uns innerhalb der Bildungslandschaft der Stadt Bünde samt Umfeld als sehr gut aufgestellte Schule, die seit Generationen einen hohen Zuspruch unter Eltern und Schülen erfährt und gerade in den letzten Jahren als eines der wenigen Gymnasien in OWL trotz rückläufiger Schülerzahlen in den Grundschulen einen stetigen Anstieg der Schülerzahlen verzeichnet. Eltern melden ihre Kinder am fvsg an, weil sie den langjährigen schulprogrammatischen Schwerpunkt der Schule offenbar wertschätzen – Leistungen einzufordern und aus Schülersicht erbringen zu wollen auf dem Hintergrund innovativer, an Kompetenzen ausgerichteter Bildungsziele und schlüssiger Konzepte zur individuellen Förderung. Lange, bevor sich dieser Paradigmenwechsel in der landesweiten Bildungslandschaft abzeichnete, hatte sich das Kollegium dieser Schule zum Beispiel auf den Weg gemacht, die methodischen Kompetenzen der eigenen Schülerschaft über das hausinterne Kompetenzcurriculum wirkungsvoll zu entwickeln. Adressaten gerade dieser konzeptionellen Arbeit waren die Schüler(innen) des seit 2005 laufenden achtjährigen Bildungsganges, die im Moment zusammen mit dem letzten G9-Jahrgang als so genannter Doppeljahrgang die Oberstufenarbeit aufgenommen haben.
 
Wir möchten diese Arbeit gerne konsequent fortsetzen – und wenn wir sagen konsequent, dann meinen wir damit verlässlich – ein Gut, das in der bildungspolitischen Diskussion völlig fehlt, für die Arbeit an einer Schule aber für Eltern, Kinder und auch für das Kollegium unverzichtbar ist. Wir sehen das fvsg für diesen konsequenten Weg nach G8-Bedingungen mittlerweile als gut aufgestellt.Konsequente Beibehaltung von G8 bedeutet für uns allerdings auch, den entscheidenden Schritt, nämlich den, in Richtung gebundenen Ganztag, zu gehen – selbst, wenn diese Grundsatzentscheidung ausschließlich die Schülerinnen und Schüler betreffen würde, die ab dem nächsten Schuljahr das fvsg als 5. Klässler besuchen. Viele Stimmen kritisieren bei G8 nicht die Tatsache, dass es das Konzept gibt, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen Schulen es einführen mussten. Es handelt sich bei G8 eigentlich um ein Konzept, das nur unter den Bedingungen des Ganztags pädagogisch sinnvoll umgesetzt werden kann und so nicht dauerhaft zu einer Überforderung der Schülerinnen und Schüler durch Überfrachtung eines Schulalltages führt.
 
Neben den bereits angesprochenen hausinternen Konzepten, die vor allem die methodischen Kompetenzen unserer Schülerschaft systematisch entwickeln und diese damit individuell fördern sollen, haben sich gerade in den beiden letzten Jahren viele bauliche Veränderungen eingestellt, die auch im Rahmen eines Ganztagbetriebs hilfreich sind. Neben den Erweiterungsbauten (samt Ausstattung) für die Oberstufe ist die Umrüstung der Eingangshalle zu einem gut angenommenen Pausen- und Aufenthaltsbereich ebenso zu nennen wie die laufende Umgestaltung des Schulgeländes zu Pausenbereichen, in denen einerseits Sitzgelegenheiten, andererseits aber auch Aktivitätszonen für den Ganztag geschaffen wurden. Wir profitieren zudem von dem Kooperationskonzept der Stadt Bünde mit der AWO, das uns neben einigen Mitarbeitern für die Mittagszeit auch zusätzliche Gelder für die Finanzierung von Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag zur Verfügung stellt. Mit überwiegend schuleigenen Geldern wurde zudem eine Kletterwand in der Siegfried-Moning-Halle finanziert und ein ganz erheblicher Beitrag für die Umrüstung des Lehrerzimmers zu adäquaten Pausen-, Arbeits- und Konferenzzonen geleistet. Seit dem letzten Schuljahr erproben wir zudem bereits die Einführung von Doppelstunden, um die Fächerflut pro Tag zu reduzieren und damit auch andere Unterrichtsformen zu forcieren. Wir denken über intelligente Formen der Rhythmisierung des Schultages nach, die unter anderem zu längeren Pausenzeiten führen und reagieren auf den offensichtlichen Bedarf an zusätzlichen Beratungsangeboten für unsere ca.600 Oberstufenschüler(innen).
 
