Mit Worten statt Fäusten geglänzt - Schulfinale

Mit Worten statt Fäusten geglänzt - Schulfinale "Jugend debattiert"

von Nico Ebmeier (Text) und Noah Grinewitzki (Fotos erstellt am 30.01.2018

Jugend debattiert: Am Freiherr-vom-Stein Gymnasium wurde am Freitag der beste Debattant der Einführungsphase gesucht. Der Gewinner fährt im Februar nach Detmold.
 
Bünde. Soll der Videobeweis in der Fußball-Bundesliga abgeschafft werden? Sollen ungesunde Lebensmittel stärker besteuert werden? Oder sollen Rauschgifte, wie Haschisch und Marihuana, in Deutschland legalisiert werden? Über diese Themen debattierten am vergangen Freitag 12 Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase des Freiherr-vom-Stein Gymnasium Bünde beim eigenen Schulfinale von „Jugend debattiert“. Der beste Debattant in diesem Jahr war Linus Wetzlar. Er fährt am 21. Februar zusammen mit dem zweiten Sieger Leon Kühn zu der Bezirksausscheidung nach Detmold.

„Die Demokratie lebt davon, dass sich Kontrahenten sachlich austauschen. Nicht mit Beleidigungen oder Gewalt“, erklärte der Schulleiter des Gymnasiums Gunnar Woltering. Es sei besonders wichtig, dass die Schüler das von Beginn an kennenlernen, führte er fort. Genau das ist der Sinn von „Jugend debattiert“. Das Prinzip des Wettbewerbs ist einfach. Pro Runde debattieren vier Schüler. Dabei repräsentieren je zwei Debattanten die jeweiligen Pro- und Contraseiten. Die Diskussion ist in drei Teile unterteilt. Jeder der Gymnasiasten hatte zu Beginn in einer zweiminütigen Eröffnungsrede Zeit, die Problemstellung zu erläutern und das erste Mal seine Meinung preiszugeben. In der folgenden freien Aussprache haben die Debattanten die Chance, die Jury sowie die Gegenseite, zu überzeugen. Dies dauert zwölf Minuten. Zum Ende gibt es für jeden Schüler noch einmal je eine Minute Zeit, in der Schlussrede seine Meinung vorzustellen. Die Jury bestand aus ehemaligen Siegern des Schulfinals sowie den Sozialwissenschaftslehrern Jürgen Flegel und Johannes Baumann. In den vergangenen Wochen wurde in den Sozialwissenschaftskursen der Einführungsphase akribisch auf dieses Schulfinale hingearbeitet. Die Schüler simulierten den Wettbewerb und entsandten aus jedem Kurs die drei besten Debattanten zum Finale. 

Bei der ersten Debatte kam es direkt zu einem Novum. Bei der Diskussion um die Frage, ob ungesunde Lebensmittel stärker besteuert werden sollen, gab es nur drei anstatt vier Debattanten. „Es haben sich heute gleich zwei Schüler krankgemeldet. Wir haben leider immer nur einen Ersatzkandidaten“, erklärte Tim-Florian Schallenberg, der Organisator des Wettbewerbs. Leon Kühn musste daher ganz allein die Pro-Seite vertreten und argumentierte vor allem mit der heutigen Gesellschaft, die mehr und mehr zur Fettleibigkeit tendieren würde. Seine Gegenspieler Laura Ermshaus und Julia Schütte argumentierten hingegen vor allem damit, dass die meisten Lebensmittel auch bei einem etwas höherem Preis sicher gekauft würden.
 
Die zweite Debatte thematisierte den Videobeweis in der Fußball-Bundeliga. Soll er nun doch ersatzlos gestrichen oder weiterhin benutzt werden? Leon Brandis und Marlin Blümel argumentierten für die Abschaffung, Linus Rehder und Svea Grünheid dagegen. Für die Pro-Seite zählte vor allem der Verlust der Emotionen durch den großen Zeitaufwand bei der Videoüberprüfung sowie die dennoch häufig passierenden Ungenauigkeiten und Fehlentscheidungen. Die Videobeweis-Befürworter plädierten besonders für die Fairness im Fußballsport und die Entlastung der Schiedsrichter.

Die dritte und damit letzte Vorrundendebatte handelte von dem Rauschgiftkonsum. Soll jener legalisiert werden oder eben nicht? Während Andreas Welck und Dana Zobel sich klar gegen eine Legalisierung des Rauschgifts aussprachen, waren Joshua Franke und Linus Wetzlar klar dafür. Für Andreas und Dana spielte der dadurch entstehende geöffnete Weg zur Droge die größte Rolle. Für Joshua und Linus sind dagegen die „dreckigen Drogen“ das Problem. Bei sauberen, klinisch erzeugten Drogen sehen die beiden den Weg zur Legalisierung.

Die vier, die in der Vorrunde die meisten Punkte der Juroren sammeln konnten, standen dann im Finale. „Das ist was Besonderes. Zum ersten Mal haben wir ein reines Jungenfinale“, erzählte Schallenberg. Andreas Welck, Linus Rehder, Leon Kühn und Linus Wetzlar durften sich mit der Frage: „Soll das Betteln in deutschen Innenstädten verboten werden?“ auseinandersetzen. Auf der Pro-Seite argumentierten Leon Kühn und Linus Wetzlar. Für Leon war klar, dass das Betteln definitiv keine langfristige Lösung sei. „Die 2 Euro im Becher geben heute vielleicht Essen, aber was bringt es, wenn sie morgen verdursten.“ Dagegen plädierten Andreas Welck und Linus Rehder. Für die beiden war es besonders wichtig, dass die Menschen am untersten Existenzminimum wenigstens einen Tag überleben können. „Das ist einfach eine Menschenrechtsfrage“, so der 15-jährige Andreas.

Nach dem Finale und einer kurzen Jurorenberatung wurden dann die diesjährigen Gewinner des Schulfinals gekürt. Den Wettbewerb gewann Linus Wetzlar, der besonders mit seiner klaren Gesprächsstruktur überzeugte. Zweiter wurde Leon Kühn, der durch sein starkes Auftreten zu Gefallen wusste. Allerdings musste er aufgrund einer gewissen sachlichen Ungenauigkeit ein paar Punkte einbüßen. Auf den Plätzen folgten Linus Rehder vor Andreas Welck.

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