Einblicke in eine gespaltene Persönlichkeit

Einblicke in eine gespaltene Persönlichkeit

von Nico Ebmeier (Q2) erstellt am 18.06.2018

Literaturaufführung: Der Literaturkurs der Q1 des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums Bünde stellte am Montag- und Dienstagabend sein Stück „Böse“ vor.

Bünde. Ein junger Mann, der vier Morde in Serie begangen hat. Vorliebend vergriff er sich an jungen Blondinen zwischen 19 und 25 Jahren. Auf der anderen Seite, ebenfalls der 25-jährige, bekannt als sehr glücklicher junger Erwachsener, der keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Von dieser gespaltenen Persönlichkeit erzählte das Stück „Böse“ des Literaturkurses der Q1 des Bünder Gymnasiums unter der Leitung von Frau Kruse. Schulleiter Gunnar Woltering lobte dieses „ungewöhnliche Stück“ sehr.
Die Bühne war über den ganzen Abend zwei geteilt. Auf der rechten Seite eine Art Firma. In der Firma saßen der Firmenchef C (Nele Weichelt) sowie die Angestellten A (Gian Luca Mey) und B (Sofie Ronsiek). Auf der rechten Bühnenseite war das Studio von „Herford Aktuell“ unter der Leitung von Moderatorin Leonie Schneider (Joelle van de Wetering), die in ihrer Nachrichtensendung im Laufe des Abends immer wieder verschiedene Gäste einlud.
Zur Vorgeschichte: In den letzten Wochen wurden drei Serienmorde begangen. Jedes Mal traf es junge blonde Mädchen zwischen 19 und 25 Jahren und jedes Mal verfolgte der Täter das gleiche Schema: Im Schutz der Dunkelheit suchte er den Kontakt zum Opfer, sprach es an, machte ihr Komplimente. Aber sobald sich die Mädchen abgeneigt zeigten und sogar wegliefen, überwältigte sie der Täter. Bisher fehlte aber noch jede Spur.
Chef C der „Firma“ wusste stets, dass es nur ein Ziel gibt. „Wir müssen aus allen Aufträgen einen möglichst hohen Gewinn erwirtschaften“, erklärte der Firmenchef. Bisher wirkte alles für die Zuschauer etwas paradox und verwirrend, was sich aber im Lauf des Stücks erklären sollte. Die „Firma“ stellte das Innenleben des Serienmörders da. Die drei Mitarbeiter versuchten jeweils die Kontrolle über den jungen Kapuzenträger zu übernehmen. B zeigte sich dabei seinem Chef stets loyal, wobei sich A eher kritisch gegenüber den Plänen seines Vorgesetzten zeigte.  Dennoch ließen A und B den maskierten Täter ein weiteres junges Opfer (Objekt P12) erdrosseln, wie es C gefordert hatte und spätestens jetzt wuchs der Unmut der beiden Angestellten weiter. C würde keine klaren Pläne mehr haben, Menschen unnötig ermorden.
Parallel lud Moderatorin Schneider die Psychologin Dr. Sarah Breitenbach in ihrer Show ein und allmählich lichtete sich auch für die Zuschauer das Bild. Breitenbach, gespielt durch Alina Schmich, erklärte, dass der Täter wohl zwei Persönlichkeiten hätte. „Er versucht das Gefühl der Macht immer wieder zu wiederholen. Er braucht diesen Erfolg“, erklärt die Expertin. Nun kommt die Mutter des Verdächten Marco Friedrich in das Studio. Ulrike Friedrich zeigte die Persönlichkeiten ihres Sohnes auf. Der 25-jährige hatte nie Erfolg bei Frauen, seine große Liebe Cassandra Lewis hat ihn verlassen, er möchte den Frauen das geben, was sie verdient haben.
Auch in Marcos Innenleben bewegt sich mächtig etwas. „Es gibt nur eine Aktion, bis das große Ziel erreicht ist. Objekt Y01 muss liquidiert werden“, erklärt Chef C. Was in Codeform schön klingt sollte bedeuten, dass der Serienmörder nun seine Exfreundin Cassandra umbringen soll. Marco müsse sich endlich dafür revanchieren, was ihm all die Frauen angetan hätten. Als Vorbild dafür, erklärte C, sieht er seinen Vater. Sein Vater hatte ihn und Mutter Ulrike regelrecht terrorisiert, sie geschlagen bei Fehlern. Zusätzlich wurde Marco in der Schulzeit immer wieder von Mädchen erniedrigt. Mittlerweile ergab sich eine große Verknüpfung zwischen seiner Kindheit und der Mordserie.
Und nun ist der große Tag gekommen: Marco trifft Cassandra und erwürgt sie unter Führung von C. A und B spalten sich allerdings mittlerweile stark von ihrem Chef ab, doch ihr Versuch, C zu stürzen, misslingt.
Jetzt erklärt sich eine weitere Geschichte aus der Kindheit von Marco. Es handelte sich um Hamster Mr. Muck. Als er elf Jahre alt war, unterlief ihm ein Missgeschick und der Hamster brach sich das Bein. Um ihn zu erlösen, hatte Marcos Vater eine Idee. Er sollte eine Tischplatte nehmen und seinem Haustier den Kopf zerschmettern. Aus Angst vor seinem Vater, machte Marco dies tatsächlich auch. Allerdings stellte er sich anstatt des Hamsters das Gesicht der Mutter vor, sodass ihm diese Tat einfacher fiel. Marco war enttäuscht, dass er keine Hilfe der Mutter erhielt und so nahm das ganze Geschehen seinen Lauf. Um endlich abzuschließen, möchte C so auch die Beziehung zu Cassandra beenden. Allerdings schafft B es, früh genug seinen Vorgesetzten zu überwältigen und die Tat zu stoppen. Er läuft in die Redaktion von „Herford Aktuell“ und stellt sich scheinbar seiner Mutter und der Moderatorin. Allerdings kommt es anders. Moderatorin Schneider habe ihn in der Kindheit gemobbt und seine Mutter ihn zu oft enttäuscht. Also greift er die beiden an und erschlägt sie.
Nicht nur für Schulleiter Woltering brauchte es einige Minuten um das Stück zu verstehen, aber auch er war begeistert von der Schülervorstellung. „Es ist ein unheimlich wichtiges Thema heutzutage. Es ist klasse, dass ihr euch so damit auseinander gesetzt habt“, lobt Woltering.

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