Gewiss bleiben auch Baustellen, die bei einer zukünftigen Ausrichtung der Schule als Gymnasium mit gebundenem Ganztag optimiert werden müssten. Die Cafeteria bietet zu geringe Ressourcen, zumal die Mensaangebote aktuell nur von einem sehr kleinen Kreis von Schülern/Lehrkräften wahrgenommen werden. Benötigt werden vor allem weitere Aufenthalts- bzw. Rückzugsbereiche in den Mittagspausen, die von unserer Schülerschaft in Pausen- und Übermittagzeiten vielfältig genutzt werden könnten, um abzuschalten oder ganz einfach der Hektik im Schulalltag für ein paar Minuten zu entrinnen.
In einem Gymnasium mit gebundenem Ganztag ist für die Schülerschaft natürlich auch die Erledigung der Hausaufgaben in dafür im Stundenplan extra ausgewiesenen Stunden obligatorisch, und natürlich fällt es durch einen vom Land NRW in solchen Schulen besser gestellten Personalschlüssel auch leichter, eine Klassenlehrerstunde pro Unterrichtswoche zu etablieren.
 
Die Schulleitung favorisiert also ganz eindeutig das Fortführen des achtjährigen Bildungsganges an unserer Schule. Lassen Sie uns die Aufbruchstimmung und das gute Schulkima am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium als „Pfund“ dafür nehmen, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen, zumal die von der Landesregierung für G9-neu aufgeführten Bedingungen eben nicht die Rückkehr zum traditionellen Halbtagsgymnasium alter Prägung bedeuten würden – wir haben das dem Kollegium, den Vertretern der Schülerschaft und den Eltern in der Schulpflegschaft bereits in einer differenzierten Gegenüberstellung vermittelt. Für den abschließenden Meinungsfindungsprozess wünsche ich mir im Ergebnis eine klare Positionierung der Schule auf dem Hintergrund  offener und fair ausgetragener Diskussionen in den Gremien.
 

Personalia

 
Parallel zu dem anstehenden Meinungsbildungsprozess zum Thema „Schulversuche“ stehen die Monate November/Dezember ganz im Zeichen der Personalentwicklung. Ich hatte Sie ja im Juli - Rundbrief über die angespannte Lehrerversorgung informiert, die im laufenden ersten Halbjahr zu einigen Stundenkürzungen geführt hat. Neben den Ihnen bekannten Einschränkungen müssen wir in den nächsten Monaten zudem auf die Kollegin Julia Schnitker verzichten, die sich seit Ende Oktober in Elternzeit befindet.
 
Trotzdem bin ich nach heutigem Stand zuversichtlich, dass wir ab Mitte Februar eine erheblich verbesserte Personallage erwarten können.
 
Wir haben ab sofort mit der Kollegin Dieterle eine dringend benötigte Lehrkraft mit den Fächern Kunst/Französisch einstellen können, zudem wird uns mit  Frau Ellguth eine Lehrkraft mit den Fächern Englisch/Sowi unterstützen. Darüber hinaus können wir im November/Dezember insgesamt 9 Lehrerstellen mit den unterschiedlichsten Fächerkombinationen ausschreiben, die allesamt zum 2.Halbjahr 2010/11 einstellungsrelevant werden!

Klassenpatenschaften

 
Seit dem ersten November haben alle 5. Klassen ein Patenkind in einem Land der 3. Welt. Die Patenschaften sind durch die Organisation PLAN Deutschland vermittelt worden. Die Patenkinder der Klassen 5a, 5b und 5d leben in Ghana, die der 5c und 5e in Haiti und das Patenkind der 5f lebt in Äthiopien. Nachdem sich unsere Schülerinnen und Schüler über die Patenkinder und ihre Familien, die Lebensbedingungen der Kinder in den einzelnen Ländern und die Projekte, die die Organisation PLAN in den jeweiligen Ländern durchführt, informiert haben, erfolgen jetzt die ersten Briefkontakte, in denen sich unsere Kinder vorstellen. Auf dem Weihnachtsbasar können sich alle interessierten Eltern und Schüler an einem Informationsstand  genauer über die Klassenpatenschaften informieren.


Wichtige Termine im November/Dezember 

  • Elternsprechtage am Donnerstag- (18.11.) und Montagnachmittag (22.11.) in der Zeit von 15:3o bis 19:oo Uhr
  • Schulpflegschaftssitzung am Dienstag, 16.November ab 19.oo Uhr
  • Schulkonferenz am Dienstag, 23.November ab 18.oo Uhr
  • Adventsbasar am Freitag, 26.November ab 14:ooUhr
  • Weihnachtskonzert am Donnerstag, 16.Dezember
 
 
Ich wünsche uns allen in der gewohnt hektischen  Vorweihnachtszeit ertragreiche Diskussionen bezüglich der angesprochenen Schulversuche, unserer Schüler- und Lehrerschaft bei allem Ehrgeiz und Anspruch die nötige Gelassenheit bei der Bewältigung der schulischen Anforderungen und uns allen eine Zeit im Advent, die zeitliche Ressourcen zum Abschalten und  für besinnliche Momente lässt.
 
Alles Gute wünscht Ihnen/Euch
 
Michael Neuhaus

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